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Phrase nun lautet: „äuloiHms Vital" oder „mein lieber, süßer Eugen!" — ob man„awo" sagt oder „ich liebe", ob man „basia," gibt oder „Küsse", ob das „tausendmal"geschieht oder „ssxvantias" — die Sache bleibt unbestreitbar die gleiche — und VaterGoethe hat Recht, wenn er die Dienste die Amor den altklassischen Triumvirn gethan,als völlig identisch bezeichnet mit dem, waS die Sehnsucht heute von ihm erwartet —nicht nur in eoseotia, sondern auch in der Form, in der Filigranarbeit des Details.
Wie aber nun die Römerin liebte, nachdem der Jüngling ihr Ja gehört, wie sieschmollte und kokettirte, wie sie huldvoll und launenhaft war — das zu schildern, würdean dieser Stelle zu weit führen. Darüber läßt sich ein Buch schreiben, ein Buch. dasin die große Bibliothek eingereiht werden müßte: Encyclopädie des weiblichen Herzens,herausgegeben unter Mitarbeiterschaft sämmtlicher Poeten seit David und Saloinon« —Fragmente davon vielleicht bei einer anderen Gelegenheit!
«oldkSrner.
Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe,
Die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde,Ausbaut auf dem betrüglichen Grunde?
Wisse, daß man nicht gleich ein Riese heißet,
Wenn man kein Zwerg mehr heißen kann.
Denn wie der Jüngling in der Zukunft lebt,
So lebt der Mann mit der Vergangenheit;
Die Gegenwart weiß keiner recht zu leben.
Rechlschaffenheit! Sie sei der feste Grund,
Aus dem Du gehst und stehst; RechlschaffenheitSchafft in Dir selbst das Rechte allezeit,
Und ihre beste Segnung wird Dir kund,
Strenge, die sich selbst bezwingt.
Schafft im Leben, was gelingt.
Lieb' und Frieden noch dabei.
In Thränen ist der Mensch dem Menschen gleich;Der Starke wird des Schwachen sich erbarmen,Dem Fremdling sich der Fremdling liebend nah'»;Was sich gehaßt, wird friedlich sich umarmen,
Und heißer sich, was sich geliebt, umsah'».
Schiller.
Passet.
Grillparzer.
Fr. Schlegel.
E. Schulze.
8 Miseellerr.
(Denksprüche von Petit-Senn.) Ein weitschweifiger Redner und de<Docht eines Lichtes verlieren ihre Klarheit je länger sie werden. — Die Liebe errichtetein Zelt in unserem Herzen; die Freundschaft aber baut sich einen häuslichen Heerddarin. — Der gewinnreichste Handel wäre der: die Menschen zu kaufen nach dem, wassie werth find, und sie wieder zu veräußern, nach dem was sie sich schätzen.
(Die gescheidten Kinder.) Vater (bei dem Abendessen): „Ihr seid schonrechte Naschmäuler! Jetzt ist den Rangen nicht einmal der Kalbsbraten mehr gut genug.'Wißt Ihr, was ich bei meinen Eltern als Nachtessen bekam?" Eine Suppe und einaufgewärmtes Gemüse von Mittags, manchmal auch nur einen halben Schoppen Bier undein Stück schwarzes Brod." — Kinder: „Gelt, Papa, da geht's Dir bei uns schon besser!"
(Kindermund.) „Du mußt Dir hübsch Mühe geben, orthographisch zu schreiben,"sagte ein Vater zu seinem Sohne. „Ach, lieber Vater, plage mich doch nicht mit derOrthographie," antwortete der Kleine, „denn darüber sind ja die Gelehrten nicht einig,".