Ausgabe 
(23.6.1883) 50
 
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Äugsliurger Postieilimg.-

Nr. 50. ;

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Samstag, 23. Juni

1883.

Des Försters Enkelkind.

Original «Novelle von Mary Dobson.

(Fortsetzung.)

XX.

Am Nachmittag vor ihrer Abreise nach Bodenwald finden wir Anna in ihremZimmer im Hause der Frau Doktor Dörner, im Begriff den letzten Brief aus H. anihren Großvater zu schreiben. Vor ihr liegt der seinige, der ihr alle in Vahrenwald stattgehabten Ereignisse auf'3 eingehendste mitgetheilt, unk beim nochmaligen Lesen desselbenflössen ihre Thränen reichlich.

Endlich aber hatte sie die Stelle erreicht, wo ihre Tante im Namen ihres Groß-vaters geschrieben:

Sei trotz Allem ruhig, mein Enkelkind, denn ich denke durch meine Mittheilungdie Gräfin dahin zu bringen, daß sie ihre Einwilligung zu Eurer Verbindung gibt. Reiseohne Sorgen mit Sophie und der kleinen Thusnelda nach Bodenwald; der Herr abersegne Deinen Einzug, und wende Alles, wie es seiner Allweisheit zufolge sein soll. Ichhabe mich seinem Willen nicht widersetzt, sondern lasse Dich zu Deinem Großvater gehen,der nicht ahnt, wer in Dir sein stilles, vereinsamtes Schloß betritt!"

Ja, ich will ruhig sein", sagte jetzt entschieden Anna,will meinem theuren, sor-genden Großvater glauben, will glauben, daß Alles gut und fröhlich endet! Undweshalb sollte es auch nicht? Waldemar liebt mich treu und wahr, mein Besitz istsein höchstes Glück ich liebe ihn ebenfalls, mein Großvater will mich ihm zur Gattirgeben, und ich werde die Seinrge werden, ein sicheres seliges Gefühl sagt es mir!"

Die Feder, welche sie bei Seite gelegt, wieder zur Hand nehmend, begann sie zischreiben:

Mein theurer, lieber Großvater!

Morgen, wie Dir auch schon bekannt ist, reisen wir nach Bodenwald, und ich wolltDir noch diese Zeilen schicken, damit Du auch bis zu Ende erfährst, wie eS mir hier e;gangen ist. Sehr gut, kann ich wie immer sagen, denn Sophie und ihre Mutter hüt«und pflegen mich auf das Beste, und alle meine Sorgen Dir ^vAßt wen und wlsie betreffen überlasse ich Dir, wie ich soeben mir noch einmal vorgenommen, uidenke mit Ruhe an Waldemar und an die Zeit, wo wir uns wiedersehen werden.

Wenngleich ich mir so oft vorgestellt, wie nothwendig mir jetzt Ruhe und' Besonne»heit ist, bemächtigt sich meiner doch eine kaum zu unterdrückende Aufregung, wenn 'Mir vorstelle, daß schon morgen Abend ich meinem Großvater gegenüberstehen werde, d der aber, nein, Großvater, ich will ihm nicht mehr zürnen, und auch nimit gehässigen Gefühlen vor ihn hintreten, sondern will ihm vergeben das Leid vtgeben, das er Dir und auch mir zugefügt!

Von Bodenwald erhaltet Ihr baldigst wieder Nachricht, und werde ich DeinRath zufolge den Brief an Deine Tante adressiren.