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lich griff Haydn noch einmal nach dem Strauße, den seine Hand gefaßt hielt, als er dieeintretenden Männer begrüßte. Davon nahm Jffland Veranlassung, die Frage zu thun,ob es ihm gestattet sei, eine Blume diesem Strauße zur bleibenden Erinnerung an dieseStunde zu entnehmen. Haydn antwortete dadurch, daß er das Gesicht ganz und gar inden Strauß sinken ließ, dessen Duft noch einmal innig und mit Wonne sog und ihndann mit beiden Händen Jffland reichte. Noch eine Umarmung folgte, noch eine Thränefloß über die welken Wangen des Musikers, dann wendete er sich ab und rief mit dumpferStimme: „Lebet wohl!"
Nachdenklich und ergriffen verließen die Männer das Haus. Jffland pries sichglücklich, an dem Anblicke der Sonne dieses Genius sich noch gelabt zu haben, die schonzum Untergänge neigte. Er hatte Grund dazu, denn bald sank sie hinab. Nur wenigeMonate vergingen, da pochte der Tod an Haydn's Thür und führte ihn sanft zu jenenlichten Höhen, denen er ahnend längst entgegenstrebte. Sein Ende war wie eine schöneSymphonie mit leise ausklingenden Accorden, und es klang, als sangen Engel an seinemSterbelager.
Miseelilsn.
(Ein raffinirter Gaunerstreich), der diesmal glücklicherweise kein Menschen-leben kostete, wurde in einem Juwelierladen des Palais Royal , nicht weit von demPrestrotschen Gewölbe begangen. Eine Dame in offenbar gesegneten Umständen betratden Laden, verlangte Einiges zu sehen und entfernte sich, ohne etwas zu kaufen. Kaumwar sie draußen, stürzte ein elegant gekleideter Herr ins Magazin und ruft ganz bestürzt:„Ich bitte Sie, machen Sie keinen Lärm; die Unglückliche kann nichts dafür, ich bringeIhnen den Ring zurück", und dabei zeigte der Herr eine bnAus olrovaliers, die wirklichin einem der Dame gezeigten Kästchen fehlte. Der Herr erzählte nun, daß seine Gattinin Folge ihres Zustandes von einer unwiderstehlichen Lust zu stehlen beherrscht werdeund daß er ihr in Folge dessen auf Schritt und Tritt nachgehen müßte, um Skandalzu vermeiden. Dabei spielte der Herr mit dem Ringe und frug, was er koste. DerJuwelier nannte einen ziemlich geringfügigen Preis, den der Herr auch erlegte und sichmit dem Ringe auch entfernte. Zwei Tage später kam dieselbe Dame, bat neuerdings,man möge ihr verschiedene Gegenstände zeigen, kramte herum und entfernte sich ebenso,ohne etwas gekauft zu haben. Die Ladenmädchen tauschten untereinander verständniß-volle Augenwinke, und als die Frau draußen war, wunderte sich Niemand, daß aber-mals ein Stück, diesmal kein Ring, sondern ein mit Brillanten besetztes Bracelet imWerthe von 6000 Francs, fehlte. Worüber dagegen Alles im Laden staunte, das wardas Ausbleiben des zärtlichen Ehegatten, der seine wider Willen diebische Gemahlin auf Schrittund Tritt verfolgte. Er ließ sich nicht blicken und das Bracelet noch weniger. DerJuwelier war das Opfer eines Gaunerpaares geworden.
(Die Dummen werden nicht alle.) In einer Zeitung wurde ein unfehl-bares Mittel zur Nattenvertilgung gegen Einsendung von 3 M, empfohlen. Ein Bäuerlein,das mit diesen Nagethieren belästigt war, sandte den Betrag ein und erhielt nach einigenTagen das gewünschte Mittel zugesandt. Wie groß aber die Enttäuschung des Bestellers,als er das ziemlich umfangreiche Packet öffnete und einen ca. 2Vz Fuß langen Knittelmit einem Zettel vorfand, auf dem die lakonischen Worte standen: „Mit diesem Knittelschlagen. Sie jede Ratte, die Sie sehen, kräftig auf den Kopf und Sie werden sofortGelegenheit haben, die unfehlbare Wirkung unseres Mittels zu bewundern."
(Eine junge Hausfrau.) „Aber liebe Frau, Du hast mir doch versprochen,ein Rebhuhn vom Markte mitzubringend Es muß doch jetzt genug geben!" — Frau:„Das schon, aber weißt Du, lieber Rudolf, ich konnte mich nicht dazu entschließen, eintodtes Rebhuhn zu kaufen."
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischcn Instituts von Dr. Max Huttler.