Mis-ell-n.
(Eine Erinnerung an Ferdinand v. S chill.) Ein interessantes Dokumentaus einer denkwürdigen Zeit kam in diesen Tagen durch einen ergötzlichen Zufall inBerlin zum Vorschein und wird nunmehr an betreffender Stelle unter Glas und Nahmenfeierlich aufbewahrt. Das „Dtsch. Tgbl." berichtet darüber: Der Besitzer eines beliebtenRestaurant in der Friedrichstraße , bekannt als eifriger Politiker, ist, wie seinen Gästenebenfalls nicht unbekannt ist, ein geschworener Feind der Franzosen im allgemeinen undder Napoleoniden insbesondere, und namentlich gilt ihm Napoleon I. als Erzfeind undnichtswürdigster Verderb« Deutschlands . Nun erwähnte vor einigen Tagen ein etwas«unsicherer" Gast, er sei im Besitze einer höchst interessanten Urkunde aus jener Zeit desersten Napoleon, die einst dem Verhaßten nicht wenig Spott und Schande eingetragenhaben mochte: nämlich eines alten vergilbten Zeitungsblattes des früher in Köslin heraus-gegebenen „Pomiiierischen Volksbl.", welches die betr. Geschichte seinen damaligen Lesernerzählte. Aufgefordert, daS interessante Blatt zur Stelle zu schaffen, warf der Besitzerdesselben im Scherz die Frage auf: „Was bekomme ich dafür?" „Ich streiche IhreZeche, wenn Sie mir das Blatt geben!" rief im ersten Feuer der Wirth. Das will-kommene Wort wurde von dem „unsicheren" Gast feierlich acceptirt, das Zeitungsblattward gebracht und wanderte in die Hände des beglückten Wirths. Dieser hängte esHum ewigen Angedenken unter Glas und Nahmen am Ehrenplätze auf, und so ist jeneinteressante Erinnerung zu erneuter, weiterer Kenntniß gelangt. Der betreff. Zeitungs-artikel erzählt, wie Ferdinand v. Schill vor her Belagerung von Kolberg von den Fran-zosen 4 prachtvolle schöne Pferde erbeutet hatte, welche für den Kaiser Napoleon eigensbestimmt waren. Napoleon bot ihm schriftlich pro Pferd 1000 Thlr. Vergütung, adres-firte aber den Brief „An den Räuberhauptmann Schill." Der wackere Major antwor-tete; „Mein Herr Bruder! Daß ich Ihnen 4 Pferde genommen, macht mir um so mehrVergnügen, da ich aus Ihrem Briefe ersehe, daß Sie einen hohen Werth darauf setzen.Gegen die angebotenen 4000 Thlr. kann ich sie nicht zurückgeben. Wollen Sie aberdie 4 Pferde, welche Sie vom Brandenburger Thor in Berlin weggestohlen haben zurück-geben, so stehen die Ihrigen unentgeltlich zu Diensten. Schill."
(Amerikanisches.) Vor Kurzem wurde ein schon oft bestrafter Gewohnheits -fäufer wegen Wiederholung der alten Vergehen vor die Behörde gebracht» „In wasfür einem bestialischen Zustande ist er wieder betroffen worden?" redete ihn der Vor-sitzende an. „Hoher Gerichtshof seien Sie nicht so strenge mit mir, diesmal habe icheinen guten Grund. Ich gehöre zum Mäßigkeitsverein," war die Antwort. — „Dasist ja eine eigenthümliche Ausrede." — „Ganz und gar nicht, sie haben mich engagirt,um als schlechtes Beispiel zu dienen."
(Die gute Rede.) Lysias , ein alter griechischer Redner, gab einem Bürger,dessen Sache er vor dem Gerichtshof in Athen vertheidigen sollte, die aufgesetzte Redevorher zu lesen. Der Client durchflog den Inhalt, that es nocheinmal, ja zum drittenMale, und sagte dann zum Anwalt: „Das erste Mal, da ich Deine Rede las, fand ichsie gut, das zweite Mal mittelmäßig und das dritte Mal schlecht." Ungesäumt entschiedLysias : „So wird sie gut sein, denn ein Mal will ich sie nur halten."
(Die tröstliche W e st e n t a s ch e.) Muhme: „Aber Jaköbili, Du wirscht dochden Guide nit verlaura habe? Dei Mutta reißt Dir ja d' Ohrli vom Kopf." —Jakob: „Ja Muhme, i ha schon überall g'sucht, in alle Tascha, aba nix kann i finda."— Muhme: „Au scho im Westatäschli?" — Jakob: „Nei, da mag i net sucha, dennwenn er da nit drinne ischt, dann hab'n i ganz g'wiß verlaura."
(Mitgefühl.) Dame (im zoologischen Garten zu ihren Töchtern): „Diesem armenElephanten ist es wahrscheinlich auch nicht an der Wiege gesungen worden, daß er ^einstgenöthigt sein würde, mit Kunststücken sein tägliches Brod zu verdienen!"
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von Dr. Max.Huttler.