Nr. 52.
1883.
zur
^Augsburger Pojheilnug."
Samstag, 30. Juni
Des Försters Enkelkind.
Original »Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Die drei Damen begaben sich nach dem links vom Schlosse liegenden Gutshof,rvo vor ihnen das geräumige Haus des Verwalters Bergmann lag. Da die Leute imFeld waren, herrschte überall Ruhe, und nur das reichlich vorhandene Federvieh machte,sich durch die verschiedenartigsten Töne bemerkbar. Thusnelda machte auch hier wiederdie Führerin, und nannte den Zweck eines jeden Gebäudes, bis sie sich plötzlich vonAnna's Arm losriß, denn aus einer der Scheunen trat ein älterer Mann, welchem siemit dem lebhaften Ausruf:
»Da ist schon Herr Bergmann!" entgegen lief, während Sophie und Anna lang-samer folgten. . Letzterer blieb dadurch Zeit genug sich zu fassen, um dem Freunde ihresGroßvaters, wie verstorbenen Vaters ruhig entgegen zu treten.
Sie sahen die gegenseitige Begrüßung, und wie herzlich er Thusnelda beide Händeschüttelte, dann lebhaft mit ihr sprach, und ihr endlich zu ihnen folgte. Als sie sichgegenseitig erreicht, begrüßte er auch sie mit schlichter Freundlichkeit, und setzte hinzu:
»Ich habe von unserem gnädigen Fräulein gehört, daß die Damen sich hier um-sehen wollen. Lassen Sie sich nicht stören, doch entschuldigen Sie, daß ich Sie nichtbegleiten kann, da ich sogleich zu den Leuten reiten muß!"
»Arbeiten Sie denn weit von hier?" fragte Thusnelda voll Interesse.
»Ja, gnädiges Fräulein, fast eine Stunde. Sie hätten sonst wohl Lust einmalwieder auf dem Erntewagen zu fahren l" entgegnete mit gutmüthigem Lächeln derVerwalter.
Eingedenk früherer Zeiten erröthete das gnädige Fräulein leicht, während Sophieund Anna ebenfalls lächelten und Erster« sagte:
„Lassen Sie sich durch uns nicht aufhalten, Herr Bergmann, Fräulein Thusneldawird uns schon führen. Sie hat dies bereits im Garten gethan —"
„Es sind schöne alte Bäume darin", antwortete der Verwalter, »sonst bietet ernichts Besonderes. Der Herr Landkammerrath ist nicht für Veränderungen!" SeinBlick streifte dabei Anna, die auch ihn aufmerksam angesehen, und schon im Begriff seinAuge abzuwenden, ließ er es noch einen Moment länger auf ihrem Gesicht haften,während sie so ruhig wie möglich sagte:
»Mir hat der Garten mit seinen prächtigen Bäumen und Alleen seyr gefallen, undmeinem Geschmack nach könnte es bei Schloß Bodenwald kaum anders sein!"
„Da mö'gen Sie recht haben, mein Fräulein, denn das Alte schickt sich am bestenzum Alten, das gilt nicht allein von den Menschen, sondern auch von ihrer Umgebung",entgegnete der Vermalter sie unverwandt betrachtend« Aber, um Vergebung, Sie sindwohl die Freundin, welche unser gnädiges Fräulein in H. kennen gelernt —"