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jenseitigen User weht ein leises Lüftchen und spielt kosend mit den jungen Aehren, es sieht aus, als
ob Silverwökchen darüber fliegen würden, — ein würziger balsamischer Duft umfächelt Dich:-
— hier kann das Herz mit sich selbst reden, und wie gut ist es, wenn man manchmal in sein eigenesInnere schaut! Im geräuschvollen Alltagsleben kommt man so selten dazu! O wer es versteht, mitseinem eigenen Herzen sich zu unterhalten, der wird gar oft und gern solch einsame Plätzchen aus»suchen, wo er ungestört ist, und dem schalen Geschwätze entfliehen, das in den Cirkel» der gebildetenoder gebildet sein wollenden Welt geführt wird.
Doktor Wehner hätte für seine Badeschrist kein passenderes Motto finden können als das vonihm gewählte:
' „Stets ja gibt die stille, sanfte. Freundin, die Natur, den FriedenUns zurück, wenn in des LebensStürmen sich der Geist verlor."
Auch mir gibt die Natur diesen Frieden.-Weg mit Bleistift nnd Papier — — laßt mich
träumen in diesen schönen Wäldern!-
Mis-elleir.
(Eine hübsche Anekdote) über einen Borgang, der sich vor einige» Tagen beidem auch in Deutschland vielgenannten Maler Detaille zugetragen hat, zirkulirt zu Paris in den Künstlerateliers. Ein Kollege wollte dem erwähnten Maler in seiner Wohnungder Avenue de Villiers einen Besuch abstatten und vertrieb sich, da er jenen nicht an-wesend fand, die Zeit mit Billardspielen. Da ihm die schwierigsten „Coups" gelangen,bedauerte er, seinen Freund Detaille nicht als Gegner oder doch wenigstens als Zeugenanwesend zu sehen, bis ein böser Zufall es fügte, daß der einsame Spieler ein mächtigesLoch in das Tuch des Billards stieß. Guter Rath war theuer, zumal Detaille's Ankunftsich immer mehr verzögerte, so daß die Entschuldigung wegen der Sachbeschädigung nicht 'mündlich vorgetragen werden konnte. Ein Mann von Geist, wußte sich der Besucheraber zu helfen, indem er rasch ein Blatt Papier nahm, eine Zeichnung darauf entwarfund diese als „Pflaster" für das Billard benutzte. Als Detaille nach Hause kam, warer auf's Freudigste überrascht; repräsentirte doch die Zeichnung, abgesehen von demxretivm alkLotioms, den Werth vieler neuer Billardüberzüge. Der Besucher war keinGeringerer als Meissonier, dessen Gemälde und Skizzen mit Gold ausgewogen werden.
* (Studentensprache.) Bekanntlich haben die Herrrn Studenten zuweilen ihreeigene Sprüche für sich, deren Bezeichnungen meist mehr drastisch als höflich zu seinpflegen. — So bedienen sie sich in dieser Sprache für: „Mädchen" galanterweise desAusdruckes: „Besen ", und zwar ist die Herkunft dieses Ausdruckes von einem altenStudentenstreiche abzuleiten» — Als einstmals — es ist schon lange her — die Studentender Stadt Würzburg eine pompöse Schlittenfahrt veranstalteten, ließen sie dazu Ein-ladungen an alle junge Damen von Würzburg ergehen, wurden jedoch abschlägig be»schieden. Darüber ergrimmt, nahm jeder Student einen Kehrbesen, bekleidete ihn mitHut und Schleier, setzte ihn in den Schlitten, den er leitete, hinein, und so fuhr derganze Zug durch alle Straßen der Stadt. Seit jener Revanche aber heißen alle Mädchenin der Studentensprache: „Besen!"
(Gegenseitige Controlle.) Schreiber (zum Fenster hinausschauend): „Jetztseh' ich dem Maurer da drüben schon drei Stunden zu, aber auch keinen Streich hatder Kerl seither geschasst. Jetzt möcht' ich nur auch wissen, für was solche Leute alleSamstag ihr Geld einstreichen. Maurer: jetzt guckt der Schreibersknecht scho drei g'schlageneStund zu mir rüber und Hot in dera ganze Zeit noch koi Feder ang'regt. Jetzt möcht'i no au wissa, für was so Tagdieb ihr V'soldung ei'nemmet.
(Im Diensteifer.) Gast ^zu dem dienstfertig, aber hinkend herbeikommendenKellner, theilnehmend): Haben Sie Hühneraugen? — Kellner (zur Küche eilend): Werdesogleich nachsehen.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.