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„Aber »nein Großvater Kohririg?" unterbrach sie sich, und antwortete nach einigenSekunden: „Er denkt und glaubt, daß es so kommen rvird, obgleich er mir keinerlei An-deutung gemacht, wie ich handeln soll, er hat mir nur seinen Segen zu meinem Einzugin Schloß Bodenwald geschickt, doch hat er hinzugefügt, daß er sich der Fügung des All-weisen nicht widersetzt hab», sondern mich zu meinein Großvater ziehen lasse! — Instiller Uebereinstimmung mit ihm will ich sobald ich kann mit meinem hiesigen Großvaterreden und mich ihm zu erkennen geben, vielleicht koinmt mir dabei der Zufall, vielleichtauch er selbst entgegen!*
Ein leises Klopfen störte ihr Selbstgespräch. Aufspringend öffnete sie die Thür,und ließ Sophie eintreten, welche mit einem forschenden Blick und leisem Vorwurf sagte:
„Noch auf, Anna, eS ist schon spät?* — Ich sah das Licht durch das Schlüssel-loch schimmern, und konnte es nicht unterlassen, »»ich nach Dir umzusehen!*
„Ich habe nachgedacht, Sophie*, den Arm um ihre ältere Freundin legend, welchesie zugleich in's Sopha niederzog.
„Du hattest inir doch versprochen, Anna — — *
„Sei ruhig, Sophie*, antwortete Anna, „die Gedanken, welche mich beschäftigte»,waren keineswegs trauriger Art.*
„Ueberlaß sie dennoch Deinem Großvater und Deiner Tante*, erwiderte Sophievoll Theilnahme in das Antlitz ihrer jüngeren Freundin blickend.
Ein schneller Gedanke durchzuckte Anna; sollte sie sich Sophie anvertrauen, ihr Allesentdecken und mit ihr in der Sille berathen? — Sie verwarf ihn aber so schnell, dennsie mußte und wollte unabhängig handeln, und antwortete:
„Du meinst, weil ich jung und unerfahren bin? — Ach, Sophie! Das Lebenim Walde hat mich früh gereift, und frühzeitig habe ich im Hause meines Großvater«nachdenken gelernt! — Aber Du» weshalb bist Du noch nicht zur Ruhe?*
„Dorothea hatte mich gerufen. — —*
„Thusnelda ist doch nicht krank?*
„Nein, sie ist nach der Anstrengung der Reise, und durch die Aufregung, in der siehier fortwährend gelebt, nervös angegriffen, und kann nicht schlafen. Ich bin bis jetztbei ihr gewesen, und habe ihr dir für solche Fälle bestimmte Medizin gereicht. Morgen,wenn sie ausgeschlafen, wird sie hergestellt sein, doch will ich diese Nacht in ihrem Zimmerbleiben!*
„Laß mich das thun, Sophie — *
„Nein, Anna, Du bist unstreitig der Ruhe ebenso sehr bedürftig wie Thusnelda ,denn Deine Augen leuchten und Deine Wangen glühen. Befolge daher meinen Rath»und suche sie so schnell wie möglich-*
„Das will ich auch, Sophie, sogleich — *
Sich in herzlicher Weise eine gute Nacht wünschend trennten sich die Freundinnen,und während die ältere sich in das Zimmer des schwachsinnigen Zöglings zurückbegab,ging Anna in ihr Schlafzimmer, wo nach allen Aufregungen des Tages, sie bald in tiefem,sanstein Schlummer lag. — (Forts, folgt.)
(Aus der N. Fr. Pr.)
Für einen Pariser, der Vaterland und Vaterstadt liebte, war es zwar schmerzlich,wäv ich da sagte, allein die Bemerkung lag mir schon seit einigen Tagen auf der Zunge,und endlich muße sie über die Lippen.
„Ja, lieber Freund*, wiederholte ich, „Paris ist jüngst von den Deutschen zumzweiten Male erobert worden.*
„Und wann das, wenn man fragen darf?"
„Das kann ich dir nicht genau bestimmen, eS muß aber in den letzten zwei Jahrengeschehen sein; denn vor zwei Jahren war ich zum letzten Male hier, und seither ist in