Ausgabe 
(30.6.1883) 52
 
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tische, die alten kahlen, schmucklosen Wände; der Boden war wie ehedem mit gelbemSand bestreut, und in der Ecke dort, dein Tische gegenüber, wo sonst das DioskurenpaarErckmann-Chatrian saß, hockten noch immer einige spießbürgerliche Gestalten und tarocktenmit unerschütterlicher Stammgastruhe, als spielten sie seit zwanzig Jahren an derselbenPartie. Der Ort schien von der vorbcistürmenden Zeit übersehen worden zu sein, hierhatte sich wirklich gar nichts verändert. . . Doch! Dies und das ist anders geworden.Das Bierhaus, das früher schlechthin Uransoriö hieß, nennt sich jetzt In

brassiero «1o I'Lspürimoo, und man trinkt dort Revanche, In bivro cis I'blspöi'nnos.Diese patriotische Flüssigkeit mundet nicht so gut als früher das harmlose Elsässer Bier.Das Bier zur guten Hoffnung ist sogar trotz der löblichen Tendenz herzlich schlecht,namentlich wenn man kurz zuvor Hackerbrüu gekostet hat.

Wie wär's...?" fragte mein Pariser , allein ich fiel ihm ins Wort und schloßihm den Mund.

Es war mir in der That unmöglich, die Reise fortzusetzen. Wir hatten zwar nichtdie Hälfte, nicht den zehnten Theil dessen gesehen, was ein gründlicher Bierforscher inBayrisch Paris sehen müßte, doch das Wenige genügte mir. Ich staunte nur über dasfabelhaft entwickelte Fassungsvermögen des Freundes. Er hatte gewaltige Fortschrittegemacht und konnte als lebendiges Beispiel dessen gelten, was Münchener Bock vermag»wenn er in die recht Kehle kommt. Der Franzose blieb so nüchtern wie eine diplomatischeDepesche, indeß die Phantasie des Deutschen bereits Sprünge zu machen anfing. Einpaar Glas mehr, und ich hätte gesehen, wie die rosigen Bierkobolde ihrem Friese ent-slaiterten, die schweren Fäßer Spatcnbräu bestiegen und in allerliebster wilder Jagd durchParis ritten, befehligt von Bismarck-Gambrinus, gefolgt von den bösen Geistern Mumme,Bluff, Schöps, Schrunz, Buße, Kater. Zu solcher Tollheit kam es zum Glücke nicht.Allein heimkehrend dachte ich ernstlich darüber nach, ob nicht dieser gesteigerte Genußdeutschen Bieres, diese Infusion eines reizenden Feindes mit der Zeit den französischen Nationalgeist umgestalten, die französische Volksseele ganz und gar aus dem Gleichgewichtbringen könnte. Die Münchener Bierschänken sind in Paris stets überfüllt, die elsässischemit dem erbärmlichen Hosfnungsbier schien mir sehr leer zu sein. Der Pariser trinktnicht gerne matte Hoffnung aus dem elsässischen Fasse, trinkt lieber frische Verzweiflungvom bayrischen Zapfen. Hier liegt die Gefahr, nicht in den 50,000 Deutschen, die nachden Klagen der Patrioten-Liga wieder in Paris , und den 400,000, die wieder in derProvinz leben sollen. Ich fürchte, ich fürchte, die Stadt verdeutscht sich immer mehr, undeinst wird kommen der Tag, wo man die Seine für einen Nebenfluß der Jsar hältund das große Paris nur noch ein Klein-München ist.

Himmelsschau in» Monat Juli.

). Merkur hat am 2. seinen größten westlichen Abstand von der Sonneund ist bei günstiger Witterung am Morgenhimmel zu finden.

Venus bewegt sich von den Hyaden gegen die Zwillinge, erscheint 2 Stundenvor Sonnenaufgang in NO. und erreicht am 21. ihren höchsten nördlichen Stand. Am2. befindet sich Venus nördlich vom Mond, am 4. und 8. nördlich von Merkur, am 26.nur 10 Bogensekunden nördlich von Jupiter.

Mars F geht mit Aldebaran im Stiere nach Mitternacht auf, wird am 1.Morgens 4 Uhr vom Monde bedeckt und steht am 20. nördlich von Saturn unterhalbder Hyaden.

Jupiter kommt am 5. mit der Sonne zusammen und wird gegen Ende desMonates Morgenstern. -

Saturn H im Stiere geht auf zwischen 2 Uhr und 12 Uhr Nachts und wirdam 1. um Mitternacht vom Monde bedeckt.

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.