Ausgabe 
(11.7.1883) 55
 
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hältnifsen. Schriftsteller Dr. Karl Siegen hat nun Gelegenheit genommen, von diesemUmstände den deutschen Kaiser in Kenntniß zu setzten und demselben die Bitte um Unter-stützung der alten Frau Therese Haubenreißer ist ihr Name auszusprechen. Da«Vorgehen ist von gutem Erfolg begleitet gewesen, denn der Kaiser hat sich bewogen gefunden,der Therese Haubenreißer auf Lebenszeit eine monatliche Unterstützung auszusetzen, welcheauf Veranlassung des k. preußischen Gesandten zu Dresden , Grafen von Dönhof, am18. Juni zum erstenmale durch den Ortsgeistlichen von Großzschocher, Superintendentvr. Michael, ausbezahlt worden ist.

* (Eine königliche Verordnung.) Friedrich der Große ,der alte Fritz", er-hielt einmal von dem Magistrat« einer kleinen märkischen Stadt F. die unterthänige An-zeige, es habe der Tischlermeister N., wohnhaft in selbigem Orte,Gott gelästert, denKönig geschmäht und den Magistrat beleidigt", weßhalb ein hoher Magistrat um ge-strenge Bestrafung des Delinquenten ersuche. Die Antwort des Königs lautete folgender-maßen:Daß der Tischler N. Gott gelästert hat, ist nur ein Beweiß, daß er ihn nichtkennt, daß er Mich geschmäht hat, vergebe ich ihm, aber, daß er sogar den hohenRath der Stadt F. beleidigt hat, dafür soll er eine halbe Stunde nach Spandau ."(Festung bei Berlin .)

(Opernsängergeschichten.) DieW. Abdp." schreibt: In Theaterkreisen er-zählt man sich zwei unglaubliche, aber wahre Opernsängergeschichten. Ein Baritonist geriethkürzlich bei einer Diskussion überFaust " so sehr in Eifer, daß er behauptete, Gounod'sOper sei älter als die gleichnamige Tragödie. Kürzlich, bei einer Aufführung desOr-pheus ", wurde ein Tenorist von einem Kollegen aufgefordert, nach der Loge eines hoch-gestellten Herrn zu blicken, da sich Gluck in derselben befinde. Der Tenorist richtete seinOpernglas, sah hin und sagte:Nach der Photographie habe ich mir Gluck jünger vor-gestellt." .... Das Alles macht wohl die Hitze!

(Eine hübsche Anekdote von einem charakterfest en Politiker)erzählt derFigaro". Es war unmittelbar nach dem Staatsstreich des Jahres 1851.Ein Republikaner, der seit 1848 einen ziemlich hohen Posten in einem Ministerium be-kleidete begegnete auf der Straße einem Freunde, der in der Seinepräfektur angestelltwar.Ich habe soeben meine Demission gegeben," ruft er erregt dem Freunde zu,ich hoffe, daß Du auch die Deinige geben wirst." Nach einer kurzen Pause der Ueber-legung antwortet der Freund höflich:O bitte, die Deinige genügt mir!"

(Amerikanisches.) In einigen Countyblättern des amerikanischen Westens fandsich vor Kurzem eine Anzeige, in welcher in pomphaften Reklamestiel diebilligste Näh-maschine der Welt" zum allerdings erstaunlich billigen Preise von 1 Mark osferirt wurde.Gar manche brave Farmersfrau, die auf den offenkundigen Schwindel hereingefallen, er-hielt von dem inserirendenFabrikanten" eine Nähnadel zugesandt.

(Im Gebirge.) Baron :Sagt mal, Bäuerin, wie bringt Ihr denn das Musterauf dem Kuchen so schön fertig? Ihr habt wohl ein eigenes Instrument dazu?"Bäuerin:O na, Herr Baron, dees macht ma mit'm Kämpe (Kamm)!"

Sinngedicht.

Es bringt doch gar zu viele Müh'n,

Sich Geist und Herz zu bilde»,

Und manches muß von dünnen zieh'n,

Was lieb und werth wir hielten I"

Du möchtest wohl in aller NutzDes Lebens Weisheit kriegen?

Sahst Du beim Hobeln niemals zu,

Wie da die Spähne fliegen?

E. Halbeck.

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des

Literarischen Instituts von vr. Max Huttler .