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„Äugslmrger PostMmg."
Nr. 56. Samstag, 14. Juli 1883.
Des Försters Enkelkind.
Original'Novelle von Mary Dobson.
(Schluß.)
Nach dein Mahl unternahmen Anna und ihr Großvater Kohring, mit dem sie, daer fortwährend von Bergmann's in Anspruch genommen worden, noch kein vertrautesWort gewechselt, einen Spaziergang durch den Garten, indeß Graf Waldemar dem Laitd-kammerrath Gesellschaft leistete. Nach einigen gegenseitigen Fragen und Antworten be-gann sie:
„Großvater, laß mich nun auch wissen, auf welche Weise Du die Einwilligung derGräfin erlangt-"
„Das ist schnell erzählt*, entgegnete Förster Kohring, sein Enkelkind, das ihm schönerund stattlicher noch als sonst erschien, voll Liebe betrachtend. „Ich wußte von Waldemardaß der Besuch sich auf einige Tage entfernt hatte, und wollte diese zur Ausführungmeines Planes benutzen, als Dein Brief ankam, der, wie Du denken kannst, Deine Tanteund mich mit großer Freude erfüllte, denn wir hatten kaum geglaubt, daß sich die Sachehier so schnell entscheiden würde, was jedoch für alle Theile das Wünschenswertheste war.Am folgenden Tage also fuhr ich nach Steinhorst, ward von der Gräfin angenommen,ich trug ihr mein Anliegen vor, während Frau und Fräulein von Stein sich im nächstenZimmer befanden."
„Sie ließ mich kaum ausreden, und erklärte entschieden, wenn auch nicht unfreund-lich, daß ihr Enkel keinen bürgerlichen Namen in die Familie bringen dürfe, daß er dieseKindheits- und Jugenderinnerung aufgeben, und eine reiche, ebenbürtige Gattin wählenmüsse! —
„Frau Gräfin", entgegnete ich ihr auf diese Erklärung» „meine Enkelin würdekeinen bürgerlichen Namen in Ihre Familie bringen. Sie hat besonderer Verhältnissewegen bisher nicht den ihrigen geführt, und dieser lautet Anna Thusnelda von Boden-wald, als welche sie nebenbei ein sehr reiches Mädchen istl"
„Von Bodenwald!" ertönte es von den Lippen der Damen im nächsten Zimmer,die, wie mir nicht entging, in sichtlicher Aufregung näher traten, während die Gräfinüberrascht fragte:
„Kennt Ihr diesen Namen?"
Fräulein Constanze erröthete lebhaft, ihre Muttter jedoch erwiderte:
„Ein junger Mann, den wir in Schlesien kennen gelernt, führt ihn. Er steht ink ! i in Garnison und hat sich uns zuerst auf den, Balle vorstellen lassen I"
Die Gräfin sah ihre Enkelin an wie ich es gethan, und mochte ungefähr dasselbewas ich denken. Dann aber sich mir wieder zuwendend sagte sie:
»Herr Förster, lassen Sie mich wissen, weshalb Ihre Enkelin bisher den NamenHerseld und nicht ihren eigenen geführt?"
Ich erzählte ihr die Geschichte Deiner Eltern, wie ich sie Dir und Waldemar er-