Ausgabe 
(14.7.1883) 56
 
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zählt, und es entging mir nicht, baß die drei Damen mit der größten Aufmerksamkeitzuhörten. Als ich meinen Bericht beendet, fugte ich hinzu:

Meine Enkelin ist bei ihrem Großvater, und wird seinem Wunsch zufolge zunächstauf Schloß Bodenwald bleiben, wohin auch meine Nichte und ich in den nächsten Tagenabreisen werden!"

Die Gräfin schwieg eine Weile, dann aber sagte sie:

Herr Förster, lassen Sie mir noch kurze Zeit zum Ueberlegen"

Bis morgen werden Sie doch wohl warten können?"

Ja, bis morgen also!"

Ich empfahl mich den Damen und ging zu Waldemar, mit dem ich noch wegenseiner Holzungen 'zu sprechen hatte, und theilte ihm auch meine Unterredung mit seinerGroßmutter mit, und er"

Er wußte, daß nun Alles gut stand", unterbrach lebhaft die Stimme des Ge-nannten,und daß Du, meine liebe, liebe Anna doch mit der Bewilligung meiner Groß-mutter die Meine werden würdest?" und nach diesen Worten nahm er ihren freien Arm,denn der andere ruhte in dem ihres Großvaters.

Woher aber konntest Du das wissen, Waldemar?" fragte sie mit glücklichemLächeln zu ihm aufblickend.

Weil ich längst das HerzenSgsheimniß meiner Cousine entdeckt, die, nebenbei gesagt,Dich liebt und bewundert"

Mich?" fragte Anna leicht erröthend.

Ja, und weißt Du auch weshalb?"

Wie kann ich"

Weil Du vsm Lieutenant von Bodenwald, Deinem Better, so ähnlich bist, den sieliebt. Aber Großvater", wandte er sich an den Förster, ich komme Dir zuvor"

Erzähle nun das Ende, mein Sohn, das Du ebenso gut weißt wie ich-"

So laß es mich hören, Waldemar", sagte Anna schnell und mit einem leichtenAnflug von Ungeduld im Ton, und fröhlich lachend erwiderte Graf Steinhorst:

Das klang ja wie in alter Zeit, Anna, wo der etwas blöde und schüchterne Waldemarso gern die Wünsche und Befehle seiner weit selbständigeren Gefährtin erfüllte!"

Auch Anna und der Förster lachten und Letzterer sagte:

Aber Waldemar Du wolltest"

Nichtig, Großvater", entgegncte munter der junge Mann,Anna sollte wissen,wie sie nun doch zur Gräfin Steinhorst wird! Meine Großmutter und Tante hattenlange Unterredungen, was mir nachher Constanze anvertraute, und das Ergebniß derUnterredungen war wahrscheinlich die Hoffnung, durch seine Enkelin den Landkammrrrathfür die Verbindung seines Neffen mit Constanze von Stern zu stimmen. Meine Groß-mutter ließ mich wenigstens am Abend in ihr Zimmer kommen und theilte mir mit, daßunter den veränderten Verhältnissen sie meinem Glücke nicht entgegen sein wolle undmeine Verlobung mit Anna von Vodenwald zugebe, für welche Zustimmung ich ihr sehrdankbar die Hand küßte. Zwei Tage später waren wir unterwegs hierher"

Und nun bin ich Deine Braut, Waldemar!" sagte voll Liebe zu ihm aufblickendAnna, und während er zärtlich seinen Namen um sie schlang, fuhr sie fort:Es ist selt-sam, daß ohne mich zu kennen, Constanze von Stern mir ihre Zuneigung zugewandt, dieich übrigens theile, wenngleich ich sie ebenfalls nur einige Male in der Kirche gesehen!"

Hoffentlich werdet Ihr Euch bei persönlicher Bekanntschaft immer besser gefallen",sagte Graf Waldemar»denn Constanze ist mir eine sehr liebe Cousine und wird auchDeinem Großvater gefallen!"

Förster Kohring kehrte mit seinen beiden Enkelkindern in's Schloß zurück, doch warim Wohnsaal, wo sie namentlich von Thusnelda mit großer Ungeduld erwartet wurden,der Landkammerrath noch nicht erschienen. Nach einer Weile ließ er Kohring zu sich bitten,und dieser leistete sogleich seiner Aufforderung Folge. Sie blieben lange beisammen, aber