Ausgabe 
(14.7.1883) 56
 
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ihnen, die ihr bisher im Leben stets nahe gewesen, zu trennen, und Graf Walbeinar,der seinen! jetzigen Großvater und seiner Tante kindlichste Liebe entgegenbrachte, stimmtemit diesem Wunsch überein.

Die alte Gräfin Steinhorst hatte nach eigener Wahl ihren dauernden Aufenthaltin Schönau genommen, und zwar mit ihrer Tochter, Frau von Stern, welche nach Ver-heirathung ihrer Tochter Constanze, das Gut in Schlesien ihrem Sohn übergeben.

Der Landkammerrath, welcher seine geliebte Enkelin nur zu gern in seiner unmittel-baren Nähe gehabt, und bis an sein Lebensende behalten hätte, mußte diesem Wunsche,so schmerzlich es ihm auch war, entsagen, und sich damit begnügen, sie in der ihm un-erreichbaren Entfernung als Gräfin Stsinhorst glücklich zu wissen nachdem sie ihm dasVersprechen gegeben, oft, sehr oft in Bodenwald, ihrer ersten Heimath, Einkehr haltenzu wollen, ein Versprechen, dem sich auch ihr Gatte anschloß. Thusnelda und SophieDörner hatten daselbst jetzt ihren dauernden Aufenthalt genommen, nachdem die Aerzteerklärt hatten, daß in dem geistigen Zustand der Ersteren nie eine Aenderung eintretenwürde.

Als ein sehr erwünschtes Geschenk hatte der Graf und die Gräfin Steinhorst demLandkammerrath ihre Portraits von der Hochzeitsreise mitgebracht, welche genau die Größeund die kostbaren Rahmen der Familienbilder hatten und als beide ihren Platz erhielten,bemerkte Anna neben dem ihres Vaters ein anderes, das Bild einer jungen und lieb-lichen Frau, und unter diesem stand der Name:Anna von Bodenwald geb. Kohring."

Zunächst diesen! folgte das Bild ihrer einzigen Tochter, bezeichnet als:AnnaThusnelda Gräfin von Steinhorst, geb. von Bodenwald." Die Reihe aber schloß dasPortrait des Grasen Waldemar von Steinhorst, und auf diese Familienbilder, dir letztenseiner Kinder und Kindeskinder blickte der greise Gutsherr mit besonderer Liebe und be-sonderem Stolz.

Goldkörner.

^ Recht ist hüben zwar, wie drüben,

Aber dennoch sollst du trachten,

Etg'ue Rechte mild zu übeu,

Fremde Rechte streng zu achten. Leopold Sche er.

Ein Thor, der klagetSlets andere an.

Selbst sich anklaget

Ein halb schon wsiser Mann.

Richt sich, nicht andere klaget

Der Weise an. . Herder.

Großen Seelen ziehen die Schmerzen nach, wie den Gebirgen die Gewitter; aber au ihnenbrechen sich auch die Wetter, und sio werden die Wetterscheide der Ebene unter ihnen.

Jean Paul .

Aus den Wolken muß es fallen,

Aus der Götter Schooß dies Glück,

Und der mächtigste von allen

Herrschern ist der Augenblick. Schiller.

Wie der Schatten früh am Morgen,

Ist die Freundschaft mit dem Bösen:

Stund auf Stunde nimmt nur sie ab.

Aber Freundschaft mit dem GutenWächset wie der Abendschatten,

Bis des Lebens Sonne sinkt. s Herder.

Eifersüchtig sind des Schicksals Mächte,

Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte.

Den Samen legen wir in ihre Hände,

Ob Glück, ob Unglück ausgeht, lehrt das Ende. Schiller.