Ich mischte mich nicht i» dieDiscussiou, denn ich wollte Brückeuau erst aus eigener Erfahrungkennen lernen, ehe ich sür oder wider Partei ergriff. Es iväre mir übrigens, auf Grund der chemischenAnalyse, welche i» der Bndeschnst des lle.Wchner enthalten ist, sehr leicht gewesen, die Theorien dessremden Herrn zu widerlegen, denn bei denn gegenwärtigen istand der Wissenschaft ist man schonlangst davon abgekommen, ans der Quantität des Eisenoxyd»!?, welches eine Quelle enthält, absolutaus deren Wirksamkeit zu schließe». (5s müssen verschiedene Faktoren znsamme nvirken. Die Quantitätdes Eisens, welcle das menschliche Blut benöthigt, ist so gering, das; der Gehalt des BrückenanerWassers vollständig ausreicht. Die Wirksamkeit einer Stahlgnelle beruht nicht lediglich auf demEisengehalt, sondern auf den Mischungsverhältnissen der sämmtlichen festen Bestandtheile und aus demGehalt an freier Kohlensäure, welch' letztere die Abjorblionsfähigkcit steigert. Gerade in dieser Hinsichtist aber das Brückenaner Wasser unschätzbar und übertrifft viele andere, stärkere Stahtguellen. Führtman dem Körper zu viel Eisen zu, so ist der Ueberschns; einfach unnütz, weil er von den innern Organennicht absorbirt wird, oder sogar schädlich, weil er Verdauungsstörungen verursachen kann.
Doch, diese Betrachtungen gehören ni - t in ein Feuilleton und ich breche deshalb ab.
Als ich wieder fortgefahren war, fragte ich den um den Ruf des Bades so sehr besorgtenKutscher, wer denn der fremde Herr eigentlich gewesen sei. Er erwiderte mir: „Der Doctor von * "(einem nicht sehr weit von Brückenan entjernten Orte). Damit war mir Manches klar! Wäre inBrückenan kein Badearzt, dann würde der Herr Doctor vielleicht ganz anders gesprochen haben!
Ich mußte später noch oft lachen, wenn ich an den Disput dachte. Mit dem Doctor bin ichleider nicht mehr zusammengetroffen. Ich hätte ihm gerne meine Erfahrungen und Ansichten ausein-andergesetzt, ohne mich auf die Autorität König Ludwig's 1. zu stützen! Vielleicht bekommt er dieseZeilen zu lesen!
7. Brief.
Nun ist's aus mit der „Empfindsamkeit" aber auch — mit den „empfindsamen Briefen"!Meine Eva ist angekommen! —
Lebe wohl, geneigter Leser! Bist du nervenschwach oder blutarm, oder sehnst Du Dich »achden Mühen und Sorgen d:S täglichen Lebens, nach den Aufregungen, die dein Berns vielleicht mit sichbringt, darnach, einige Wochen in stiller Abgeschiedenheit, in reizendem äoloe bar uioirts selig zuverträumen, so komme hicher in dieses Eldorado. In der hehren Pracht der Natur, die sich ringsumentfaltet, in diesen herrlichen Wäldern, wo unter hundertjährigen Buchen und tausendjährigen Eichenso viele traute, liebe Plätzchen winken, wird Dein Körper erstarken und Dein Gemüth sich beruhigen.Hängst Du an den eitlen Vergnügungen dieser Welt, an dem Sinnenrausch des Augenblicks, dannfreilich ist Brückenan nichts für Dich, — dann gehe in eines jener modernen Lnxnsbäder, wo deräußere Glanz maßgebend ist, wo Du Jmal des Tages die Toilette wechseln mußt, um salonfähig zusein und wo Du jalich sein mußt, um Dir aus wenige Wochen falsche Freunde zu erringen! InBrückenan herrschen noch einfachere Sitten und nur die Natur entfaltet hier ihre ganze Pracht. Diesealle und treue Freundin des Menfchen macht aber keinen Unterschied zwischen hoch und nieder, zwischenarm und reich, sie schließt Jeden mit gleicher Liebe in ihre Arme und theilt an Jeden, der ihre Reizezu würdigen versteht, die gleichen Gaben aus!
(Anni. d. Red. Der Versasser vorstehende/Briefe hat sich bereit erklärt, durch Vermittlungder Redaction allen denjenigen, welche sich für einen Aufenthalt in Brückenan interessiren sollten, nähereMittheilungen über die dortigen Verhältnisse w. zu machen.)
M r s s e L L § rr.
(Die S i in p e l f r a n z e n.) Als Gott das erste Menschenpaar — Erschuf vor
so und so viel Jahr, — Da setzt er es in's Paradies, — Das damals an den Himmel
stieß — Und sprach zu ihnen: „Lehet hier, — Da habt Ihr allerlei Gethier: — DenLöwen, Tiger und das Nind, — Und wie die Namen alle sind, — Und all' das Vieh-zeug, wie sich's regt, — Das Haar hinein in's Antlitz trägt, — Auf daß ein Jedersehen kann, — Daß er gehört dem Thierreich au. — Damit man unterscheiden werd'
— Den Mensch von einem Hund und Pferd, — So traget, ich macht's Euch zur Pflicht,
— .Das Haar stets frei aus dem Gesicht." — Als d'rauf der liebe Gott verschwand,
Eva hart an 'nein Büchlein stand. — Sie blickt hinein und sah mit Graus — Auf
ihrer Stirn ein Löckchen kraus, — und eingedenk des Herren Wort — Schob heftig siedie Löcklcin fort, — Daß ihre Stirne klar und frei — Und nicht durch Haar verunziertsei. — Doch heutzutagl dn lieber Gott ! — Niemand mehr kennet dein Gebot! —Den alle Eva's, groß und klein, — Zieh'n sich das Haar in's Antlitz nein! — InLöckchenform, bald g'rad, bald krumm — Im Zickzack auch, 's ist gar zu dumm —>Klebt man sich an die Stirn das Haar — Manchmal bis auf die Augen garl — Und