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diese Haartracht nie gekannt, — Sie wird mit Stolz „Isis IianZs" genannt. — „Vangs"Jede trägt, Gott sei's geklagt. — Prinzessin so wie Küchenmagd. — Die Frau da-gegen lob' ich mir, — Die als der Zierden schönste Zier, — Ihr reiches Haar inFlechten legt — Und frei aus dem Gesicht es trägt; — Die kühn des schnöden Braucheslacht — Der „Bangs", und sie mit Muth veracht't, — Die halt' ich werth, — Aufsolche Frau'n — Wird stets der Mann verehrend schau'n.
(Die Grazer sind loyale Unterthanen, aber schlechte Dichter.)Der Kaiser Franz Joseph bereist jetzt die Provinzen der Monarchie und kommt auchnach Graz . Zu seiner Begrüßung war nun ein Triumphbogen errichtet, auf welchemdie folgende, so „sinnige" wie „formvollendete" Inschrift prangt:
„Was vor sechsmallmndcrt JahrenUnsere Väter zugeschwore».
Wird der Enkel stets bewahren,
Sleirer's Treu' geht nicht verloren.
Volkes Liebe, Volkes Treue,
Das sind Habsburgs feste Mauern,
Die sich häuten (?) stets auss NeueUnd die ewig sollen dauern."
(Enttäuschung.) „Aber liebe Schwester, Dein Unglück existirt wahrscheinlich nurin Deiner Einbildung." — „Meinst Du? Du hast einen Rath geheirathet und bistNäthin geworden, die Schwester hat einen Major geehelicht und ist Frau Majorin ge-worden, ich habe einen Wittwer geheirathet und glaubte Wittwe zu werden, aber wieschrecklich habe ich mich getäuscht!"
(Auf dem Exerzierplatz.) Ein Unteroffizier, etwas entfernt stehend, comman-dirt: „Rechtes Bein aufwärts fü-ü-ürht!" — Ein Rekrut, nicht gut deutsch verstehend,hebt das linke Bein auf. Der Commandirende sieht in der Front zwei Beine dichtnebeneinander und ruft: „Himmelkreuzdonnerwetter, welches Rindvieh hebt da beideBeine zugleich auf?"
(Jeder nach seiner Weise.) Herr: „Nun, wie urtheilen Sie über das neueTrauerspiel?" — Dame: „Ach, wir haben uns köstlich amüsirt. Ich habe so geweint!"
Die Quelle -er Natur.
Ich weiß eine Quelle gar köstlicher Art,
Die sprudelt und schäumet in lustiger Fahrt;Sie lockt dich am Morgen zu kühlendem Bad,Sie spület von Sorgen die Stirne dir glatt.
Hoch spritzt an mein Fenster das köstliche Naß. —Wen kann es noch halten im dumpfen Gelaß?Aus Straßen und Thoren in?» Freie hinein.
Zu schlürfen, zu schlürfen den herrliche» Wein!
Wer sollt' es nicht wissen, wie lang' es auch her:Einst floß uns die Quelle gleich wonnigem Meer,Wir sanken in Blumen, versanken im ^Uee,
Der Himmel stand endlos auf endlose^ See.
Dann ebbte die Woge zu Fluß und zu>Bach:Statt goldener Weile ein enges Gemach,
Statt gaukelnder Falter auf blumiger TristIn modrigen Blättern die krimmelnde Schrift!
Und ging der Gedanke dir Grübelndem aus,
So grüble nicht weiter: nur fort aus dem Haus,Und trink' an.der Quelle der schönen Natur;Dort reist dir die Weisheit aus schwellender Flur.
Und wuchsen die Sorgen dir über das Haupt,So ruhe, von rauschenden Wipfeln umlaubt,
In heiliger Stille, vom Murmeln nmkostDer kühlenden Welle mit lieblichem Trost.
Doch heisa, juchheisa! nun geht es hinaus,
Nun jubelt es: „Ferien! die Schulen sind aus!"Nun schmetterl's im Walde so fröhlich und hell,Nun stnrmt's zu dem alten, urewigen Quell.
Und wie du dich grämest und kümmerst und bangst,In zehrender Trauer, in nagender Angst,
Ö steig' zn den Bergen, dort sprudelt dir hell,Jungkrästig entgegen der heilende Quell.
Wann immer auf Erden dir Bitt'res geschah,
So rufe die Sonne, die Sterne dir nah,
Und trink' an der Quelle, die überall springt,Was Tugend und Freude des Lebens dir bringt!
L. v. Heemstede»