Trauernd war sein Schutzengel von ihm gewichen, triumphirend herrschte jetzt der Geist,der im Paradiese unsern Stammeltern verführerisch zurief: Lritis siout Zeus , seieutosdonum et mnlum. (Ihr werdet sein wie Gott , erkennend das Gute und das Böse).
_Unterdessen war die leuchtende Herrscherin unserer Erde im Westen verschwunden
und finsteres Gewölk lagerte über Stadt und Land, das jedem milden Lichtstreifen desNachtgestirns den Durchbruch verwehrte. Nur die Gasflammen, die zu beide» Seitender Straßen und an den Ecken der Häuser flackerten, erhellten nothdürftig das Dunkel.In wuchtigen Stößen warf der Sturm die schweren Gewittertropsen gegen die klirrendenFenster, während die zuckenden Blitze, von grollendem Donner begleitet, herniederfuhren.Paul setzte sich an's offene Fenster und freute sich des Tobens der Elemente» worin sichsein innerstes Wesen abspiegelte. Die großen Wassertropfen, die der Sturm ihm in'äGesicht jagte, sollten ihm Erguickung und Kühlung bringen. Lange nach Mitternacht wares, als er endlich Nuhe suchte. Aber sein schweres Athmen und oftmaliges Stöhnenverriethen, daß quälende Träume ihn drückten und plagten. Er befand sich in zechender»lärmender Gesellschaft. Ein üppiges Mädchen hielt ihn umschlungen, liebkoste ihn undfüllte das leere Glas mit schäumendem Wein. Lieder von Liebe und Wein durchbraustendie Halle. Plötzlich, als er gerade das sinnenbestrickende Wesen zu sich heranzog, erschienihm das Bild seiner Elsa, bleich, abgezehrt, den Tod im Auge. Auf den Armen trugsie ein todtes Knäblein, dessen bleiches Gesichtchen seine Züge hatte. Langsamen Schrittesging sie auf Paul zu, legte ihn, das Kind auf den Schooß, sah ihn mit bittenden Geister-augen wie beschwörend an und verschwand. Da begannen die wein» und liebetrunkenenZecher höhnisch lachend das so schöne, rührende Lied, welches Elsa's weiche Altstimmeso oft sang, zu brüllen:
Es ist bestimmt in Gottes Rath,
Daß man von, Liebste», was man hat,Muß scheide»;
Wiewohl doch nichts im Laus der Welt
Den, Herze», ach, so sauer sälllAls Scheiden, ja Scheiden! —
Es wird wohl wenig Zeit um sein,Da läßt sie Dich sogar allein,
Dann weine, ja weine! —
Mit jähem Aufschrei erwachte Paul, auf dessen Stirne große Angsttropfen standen'Vergebens suchte er das schreckliche Bild zu vergessen. Es beängstigte ihn, bis der neueTag mit seinem Mühen und Schaffen den »Traum" zurückdrängte. — Noch nie vorherhatte er aber so innig und wehmüthig Schuberts schönes Lied gesungen:
„Ich hab' im Traume gcivcinet,Mir träumte, Du lägest im Grab.Ich wachte auf und die ThräneFloß noch von der Wange herab."(Fortsetzung folgt.)
Goldkörner.
Wem Hoch und Niedrig gleich, gleichviel ist hart und weich,
Gleichgiltig Reich und Arm, der ist in Armuth reich.
So wie der Weihrauch das Leben einer Kohle erfrischt, so erfrischt das Gebet die Hoffnung
des Herzens.
Goethe.
in jedem Aeußersten entschlossen scheint,
And't unerwartet in der Brust ein Herz,spricht man des Frevels wahren Namen aus.
Mancher, der i», blinden Eifer jetztZu jedem Aeußersten entschlossen schc
Schiller.