Ausgabe 
(18.7.1883) 57
 
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sind die Erscheinungen, welche sich beim fortgesetzten Genusse größerer Mengen von Kaffee-Surrogaten einstellen können und wirklich einstellen.

Ach warum nicht gar sofortsterben" durch Cichorie", ruft hinter mir die Gattindes Herrn Professors.Ohne Eich orie hat der beste Kaffee keine Farbe. HörenSie nur Doktor! Mein Mann schimpft immer über die Cichorie wie Sie und will durch-aus nicht dulden, daß ich solche dem Kaffee zufüge; obgleich ich dies schon heimlich seitJahren thue. Neulich hatte ich kein derartiges Surrogat zu Hause, braute den bestenKaffee der Welt ohne eines Zusatzes, da begehrte mein Gatte fürchterlich auf, überdie schofle, elende, farbverdächtige Cichorienbrühe, obgleich zum ersten Male seit Jahrenich ihm einen echten puren Mocca vorsetzte. Da haben Sie die Gewalt derEin-bildung." .

Nun als Farbe verbesserndes Mittel will ich mir schließlich noch eine kleine Portionguten Surrogat's gefallen lassen", erwiderte ich, denn mit Damen, zumal wenn solcheschön und außerdem liebenswürdig sind, läßt sich sehr schwer erfolgreich streiten.

(Schluß folgt.)

Natur und Gnade.

Heut' in leichtein Fluge gaukelnd,Ueber blumeuschöne Flur,

Heute frei in Lüsten schaukelndHoch im leuchtenden Azur,Morgen an der Erde kriechendFarbenblaß und flügellahm,Unter grauem Himmel steckendUnd gestorben schier vor Gram.

Aber aus den höchsten Kreisen,Wenn die Seele wie verzücktStammelt des Hosanna Weisen,Dieser Erdenlust entrückt,

Muß sie uuauihaltsam wieder,Nach des bitt'ren Urtcls Kraft,Zu des Staubes Kerker nieder,Der ihr so viel Leiden schafft.

O Du seltsam Menschenwesen,Zwicgestaltet und zertheilt,Bon den« Uebel nie genesen,Das im Ansang Dich ereilt,Und so göttlich doch erhobenUeber reiner Geister Schaar,Die den Ew'gen ewig loben,Selig und umwandelbar.

Und so geh'» in Furcht und HoffenAller Menschen Tage hin;

Heute von Verlust betroffen,

Lockt uns morgen der GewinnWieder auf die alten PsadeDes Verderbens immerfort,

Wenn erbarmend nicht die GnadeRiese der Erlösung Wort.

Diesem laßt uns immer lauschen,

Wenn der Fittig müde sinkt,

Wenn im Sturm die Meere rauschenUnd kein Stern am Himmel blinkt;

Sind die Flügel uns zerschlagen,

Wieder heilt sie das Gebet:

Höher wird die Gnad' uns tragen

Als die höchste Sehnsucht geht. L. v. Heemsiede.

Mise-llerr.

(Die geizigen Ehemänner find die schlechtesten.) Welche Frau wirddieser Theorie nicht beistimme»? Daß aber ein junges Mädchen ihr Verlöbniß bricht,weil ihr Bräutigam ein ökonomischer Raucher ist, dieser Fall allerdings dürfte nicht rechtglaublich erscheinen. Und doch hat er sich zugetragen. Zwei Fraüen reisten voreinige» Wochen mit ihren Kindern, die eine mit ihrem 20jährigen Richard, die Anderemit ihrer 17jährigen Tochter Sofie von Wien nach Karlsbad. Die beiden Frauen kanntensich schon von früher, die jungen Leute haben sich jedoch erst auf der Fahrt kenne» ge-lernt. Unterstützt durch die Fürsorge der Mütter, hatte sich zwischen den beiden jungenLeuten bald ein Liebesverhältniß herausgebildet und es sollte dasselbe nach beendigterKur die volle Weihe erhalten durch eine offizielle Verlobung» Darum wurde die Rück-fahrt wieder in Gemeinschaft angetreten. Da ereignete sich auf einer Station, wo einetwas längerer Aufenthalt angesagt war, ein Vorfall, der sonst kaum beachtet wird, dies-