Ausgabe 
(21.7.1883) 58
 
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dann zu ihrem Bruder übergesiedelt war, in ihren Ansichten von Welt und Leben ganzmit demselben übereinstimmte. Sie verehrte die Gebilde der sogenannten Kunst alsProdukte eines gottbegnadigten Geistes, und wenn man auf das Aergerniß hinwies, soentgegnete sie mit Schillers Worten:

Sollt ihr zugleich den Kindern der Welt und den Frommen gefallen ?

Malet die Wohltust nur malet den Teufel dazu!

Wurde man über dieses Gebiet nicht ganz einig, so war mit Ausnahme der beidenFrauen, die sich mittlerweile in das Haus begeben hatten, um für den Imbiß Sorge zutragen, die Gesellschaft um so einiger in den Ansichten über Religion. Hatte Paul dochlange hierin Schiffbruch gelitten. Alle drei stimmten überein, daß das Volk allmähligdurch Verbreitung von Wissenschaft und Bildung zur Freiheit der Vernunft erzogenwerde; der Gebildete aber sich seine Religion auf gleichem Grunde selbst aufbauen sollte.Als daher Paul die Loge als Ideal alles menschlichen Strebens hinstellte, ivo an Stelledes starren Dogmenzwanges und der Eingrenzung der Konfessionen als Hauptglaubenssatzechte Menschlichkeit, Bruderliebe und freie Geistesentfaltung gelehrt werde, da erhielt erden vollsten Beifall des GeschivisterpaareS, das ihni prophezeite, er werde mit solchenAnsichten über Religion bald sich zu ihren Anschauungen von Kunst und Leben be-kehren. Jetzt kamen die beiden Frauen zurück, und nachdem man ein einfaches Mahl zusich genommen, brach man wieder in's Thal auf. Man wollte in dem benachbartenFörsterhause den Kaffee nehmen und von da aus den Heimweg, den beide Familien einsStrecke gemeinsam zurücklegen konnten, antreten. Hiezu wählte man den Weg durch denschattigen Wald, der sich bis zum Fuße des Berges ausdehnte. An dessen Ausgang lag,von Bäumen und einem rauschenden Gebirgsbach fast eingeschlossen die Wohnung desJagdaufsehers, der, wie es in dieser Gegend öfters der Fall ist, Kaffee, kalte Küche undGetränke verabreichte. Während die kleine Gesellschaft so durch die Stille des Waldesdahinschritt, über dem sich tiefer Gottesfriede ausbreitete, senkte sich auch in die Herzender Wanderer diese Sehnsucht nach Ruhe und äußerte sich bald in dem schönen Liede:

Unter allen GipfelnIst Ruh;

In allen WipfelnSpürest DuKaum einen Hauch.

Die Vöglein lchweigen im WaldeWarte nur, balde -Ruhest Du auch.

(Fortsetzung folgt.)

Gol-rörner.

Der größte Siunengeuuß, der gar keine Beimischung von Ekel mit sich fährt, ist, in gesundemZustande, Ruhe nach der Arbeit. Kant.

Große Eigenschaften haben auch große Laster, oder wenigstens große Fehler zu ihren Waffentrügern. Hippel.

Lob befruchtet die Seele, wie den Acker

Milder Regen, damit die Saat im ersten Wüchse nicht sterbe. Herder.

Des Lebens Zeit ist kurz.

Die Kürze schlecht verbringe», wär' zu lang.

Wohl kaun die Brust den Schmerz verschlossen halten,Doch stummes Glück erträgt die Seele nicht.

Meinen Wurf will ich vertreten,

Aber das nicht, was er traf.

-Man muß dem Vaterlands,

Wie Gott dem Herrn, mit Zucht und Ordnung dienen,Durch treue Pflichterfüllung iin Gesetz.

Shakespeare .

Goethe.

Grillparzer.

Raupach.