Ausgabe 
(21.7.1883) 58
 
Einzelbild herunterladen

462

Das sogenannte KölnerKafsee-Surrogat, dessen Bereitung längere Zeitunbekannt blieb und das deshalb sehr theuer verkauft wurde, wird durch Einkochen von1 Pfund stark gerösteter Gerste mit 2 Pfund Syrup gewonnen. Die Getreidearten alsKaffee-Surrogate sind immer noch allen andern Surrogaten vorzuziehen,.da in ihren Auf-güssen außer «mpyreumatischen Stoffen noch Dextrin (Stärkegummi) vorhanden ist. Mansollte sich aber derlei Surrogate selber zubereiten, wenn man doch durchaus sich selberbetrügen will, weil solche im Handel fast nur im ungeeigneten Zustand vorkommenund weil man sich dieselben bei nur geringer Mühe weit besser, reiner und billiger her-stellen kann. Außerdem wurden und werden zu Kaffee-Surrogaten noch verwendet:Mohrrübe», die Roßkastanien, die Samen von spanischem Wirbelkraut e,geröstete Weintraubenkerne, geröstete Dattelkerne, Erdmandrln,Spargelsamen, Hagebutten, Wurzeln des Löwenzahnes, Wach-holderbeeren.T Vogelkirschen, Brodkrumen, Skorzonerwurzeln,Bucheckern, Mandeln, Mais, Hanfsamen, alle Hülsen fruchte unddergleichen. Verschiedene Zeiten bringen immer neue Erfindungen auf diesem Gebiete.Die allerneuesten und bestempfohlensten Kaffee-Surrogate sind nun folgende:

Das Kaffeepräparat der Wiener Firma Ed. Perger und Comp. DieseFirma hat ein Neichspatent und zwar unter Nr. 10519 auf seine Erfindung erhalten. Es ist «in Destillat. Dieses wird aus dem Kaffee bereitet, wovon 100 KilogrammKaffee 11 Liter geben sollen. Zur Herstellung des Destillats wird der Dampf der ingroßen Trommeln zu röstenden Kaffeebohnen (marinirter und haverirter) in besondereBehälter geleitet und verdichtet. Dieses Product wenigstens aus Kaffeedunst hergestellt,dient zum Aromatisiren von Kaffeepräparate» und Surrogaten.

Der Magdad-Kaffee, Negerkaffee, Oa.15o Kilon ist ein Kaffee-Surrogat, das aus dem zermahlenen Samen der O-rosin oriontnlis, einer in denTropenländern häufigen Hülscnfrucht, bereitet wird. Die grünen Samen wirken alsBrechmittel, geröstet aber werden sie auch schon in Deutschland als Verfälschungs-mittel des gemahlenen Kaffee's benutzt. Obgleich diesem Samen ein gewisser Nährwerthnicht abgesprochen werden kann, da sie ja fettes Oel, Pflanzenschleim, stickstoffhaltige, undstickstofffreie organische Stoffe und zwar an 18"/ enthalten, so besitzen sie doch durchwegskein Koffein, den eigentlichen Hauptwerthstoff des Kaffee's.

Das sogenannte approbirte Kaffee-Surrogat ist ein halbverkohlter Zucker. Eswurden nämlich in Folge eines Brandes in einer Zuckerfabrik (1678) mehrere tausendKilogramm gebrannter Zucker billig angeboten und liegt hier wahrscheinlich diese Ver-wendung jenes durch Brandunglück gebrannten Zuckers vor.

Kaffee deN Heims v. Doyer undComp. in Nheims ist ein dem comprimirtenKaffee ähnliches Fabrikat, dem jedoch etwas Cichoriensubstanz zugesetzt ist.

Die holländische Kaffee-Essenz in Pulverform soll gleichfalls gebrannterZucker sein, stammt höchst wahrscheinlich aus vorhergenannter abgebrannter Zuckerfabrik.

Döhrens patentirtes Kaffee-Surrogat ist im Wasserdampf erhitzte Getreide-frucht mit vorherigein Zusatz von doppelkohlensaurem Natron.

Kaffeeersatz der Firma Leusmann und Zabel in Hanover ist einGemisch mehrerer Surrogate mit etwas Stärkmehlstoffen. Dieses Surrogat zeichnet sichdurch sehr angenehmen Kaffeegeschmack aus und läßt auch Spuren von wirklichem Koffeinwahrnehmen.

Pisonis, Kaffee-Surrogat ist das trockne Extract aus gerösteter Cicho-rienwurz, zuweilen mit gebranntem Zucker vermischt.

Der comprimirte und patentirteKaffee von Ruch, Chartierund Verlit (Kassel ) ist ein sorgfältig gebrannter, zermahlener wirklicher Kaffee, derunter einem Drucke von mehr als 40 Atmosphären in eine den Chocoladetafeln ähnlicheForm gebracht ist. (Ist eigentlich kein Surrogat, weil wahrer Kaffee.)