Ausgabe 
(25.7.1883) 59
 
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Äugsburger pojijeitmig?-

Nr. 59. Mittwoch, 25. Juli 1883.

Ein Jahr Uogrnirben.

Von Georg Aumüller.

(Fortsetzung.)

Da plötzlich störte Hilferuf eines in rasender Hast dahinfliegenden Mannes Wald-ruhe und Gesang. Kaum hatte derselbe den Arzt erblickt, als er mit zum Himmel empor-gehobenen Händen den Nothruf der Freimaurer ausstieß und dann wie leblos zur Erdesank. Paul und Ernst stürzten zur gleichen Zeit zu dem Hilfesuchenden, um ihn ausden Händen eines Mannes zu befreien, der sein Opfer würgte, als müsse es den letztenAthemzug aushauchen, ehe die beiden Männer herbeigeeilt kamen. Daß es diesem ManneErnst sei, bewies sein verzerrtes, wuthentbranntes Gesicht mit den aus den Höhlen hervor-quellenden Augen. Jetzt warfen sich die Beiden auf den Rasenden und es gelang ihnennach hartein Ringen das ohnmächtige Opfer den furchtbare» Händen zu entreißen.Während der Arzt sich mühte den Ohnmächtigen mit Hilfe der Damen, die währenddieses gräßlichen Schauspieles herbeigekommen waren, in's Lebe» zurückzurufen, hielt Pauldie Arme des Mannes, a» K-ss- Willen es nicht gefehlt hätte, daß jetzt das Blut einesgemordeten Menschen an , ..- Händen klebte. Der Arme, bei dem jetzt Ermattung undheftiges Zittern des ganzen Körpers an Stelle der rasenden Wuth getreten waren, machtenicht die mindeste Anstrengung, sich der fesselnden Hände zu entledigen. Auf des ArztesZuruf, der in ihm den Jagdaufseher, einen sonst gutmüthigen, wenn auch jähzornigenMenschen erkannte, ließ Paul dessen Arme los und befragte ihn, was ihn zu so unseligerThat getrieben habe. Stöhnend stieß jener, auf den Ohmächtigen zeigend, die Wort«:Weiberverführer, Schänder meiner Ehre" auS, dann wandte er sich, ohne ein Wort zusagen um und wankte seiner Hütte zu. Paul, der neues Unheil befürchtete, folgte ihmdorthin. Seine Besorgniß war umsonst. Nachdem der Unglückliche sich überzeugt hatte»daß seine Frau das Haus verlassen, warf er sich zur Erde, nieder und weinte undjammerte, daß sich die Steine hätten erbarmen können. Endlich, als die Thränensluthseinem itodtwunden Herzen Erleichterung verschafft hatte, erhob er sich und schritt auf Paulzu, der selbst bis zu Thränen gerührt, in einiger Entfernung den Unglücklichen bemit-leidet hatte. Stillschweigend nahmen beide auf einer Bank vor dem Häuschen Platz,während zu ihren Füßen die Wasser des Baches in dumpfem Gemurmel dahinrollten, er-zählten sie das alte Lied von gebrochener Treue und zerrissenen Herzen dem lauschende»Walde. Jetzt begann der Mann:Lieber Herr, ich danke Euch von Herzen, daß Ihrmich verhindert habt, ein Mörder zu werden. Jetzt sehe ich ein, daß ich Unrecht gethanhätte, allein Zorn und Nachgier hatten mich meiner Sinne beraubt. Es hätte aber auchein älteres und kälteres Blut als das meinige rasend werden können. Wie jeden Montag,so ging ich auch heute zu der fast drei Stunden entfernten Oberförsterei, um Bericht übermeine Thätigkeit zu erstatten und neue Befehle zu erhalten. In der Regel komme ichdann vor Nacht nicht nach Hause. Heute nun begegnete mir auf halbem Wege ein Holz-