Ausgabe 
(28.7.1883) 60
 
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Äugsdilrger Dostzeitimg."

Nr. 60. Samstag, 28. Juli 1883.

Ein Jahr Jogen leben.

Von Georg Aumüller.

(Fortsetzung.)

Kaum »rar der letzte Akkord verhallt, als der Bruder 1. Sekretär, der zurRechten des Meisters seinen Platz hatte mit dessen Genehmigung sich erhob und folgendeWorte an die Versammlung richtetet

Es ist uns, nieine theuren Brüder längst bekannt, wie die Macht der Finsternißund mittelalterlichen Verdummung, an deren Spitze der Papst in Nom steht, stets be-müht ist, unsern erhabenen Bund zu schädigen. In diesen Tagen wieder hat derPapst in Nom der Redner gebrauchte hier eine alberne, freventliche Bezeichnung einen Erlaß an seine Schafe hinausgegeben, worin er unsern erhabenen, seinenSegen über die ganze Erde ausgießenden Bund mit den ärgsten Schmähnamenbeehrt und über die Mitglieder derselben wiederholt die sogenannte große Exkommu-nikation verhängt. Nun, meine Brüder, wir wissen, daß der römische Blitz nicht mehrzündet und nicht mehr bedeutet als ein Schlag in's Wasser. Die Bulle, welche unSalle dem höllischen Feuer übergibt, ist durch die Tagesblätter jedem bekannt. Dazusorgen noch des Papstes Trabanten durch Verkündigung von den Kanzeln für deren Ver-breitung. Man weiß nicht, soll man über solchen Wahnwitz lächeln oder so werthloseDrohungen eines ....... Priesters bemitleiden. Wir sind und bleiben der Ueber-zeugung» daß eine Religion, die in ihrem innersten Kerne Verachtung des gesammteuStrebens hienieden und des irdischen Genusses lehrt, nicht menschlich und nicht für Menschensei. Der Ueberschwung hat sie gebore», die vernünftige Ueberlegung muß sie aus denKreisen der Bildung in die der Barbarei und Halbbarbarei oder doch der Halbbildungweisen und diese Zeit der Ueberlegung ist endlich da. Unsere Geister sind wie die altenPergamente, worauf ursprünglich weise Männer, die wir jetzt Heiden nennen, die reineLehre von dem Baue ver Welt und ihrem Baumeister schrieben, darauf .... Möncheeine Tünche strichen und auf die Tünche irgend ein gottseliges Traktätlein pinselten, bisdurch chemische, zersetzende Mittel die Tünche sammt dem Mönchsgeschmiere beseitigt wirdund der alte, reine Glaube an den allmächtigen Baumeister aller Welten, der auf seinemStern keine sich kasteienden Mucker, sondern fröhliche, genießende Menschen will, wiederzum Vorschein kommt. Daß dies bald und überall geschehe, daran wollen wir, jeder inseinem Kreise, als Glieder des großen Bundes arbeiten und kein Grollen und Blitzeneines ......... Priesters soll uns daran hindern."

Auch diese Rede wurde mit der mauerischen Beifallssalve aufgenommen. Nachdemhierauf noch das Armenlied gesungen und zum Segen der Arbeit zum allmächtigen Bau-meister aller Welten gesprochen worden war, wurde die Loge nach Auslöschen der großenLichter der Weisheit, Stärke und Schönheit durch die Hammerschläge des Meisters undder beiden Aufseher geschlossen.

Nun begab man sich in das anstoßende Gesellschaftszimmer. Dieses war ein großes,