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prächtig ausgemaltes Gemach, dessen Wände mit sreimauerischen Attributen und Sentenzensowie mit den Bildern sämiirtlicher Logenmitglieder geschmückt ivaren. In der Mittezog sich eine lange Tafel mit zwei Reihen Sesseln dahin, an einer Wand stand ein pracht-voller Concertflügel, daneben lagen auf einem Tischs die neuesten Nummern fast allerfreimaurerischen Zeitungen. Nachdem man die maurerischs Kleidung abgelegt hatte, nahmman an der Tafel Platz und bald entwickelte reges Leben, wozu die guten Speisen undvorzüglichen Getränke, von zwei dienenden Brudern dargereicht, nicht wenig beitrugen. Garoft fiel des Meisters Hammer auf den Tisch zum Zeichen, daß Ruhe eintreten solle, weilReden gehalten oder Toaste ausgebracht werden sollten. Auch Paul wurde von demStrudel der allgemeinen Fröhlichkeit mit fortgerissen und ganz begeistert von Wein, Freudeund Brüderlichkeit stimmte er unter dem Knallen der Champagnerpfropfen in das Liedmit ein:
„Freut euch des Lebens
So lang noch das Lämpchea glüht,
Pflücket die RoseEh' sie verblüht."
Auch das Lied:
„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Leben lang"
gefiel ihm in dieser Gesellschaft sehr gut. Wie sonderbar aber, daß er dabei nie an seineElsa dachte, sondern nur Friederike'S schwarze Augen auf sich ruhen sah. —
Als die ersten Sonnenstrahlen durch die trüben Wolken drangen, trennten sich dieBruder.
Im Tagesanzeiger zu K., dessen Eigenthümer und Redaktion der Aufseher derLoge zur Eintracht war, las man am gleichen Tage folgenden Artikel:
„Es wird den Lesern dieses Blattes nicht unbekannt sein, daß neulich ein Attentatauf unsern allgemein geachteten Mitbürger, Herrn Gutsbesitzer Folger, gemacht wordenist. Auch dessen Rettung durch zwei unerschrockene Männer, Herrn Professor Paul Grafund Herrn Dr. Flemming dürfte hinlänglich bekannt sein.
Wir glauben aber unsern Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn mir, eine Indis-kretion begehend,' denselben mittheilen, daß Herr Folger der Frau des wahnsinnigenForstaufsehers, die bei ihm Hilfe und Obdach suchte, beides in edelmüthigster Weisegewährte. Der rasende Mann selbst ist seit jenem Tage verschwunden; viele glaubenan eine Selbstentleibung, da die Frau schon einige Zeit auffallende Zeichen von Schwer-mut!) an ihm entdeckt hat. Möge der Arme einen gerechten Richter finden, Herr Folgeraber hat dadurch auf's neue bewiesen, daß er nicht umsonst der Vater der Wittwen undWaisen genannt wird." —
Der also Belobte fuhr unterdeß mit Paul und Dr. Flemming, die er zu einemBesuche seines Gutes genöthigt hatte, nach Hause. Auf den trüben Morgen war einRegentag erschienen, wer die Folgen einer in fröhlicher Gesellschaft durchwachten Nachtganz empfindlich fühlen und keine fröhliche Stimmung während der Heimfahrt aufkommenließ. In Folger's Herrenhaus empfing eine üppige Brünette, halb städtisch, halb länd-lich gekleidet, mit kokettem Lächeln die Ankommenden. Es war Therese, das davon-gelaufen«, ehebrecherische Weib des Forstaufsehers. Obgleich ihr Anblick nicht geeignetwar, Paul Graf heiter zu stimmen, so verscheuchte ein leckeres Mahl und auserleseneWeine, sowie die zuvorkommende Freundlichkeit des Wirthes so ziemlich den einsilbige»Ernst und man unterhielt sich über die letzte Loge, Logenwesen überhaupt und besondersdie neue Bannbulle des Papstes, bis die Zeit zum Abschiede drängte. Mittlerweilehatte der Regen nachgelassen und Paul ging mit dem Doktor seinem Dörfchen zu, woLetzterer noch einen Krankenbesuch machen wollte. Freudiges Erstaunen ergriff aber denProfessor, als er vor seinem Häuschen Frisderike sah, die in muthwilligem Spiele sichmit seinem Kinde unterhielt. Und als nun seine Lina ihm entgegrnsprang, und Friederikr
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