Ausgabe 
(28.7.1883) 60
 
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Herzen trage, sie nicht zu verlassen, da nur seine Liebs ihr Leben erhalten könne. Dannkam wohl auch die kleine Lina betete dem Vater ein neues Gebetlein vor, das sie vonder Mutter gelernt hatte, oder bat ihn, Abends mit ihr zu spielen, und bei ihr undMama zu bleiben. In solchen Augenblicken lebte Pauls Brust wohl von neuem auf indem reinen Gefühle der Gattenliebe und Vatersreude, und er versprach Mutter und Kindalles, was sie begehrten; wenn aber dann, nachdem er ein paar Tage für seine Liebengelebt hatte, Friede,ike zur Freundin kam, sich ängstlich nach seinem Befinden erkundigteund mit ihren Zauberaugen ihn bannte, da vergaß er des Versprechens und erschienAbends wieder im fröhlichen Kreise, aufmerksamer als je von Friederike mit Zeichen der ^

Freundschaft und Ergebenheit überhäuft. Dann gehörte er auch wieder der Loge und ,

arbeitete für dieselbe zur Freude der Meister und zum erhabenen Beispiele der Lehrlinge. !

So kam Ostern heran, und Paul, der mittlerweile in den Gesellengrad vorgerückt war, -

sollte durch einstimmigen Beschluß der Meisterloge in Anbetracht seiner Verdienste um ^

den Bund zum Meister erhoben werden, obwohl seine Probezeit noch nicht zu Ende war. !

Der ersehnte Abend brach an. Unbekleidet, wie einst ein Suchender, betrat er am l

Arme zweier ebenfalls zu befördernden Bruder unter dem Gesänge der Anwesenden die !

Loge. Doch waren ihm diesmal die Augen nicht verbunden, sondern er mußte rückwärts !

gehend die Schwelle des HeiligthumS überschreiten. Während die Aufzunehmenden, das ^

Gesicht stets von der Mitte des Saales abgewandt, die Loge dreimal durchwanderten,sangen die Bruder unter Begleitung des Harmoniums die letzte Strophe desVaterunsers 's !der Freimaurer :

O Du, der sein wird, ist und war,

Beschütze Deine Maurcrschaar!

Und wo ei» Bruder zweifelnd irrt,

Von der Versuchung Reiz umgirrt, !

Da laß ihn fliehen bis an die Schwelle, -

Wo Deines Trostes 'sehen quelle; !

Laß an des Altares Hörnern sich ihn halten, '

Hier schütze ihn der heil'gen Dreien Walten.

Hier betet er mit Zuversicht:

Führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von allen Uebeln.

Hallelujah, großer Meister! "

Deine ewigen Säulen stehen,

Ob in Deinem weiten Reiche !

Welten untergehen.

Lies gezündet steht Dein Tempel, >

Reichend bis znr Sternenwand, ^

Für ihn schlagen lausend Herze»,

Bauet jede Bruderhand. f

Leil' auch inich aus sicherem Wege s

Durch der Wogen Element,

Bis ich schaue T»ch als Meister )

In dem großen Orient, s

Ais dereinst sich mir die Thore

Oeffnen Deines Tempels Hallen, s

Wo von'iiah und fern die Brüdsr

Zu dem Sonnenaltar wallen. ^

(Fortsetzung folgt.)

Gol-kSrerer.

Der schlimmste Schritt ist, den man eingestellt;

Was man nicht ausgibt, hat man nie verloren l Schiller.

Das Wort sröhnt wie ein Sktav'

Jeglicher Gruft, auf jedem EpitaphLügt es Trophäen; oft schweigt^, und dem GedächtnißEhrwürd'ger Namen läßt es als Vermächtnis!

Vergessenheit und Staub.

Shakespeare .