Ausgabe 
(4.8.1883) 62
 
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Aus Monaco .

Der bekannte Feuilletonist und Romanschriftsteller Hans Wachenhusen hat unter -

dem Titel:Monaco , Skizzen vom grünen Tisch und vom blauen Meer", eine Reihe -

von Schilderungen über die Niviera erscheinen lassen. In diesem Büchlein finden sichinteressante Mittheilungen über Vergangenheit und Gegenwart des an der ligurischen Küste t

des Mittelmeeres gelegenen absoluten Fürstenthumes Monaco und seine Bewohner, sowie '

über die Spielbank Monte Carlo . Wir entnehmen dem Abschnitte überdie Engländer /

am Mittelwerte" die folgende interessante Skizze: '

Wer die Niviera am meisten zu schätzen versteht, das sind die Engländer. Auchsie schicken allerdings ihre Kranke» hierher, aber lieber kommen sie schon als Gesunde Iund treten in Heerden auf. !

An der ll'ublo ck'düte der Hotels Alles englisch ; man dejeunirt hier auf französischem s!Boden auch nicht, man luncht, und der Hammel darf nie fehlen. Die Tafel spricht vor-zugsweise, an manchen Tagen sogar ausschließlich englisch . Sie setzen Alle voraus,daß man ihre Sprache rede und ist eine der Misses sehr sprachbewandert, so bittet siewohl bei Tische: volen-vos mo xasser In rnovou?

Aber sie sind die praktischesten und verständigsten travollors aller Völker. Dieübrigen Nationalitäten existiren für sie nicht. Mit unglaublich billigen Nundreisebilletsfür die weitesten Touren, ganze Ballen von Gepäck im Coupö mit sich schleppend, ziehensie einzeln oder in Familien um die ganze Mittelmserküste herum. Ihre Checks nimmtjedes Hotel und in jedeni Hotel sind sie überzeugt, eine englische Colonie schon vorzufinden.

Sie haben ja nur die Scholle gewechselt, die Atmosphäre ist ihnen überall englisch .

Und sie reisen mit Genuß. Ein derber, unverwüstlicher Reise-Anzug fehlt Keinem, I

der sich noch rüstig fühlt; man findet ihre nagelschuhige» Spuren auf den höchsten I

Terrassen der Berge» wo irgend ein Nasen, wird ein ioc»t dall oder luvn tennis etablirt»

für welchen letzteren selbst die Misses eine geschmacklose, aber solide Toilette mit sich ;

führe». !

Pferde, Esel und Führer dienen zumeist den Engländern. Bestaubt, mit wuchtigenKnitteln in der Hand, sieht man sie Abends von ihren Land- und Bergpartien zurück- >-kehren, die Misses mit ihnen, ebenso unermüdlich, immer mit demselben unbeweglichenRückgrat, in groben Kleidern, die kurzgeschnittenen Schlasröcken ähnlich. Zum Diner um7 Uhr Abends erscheinen sie nach schnellem Kleiderwechsel xontlomuii und luclzUilcs unddie Wirthe erschrecken über den Gebirgsappetit, den sie au die Tafel bringen.

Das ist indeß mehr die mittlere, zu Hause nur wohlhabende GesellschaftsklasseAlbions , die den Continent sucht, um mit den Jahreszeiten die Stätten zu wechseln,wie der Nomade seine Weideplätze. Sie gehen im Herbste nach Biarritz , im Winter andie Niviera, im Frühjahre nach den Pyrenäen, im Sommer a» den Rhein ; nur dieBestsituirten unter ihnen machen vorher noch die Saison in London mit.

Die zu den oberen Zehntauiend Gehörenden oder ihnen Nahestehenden sind dieGentlemen und Lords, denen der Sport der maßgebende Wegweiser ist. Auch sie ver-fehlen die Niviera nicht, sie sind Mitglieder der Clubs in Nizza und geben den (nebenbeigesagt, langweiligsten) Ton an. Ihre Namen fehlen auch in keiner Saison im osiolsäos ätraiiSLra in Monte Carlo und in dem Shooting-Club, dem tir nux xiZeon-, dessenanerkannteste Beschützer sie sind und in dessen stanckioaps, inatsoiw, pari? und ponIessie das Reglement dictiren.

Dieses tir anx xiAvons, das Taubenschießen, ist namentlich der Lieblingssport >der Niviera. Es existirt eines in Nizza auf dem Uferrasen auf der Promenade nach !Villesranche, doch hat es weniger Bedeutung; das von Monte Carlo gilt den passionirtenskoot rs als das Musterinstitut der ganzen Welt, dem auch die englischen und selbstdas des Bois de Boulogne nicht nahe kommen.

So mancher Fremde, der vom Casinoplatze auf der westlichen Seite über dieRotunde zum Ufer hinabsteigt, wird absichtslos der Zeuge dieses blutigen Vergnügens»