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wenn man die Ueberzeugung hat, daß dies wirklich geschehen, und diese hat man ge-wöhnlich bereits ehe der Ausgeplünderte sich meldet.
Man kennt die Spieler, man beobachtet sie an den Tischen, man taxirt ungefähr,'was sie gewonnen oder verloren haben, und ist anständig genug, das Reisegeld nachihrem Verlust, »ach ihrem Stande zu bemessen. Das war auch in Deutschland so, undi» diesem nur wenige Kilonieter umfassenden souveränen Staate ist es doppelt geboten';es müßten hier sonst im ganzen Umkreise die Bäume gefällt, das Schießpulver verboten,das Meer zugeschüttet werden, um das Paradies nicht zur Trauerstätte zu machen.
Miseellen.
(Der Nosenstock in Hildesheim.) An der Absis des Hildesheimer Dom-chores befindet sich bekanntlich ein Noscnstock, von dem die Sage geht, er sei derselbe,an welchem das Ncliquien-Kästchen hängend gefunden wurde, welcher der Hvfkaplan desgerade im Hildesheimer Walde auf der Jagd befindlichen Kaisers Ludwig des Frommenaus Vergessenheit zurückgelassen hatte. Der „Hannov . Cour." berichtet nun, der HistorischeVerein für Niedersachsen habe bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Hildesheim auch denberühmten Rosenstock in Augenschein genommen, dessen Alter nach Aussage des SenatorsRömer daselbst, von botanischen Autoriräten auf 300 Jahre geschätzt werde. Die„Hildesh . Ztg." hebt dagegen hervor, daß der vor einigen Jahren gestorbene ProfessorLr. Leunis» eine botanische Autorität ersten Ranges, das Alter des Nosenstockes auf1000 Jahre geschätzt habe, und Bischof Hczilo, welcher im 11. Jahrhundert auf dembischöflichen Stuhle zu Hildesheim saß, habe von dem Nosenstocke als einer altehrwürdigenErscheinung gesprochen.
(Das Kapitel der Zollkuriosa) erfährt täglich neue Bereicherungen, aberauch auf diesem Gebiete ist „Vieles schon dagewesen," und so ist die „Bresl. Ztg." inder Lage, eine zwar schon ältere, aber wenig bekannte Leistung zollwächterischen Scharf-sinns mitzutheilen, die beweist, daß man an den Grenzen des deutschen Vaterkandes schonvor Jahrzehnten in Bezug auf Findigkeit unseren heutigen Zollbeamte» mindestens gleich,wenn nicht „über" war. Für das Museum, und zwar dessen anthropologische Abtheilung,einer deutschen Universität trafen an der Grenze mehrere Kisten mit Menschenschädelnein. Unter welcher Rubrik sollte nun diese unheimliche Ladung verzollt werden. Manrieth hin und her und kam schließlich auf einen schenialcn Gedanken, der aller Noth einEnde machte. Man verzollte die Schädel als — getragene Sachen!
(Die böse Hausfrau.) In Nevada brach, nie die in S. Paulo erscheinendedeutsche Zeitung „Germania " erzählt, kürzlich ein Bär in ein Haus ein. Der Haus-vater war abwesend und seine Gattin glaubte, er sei es, und er komme betrunken nachHause. Sie hielt sich nicht erst damit auf, Licht anzuzünden, sondern begann die ener-gische Thätigkeit ihrer Zunge ohne Weiteres. Als der Bär schließlich das Haus verließ,hörte er nicht eher auf zu laufen, als bis elf Meilen zwischen ihm und dessen Bewohnerinlagen; sein Aussehen aber war derart, daß die anderen Bären ihm wochenlang ausdem Wege gingen. — Echt amerikanischer Humor!
(Wie in Paris das Geschäft blüht), kennzeichnet „Figaro" durch folgendenbittern Scherz: Ein Kaufmann begegnet einem jungen Blaun, der früher bei ihm alsKonnnis thätig war, und klagt über den schlechten Geschäftsgang. „Erlauben Sie," ruftder junge Mann, „bei uns blüht das Geschäft derart, daß wir Erweiterungsbauten vor-nehme» müssen." „In welcher Branche arbeiten Sie?" „Leihhaus." ->
(Den größten Pfirsich garten der Welt) besitzt John Parnsll, einBruver des Führers der irischen Partei im englischen Unterhaus«. Der Garten erstrecktsich über 800 Morgen und ist mit 125,000 Pfirsichbäumen bepflanzt.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.