Ausgabe 
(15.8.1883) 65
 
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Einiges über Mönchs-Deggingen.

8. Der von Augsburg nach Nördlingen gehende oder fahrende Reisende gewahrt eins schwacheStunde von der Station Mültinge», erste vor Nördlingen , ein Conglomcrat von ansehnlichen Gebäu-lichkeiten, blendend weiß weithin sich zeigend, in deren Mitte ein ansehnlicher Thurm steht, dessenprächtiges Geläute weithin erschallt. Prächtig gelegen ist das Ganze, im Hintergrund von Wäldernumsäumt und zu seinem Fuße ein stattliches Dorf. Ganz entschieden ist dieser Punkt eiuer derschönsten im schönen Riese und sein Name heißt seit alter Zeit Weggingen, Mönchsdeggingen , weilMönche einstens das berühmte Kloster bewohnt haben. Statt der Mönche haben jetzt sürstliche BeamtedieZellen", welche in moderne Gelasse umgewandelt wurden, bezogen, und nicht hört man mehr dieMetten singen iin Chöre, wohl aber die guttresfenden Flintenschüsse des Forstmannes.

Deggingcn war also ein Kloster und zwar ein Beuediktiuerklosler, eines der ältesten in derganzen Gegend. Das Stiftungsjahr selbst ist nicht ausgemacht, bestimmte Akten fehlen bis zum Jahre1017. Die einen sagen, es sei gestiftet von Benhold, einem Reffen Otlo's, Herzogs von Sachsen, demspäteren deutschen Kaiser, andere behaupten, der Stifter sei kein anderer als Kaiser Otto >. selbst undfalle das Stislungsjahr in das Jahr 955 oder 959, wieder andere lassen es von König Otto I. undBertholt, Grasen von Alteuburg und Babenbcrg im Jahre 958 gegründet sein. Leicht ließe sich auchein Grund für die Stiftung des Kaisers finden, es wäre vielleicht die Gründung des Klosters ox votogeschehen, oder aus Dankbarkeit für die Wohlthaten Gottes. Im Jahre 955 besiegte nämlich Ottodie Ungarn in einer entscheidenden Schlacht auf den, Lechsclo bei Augsburg und wurden so die furcht-baren Feinde Deutschlands niedergeschmettert, die Feinde, welchedeutsche Einigkeit" von dazumalselbst gerufen hatten, in einer Zeit, wo der Sohn und der Schwiegersohn gegen den Vater undL-chwiegervater das Schwert zogen. Es könnte demzufolge wohl das Kloster errichtet worden sein zumAndenken au den glänzenden Sieg auf dem Lechseld. Wieder eine andere Chronik vermeldet, Stiftersei Kaiser Heinrich II. (100L1024), und lassen wir dies dahingestellt, verwahren uns aber gegenClanseln, wie sie einseitige Geschieht-,uacher vor ein paar Jahrzehnten fabricirten, indem sie z. B.zu Heinrich II. bemerktengerne" heilig genannt. Es steht solchen Schreibern ganz frei, an einenheil,gen Heinrich zu glauben oder nicht, wie es jedem Leser ihrer Makulatur freisteht, sie sür ein-seitige sanatijche Scribeulen zu halten. So viel ist sicher, Heinrich" II. lies; das Reich nach Innen be-festigt und nach Außen gesichert zurück und zeichnete sich durch Reinheit des Wandels aus, wie nochwenige Derer, welche die Krone eines Reiches getragen. Lang sagt, Deggingen sei 1097 von KaiserHeinrich II. dem Hochstift Bamberg als Tafelgut überwiesen, 1138 aber wieder herausgegeben worden,worauf 1101 der Klosterban begonnen, welches Datum uns als ein verspätetes erscheint. Bekanntlichwurde Bamberg 1006 von Heinrich gestiftet und erhielt sodann Deggingen oum omuibus psrtincntiisLivL allbaoroimw. Nach anderen Nachrichten aber wurde das Kloster B.unberg geschenkt im Jahre1017 ohne weitere Angabe, wann dasselbe gegründet wurde. Um nicht mißverstanden zu werden,mag beigefügt werden, das; Heinrich das Kloster nicht als solches verschenkte und verschenken konnte,sondern er stellte dasselbe nur unter die Advokatie von Bamberg ; die Besitzungen gehörten selbstver-ständlich dem Kloster als solchem. Von, Jahre 1138 ist eine päpstliche Bestätigung verzeichnet, wäh-rend es von; nächstfolgenden Jahre heißtUotarinz II Uowonoruw kunclationem OcMugsuscmLiugularibus l'rivllegii» ovnkrmavit." Diesem Satze muß Einsender deswegen widersprechen, weilim Jahre 1139 Lothar II. bereits zwei Jahre zu den Todten gehörte, und Courad III. (,1371152)Platz gemacht hatte. Dagegen stimmt das folgende Jahr von dem es heißt:anno 1140 Inuoeon-tius secuncluo Uoiuauoruiu Uapa tuinlationem soeuuclam ab Ottons imporatoro Conti,mavit."Im Voraus bemerken wir, daß bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts 36 Nebte aufgezeichnet sind,von welchen der dreiunddreißigste Henricus Wernherus volle 43 Jahre den Krummstab führte von17001743. Von einem dieser Prälaten Friedericus wird mit einem UU. bemerkt:Dieser ver-meldete Abt Friedrich zu Kloster-Dcggingeu hat sich in einem gewissen Oiplowato Friedrich von GottesGnaden geschrieben." Der siebennndzwanzigste Abt Christophorus 1625 a kapa Uibuno II. (l>. istgrundfalsch und muß VIII. heißen, da Papst Urban II. bereits 10381099 regierte) starb >n lixikioim Kloster zum Heiligen Kreuz in Donauwürth , und war die Abtei genöthigt nach dessen Tod ohnePrälat zu sein wegen desgrausigen unmenschlichen" schwedischen Krieges. Wie ungenau die Chronikoft ist, mag der Umstand beweisen, daß eine Nachricht vom Jahre 1221 dem Abt Marguarden dieFreiheit ° seitens des Bischofs Sigfried von Augsburg gibt, die Pfarrei zu Deggingen mit einemLaienpriester oder Couvcntualen versehen zu lassen, während die Reihenfolge der Aebte zur damaligenZeit uns keinen Prälaten dieses Namens hinterlassen hatte, sondern ein Marguardus sich erst einhalbes Jahrhundert später findet. Im Jahre 1287 belehnte Bischof Arnold von Bamberg die Ge-brüder von Hürnheim zu Hohcnhaus mit der Vogtei des Klosters Deggingen.

Zur damaligen Zeit muß es nicht gar gut gestanden sein, denn wegen Verarmung mußte demKloster die Pfarrei Deggingen mit ihren Zehnten übergeben werden. Auch scheint da,»als schon derBegriffWucher", der in der modernen Zeit so viel bekannt und gekannt worden ist, nicht ganz imDunkeln gelegen zu sein, weil 'von den Unteradvokaten geklagt wird, daß sie zu viel für sich genommenund gewonnen haben. Verschiedene prächtige Erlasse seitens der höchsten Behörden sind aus damaligerZeit, dahin gehend, dem Kloster alles zurückzugeben, was ihm auf ungerechte Weise entzogen wurde.Bald verkaufte Hürnheim die Advokatie an das Kloster selbst, welche aber später wieder ausgelöst andas Haus Oettingeu überging. Die Zeit des Faustrechts war vorüber, diekaiserlose schreckliche" Zeit