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liegt hinter uns, K»»st »»d Wissenichast konnncn wieder in Flor ruglcich mit dem Handel, manchegeistlichen Würdenträger, welche etwas zu weltlich geworden waren, sind sich wieder ihrer wahrenWürde bewußt geworden, und auch unser Kloster steht Ausgangs des dreizehnten und im vierzehntenJahrhundert angesehen und reich vor der Welt da. Theils durch Schenkung, theils durch Kauf kommtuugeiueiii viel au den Convcnt, nachdem zwischen „Obristentag und Juvocavit des Jahres 1311 Conradvon Hürnheim von. Hohen Haus alle Vogteirechtc über das Kloster, auch alle deren Leut und Güterdem Abbt und Convent mit dem Beding verkauft, daß er solche zu keiner andern Zeit nicht wiederlösen solle und wolle." Trotz dieser Bestimmung finden sich zwischen diesem Verkäufer, wie auch späterzwischen dem Grasen Octlinge» und dem Abt verschiedene Nörgeleien vor.
Im Jahre 1370 finden wir in der Chronik unseres Klosters einige Mißhelligkeiten verzeichnet.Leren Grund nicht angegeben, wobei uns aber der Name John Wiclifs begegnet. Wir dürfen wohlnicht annehmen, daß die Lehre dieses Vorläufers der Reformatoren in den klösterlichen Mauern Auf-nahme fand, sonst wäre entschieden das Weitere bemerkt.
Wie genau die Chronisten mitunter auszeichnen, kann unter anderem auch daraus erhellen,Laß einer im Jahre 1135 eine Schenkung von zwei Maller Roggen Nördliuger Mäst an das Klosterrcgistrirt hat. Um dieselbe Zeit kam durch Ausstcrbcu der alten adeligen Familie der Herren vonBollstadt dieses an das Kloster, das am Ausgauge desselben Säculums noch mehrere Schenkungen zuverzeichnen hat. „Eine grausige That ist zu vermelden vorn Jahre 1497, allwo im Kloster ein Mönchdem andern nichts weniger angetan hat, als ein Auge von den zweyen herausgestochen." Diesergrausigen That fügen wir eine weitere spätere vorn Jahre 1629 sofort bei, welche von, Auszeichncreine „gar sehr ungristliche That" genannt wird. Es wurde nämlich in diesem Jahr, in welchem Friede-ricus Prior war, von seinem Prälaten der Bauer Michael Schiffen von Zibwangen niit einer Klingenhart verwundet, „was derselbe doch hätte sollen intermittiren", welchem Wunsche wir uns schon »achdem Grundsatz des allgemeinen Völkerrechts anschlichen „guäle nie ei» Thier aus Scherz, denn esfühlt wie Du den Schmerz!" Im Jahre 1513 sei es am 27. März oder nach anderer Lesart am27. Oktober brannte das Kloster ab, nur der Chor der Kirche blieb stehen; dasselbe wurde aber zweiJahre daraus unter dem Abt Alexander wieder aufgebaut. Ein Jahr nach dem Brande ist ein großerHolzprozcß in den Akten ausgezeichnet, geführt zwischen Haus von Steiu zu Diamautstein und den,Abt von Teggingen, während wir einige Jahre darauf einen kleinen Aufruhr vulgo Empörungzwischen den Bauern des Dorfes und dem Kloster finden ohne Angabe der Veranlassung hiezu.
Im Bauernkrieg, über welchen einige dc» Spruch machen „rustiea Zeus est optima. ktonoer pesaims, gauclens" kam auch manche kleinere und größere Heimsuchung über unser Kloster. Nach-dem im Jahre 1555 »ach langen Verhandlungen der Augsbnrger Religioussriede zu Stande ge-kommen war, nach welchem die Katholiken und die Anhänger der Augsbnrger Consession freie Neligions-übung haben sollten, worüber aber nach dem eingesührten Tcrritorialsystcm der betreffende Landes-snrst allein entschied, besohl Gras Ludwig von Oetiingen, der zur protestantischen Kirche übergetretenwar, das Kloster und die Pfarreien seiner Grafschaft, mit protestantischen Pfarrern zu besetzen, ,,indiesem Jahr aber wurde daraus nichts", setzt der Chronist bei. Später srcilich mußte das Klosternachgebe», Pater BlasinS war genöthigt, der Gewalt zu weichen und wir finden einen Pfarrer, derneuen Lehre angehörig, Namens Beck , während im Jahre 1565 den 17. Januar der evangelische Geist-liche Thomas Ulrich Vril sich, der den 29. Oktober 1557 die Psarrc: erhalten, mit Weib und Kindwieder fortgeschafft wurde. Hiegegen finden wir 1584 in Teggingen selbst einen Superintendenten,Namens M. Liebcuhäujcr, welch' hoher Titel uns anfangs des achtzehnten Jahrhunderts noch zweimalbegegnet. —
Daß die Ehrenkränkungen nicht das Erzeugnis; des neunzehnte» Jahrhunderts sind, beweistder 3. Februar 1587, an welchem Tage ein Pfarrer zu Bollstadt , der schwere Injurien gegen denHerrn Prälaten und seine Crcditorcs ausgestoßcn hatte, nach „abgcschworenem großem Eidschwnre"wieder freigelassen und auf freien Fuß gesetzt worden ist.
Großen Schade;; erlitt das Kloster auch 1632 in; schwedischen Kriege, jedermann floh ausdemselben in der höchsten Furcht, massacrirt zu werde», es wurde alles ruinirt und die Dokumente,Bibliothek, Grund- und Tagebücher gestohlen und „zerstampft". 1688 mußte es den; französischenMarquis de Tcquierevcs (?) 500 Gulden Brandschaden „baar und ohne Abzüge" bezahle;;.
Der Curiosität halber erwähnen wir eine Auszeichnung aus dein Jahre 1727. Den 6. Augnstist des Mittags zwischen elf und zwölf Uhr zu Deggingen bei einem entstandenen DonnerwetterStephan Fundens Auffäkucchts daselbst Hinterbliebene Wittib auf freiem Feld ohnwcit des Dorfesdurch einen Donnerstrahl todt geschlagen worden. Bei der Visitation hat man an ihr gesunden, daßdieselbe bis an die Füße wie ein frischer Braten, die Füße aber, als wem; man mit zerhacklcnSchroten dareingeschossen hätte, ausgesehen haben.
Unter der Regierung des Abtes Heiurich V. wurde 1736 das Ganze fast von Grund aus neuerbaut, die Kirche aber rennovirt und verbessert. Damals besaß das Kloster »och ziemlich viele Güter,welche alle sich des privilogium immunitati» erfreute» d. h. voi; allen Lasten und Beschwerden freiwaren, ausgenommen, daß sie dein evangelische» Psarrmeßiuer jährlich 24 Läut-Garben reichen mußte».Durch die Säkularisation kam das Kloster 1802 an MaHerstein; die Conventualen erhielten Pension,Abt Willibald 3000 fl. und die Pfarrei Bollstadt , wo er am Ll.März 1824 mit Tod abging; dasGanze wurde in eine fürstliche Doniänenvcrwaltung umgewandelt. Wir können nicht umhin, zur Charakte-