erwogenen Rath: „Wir an Ihrer Stelle würden zunächst suchen, uns das Wohlwollenund die Zuneigung der gestrengen Herren Hunde des Vaters Ihrer Angebeteten zu er-werben. Ist dies einmal geschehen, dann wird ihrem Betrete» der Farm wohl kaummehr etwas im Wege stehen."
(Die folgende hübsche Mozart-Anekdote) dürfte weiteren Kreisennicht bekannt sein. Kaiser Josef besaß eine sehr hübsche, weiche Baßstimme, für welcheer hin und wieder selbst eine Kleinigkeit komponirte» Einmal aber hat er es gar miteiner großen Arie probirt und legte sie in einer der kleinen italienischen Opern ein, dieauf dem Privattheater des Kaisers in Schönbrunn gewöhnlich gegeben wurden. ObwohlNiemand wissen sollte, wer die Arie komponirt, erfuhr es dennoch der Hof und so auch— Mozart. „Wie gefällt Dir die Arie, Mozart?" fragte der Monarch. „Je nun!"antwortete der kindliche, freie, heitere Komponist: „Die Arie ist wohl gut, aber der siegemacht hat, ist doch viel besser."
(Der Triumph der Vorsicht.) Aus London schreibt man folgende buch-stäblich wahre Geschichte: Ein Ehepaar in Jslington leuchtet seit 50 Jahren alle Abendvorsorglich unter die Draperien des Bettes, ob sich dort nicht etwa ein Dieb versteckthalle, ohne daß ihre Furcht je Bestätigung gefunden. Vor einigen Tagen jedoch ent-deckten sie wirklich einen Mann in dem Versteck und waren so erfreut, ihre Ausdauerendlich von Erfolg gekrönt zu sehen, daß sie den armen Burschen ganz freundlich her-vorriefen und reich beschenkt entließen. Der Einbrecher seinerseits war so perplex, daßer erfreut Alles über sich ergehen ließ — und wahrscheinlich das Wiederkommen nichtvergessen wird.
(Kanzler und Kanzlist.) Ein schlichter Bauersmann wollte sich bei BiSmarckin Varzin Rath holen. Der Kanzler hörte ihn freundlich an und gab ihm dann ebensoBescheid. Der Bauer hatte ihn aber immer „Herr Kanzlist" angeredet. Da sagte end-lich der Fürst: „Guter Mann, ich bin Kanzler." — „Nu, nu," sagte der Landmann,„was nicht ist, kann noch werden.
Des Lebens Rätksel.
Ost, wenn wir geh'n auf stillen WegenGedankenvoll beim Dämmerlicht,
Tritt uns die dunkle Sphynx entgegenMit grausig starrem Angesicht,
Und tragt dem Lebe» Räthsel ab,
Die Tod nur lösen kann und Grab.
Hat nicht ein Gott die Welt errettet?Was liegt sie denn im Elend da,
In Finsterniß und Wahn gebettet,
Als wenn kein Werk des Heils geschah?Kniet nicht der Menschheit größ're ZahlNoch vor dem Fetisch oder Baal?
Und an des Abgrunds Rande schreitenDie Millionen nngewarntIn Freveln, bis sie niedergleiten,
Vom Netz der Würgenden umgarnt;Wo weilt der Engel, gottgesandt.
Zu führen sie zum besj'ren Land?
Und warum ruft nicht von den Netzen !Der Herr der Boten HeeresschaarDast sie die Welt in Muthe» setzenMit Ftammenznngen ganz und gar;
Daß Alles Einen Gott bekennt,
Ihn ehrt und liebend Vater nennt!?
O still! Dem sündigen GeschlechteIst nicht des Höchsten Weg bekannt;
Nur langsam hebt der AllgerechteVom Ort des Fluchs die schwere Hand.Wer will bestimmen Raum und ZeitDer göttlichen Barmherzigkeit?
Geh', dunkle Svhynr, geh' ein zur RohrUnd stör' des Lebens Ziele nicht!
Kein eitel Grübeln! Jeder thueIm Kleinen liebreich seine Pflicht,
Wo ihn der Herr hat hingestellt,
So sromnit sein Thun der großen Welt.
Es trägt zur Freude jede Blume,
Zur Ernte jedes Körnlein bei,
Bis an der Schöpfung HciligthumDer letzte Stein vollendet sei:
Wer Gottes Pläne fördern will,
Der schaffe betend treu und still. L. v. Heemstede.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max. Huttler.
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