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Frohsinn und Fleiß sind meistens gepaart. Begrüße stets Deinen Gatte»beim Nachhausekommen froh und heiter, — wenngleich er auch mitunter sorgenvoll undmißmuthig scheint — diesen» stillen Zauber wird er sich nicht entziehen; ein gleichbleiben-der Frohsinn erheitert alle Widerwärtigkeiten des Lebens und erwacht meistens aus derArbeit, welche das Leben süß rinv nicht zur Qual macht.
Gastfreundschaft — des Hauses Ehr', die im großen Ganzen von unserenGroßeltern mehr geübt wurde, als von der jetzigen Generation — weil die echte Gast-freundschaft immer mehr verschwindet, deshalb macht sich die Gesellschaft breit. Laß inDeinem jungen Haushalt die alte Sitte walten, übe Gastlichkeit, die auf geistigen Ler,kehr gerichtet ist, sie wird Dir größeren Genuß bereiten, als die Gesellschaft jemals Dirbieten könnte.
Häuslichkeit! „In Deines Glückes stillen» Frieden allein nur liegt der Mensch-heit großes Loos!" — „Im Hciligthum der Wohnstube wird das Gleichgewicht der mensch-lichen Kräfte gleichsam von der Natur selbst eingelenkt, gehandhabt und gesichert", sagtPestalozzi. Das Haus ist die Welt der Frau; ist auch der Kreis ihrer Thätigkeit be-schränkter, als der des Mannes, so kann sie doch gerade hier verborgene Kräfte ent-falten und alle jene eigenthümliche» Vorzüge, welche den Mann bei Beurtheilung undFühlung so vieler Dinge Auge und Hand der Frau zu Hilfe nehmen lassen.
Jugendliches Empfinden suche Dir zu erhalten, auch wenn das Silber-yaar einst Dein Matronen-Antlitz umrahmt und der Muth Dir fehlt mit Rosen es zuschmücken; dann bewahre vor dem Welken Dein Gemüth, erhalte Dir den Sinn, mit denFröhlichen froh zu sein und ain Schönen Dich zu erfreuen.
Klug und weise handeln soll die Frau — d. h. sie soll das häuslich »virth-schaftliche Leben mit geistiger Beschäftigung zu vereinigen verstehen — nicht in ersterervöllig aufgehen und mit Verachtung auf letztere blicken. Eine kluge Frau wird stetsauf die Interessen ihres Mannes eingehen, auch wenn sie nicht immer seinem höhere»»Gedankenfluge zu folgen vermag. — Das menschliche Leben und Wissen bietet uns überallso viel edlen Zeitvertreib, dessen wir uns mit Recht befleiße» sollen; bei einem geregeltenHauswesen bleibt immer mehr oder weniger Zeit dafür.
Liebe i»» Geben und Empfangen — ist für das Jrauenherz die Krone desLebens! — „Sie glaubt Alles, hofft Alles, duldet Alles und überwindet Alles", —sie ist der Götterfunken, welcher die Welt befreit!
„Die Liebe umfaßt des Weibes volles Leben,
Sie ist ihr Lenker und ihr Himmelreich;
Die sich in Demuth hingegeben,
Sie dient und herrscht zugleich."
Milde und Nachsicht übe gegen die Fehler anderer; — Niemand kann diegeheimen oft so verworrenen Triebfedern der Handlungen anderer Menschen ergründe»,die oft viel mehr das Resultat unseliger Verhältnisse, als eigenen Willens sind — des-halb noch einmal: sei streng gegen Dich selbst und nachsichtig gegen anoere.
Natürlichkeit! laß Dir nicht rauben dies Vorrecht der Jugendzeit, »vo allesin uns blüht und glüht und schäumt, und »vo das Herz ohne Wissenschaft und Kundeder Welt oft so richtig weissagt — alle Culturgebilde wiegen ihren Werth nicht auf!
Ordnung! — o heilige, segensreiche Himmelstochter, nicht genug kannst Du siehegen und pflegen, aber hüte Dich vor ihrer weniger verehrten Schwester — derPedanterie. — Ordnungsliebe, Sauberkeit, Schönheitssinn dürfen der Frau nicht einmalPflichten, — sie müssei» ihre Naiurnothwendigkeilen sein.
Pünktlichkeit geht mit der Ordnung Hand in Hand; laß sie walten in Deinen»Heim, namentlich in Bezug auf die Dienstboten — gewöhne sie und Dich an eine richtigeZeiteintheilung.
N ü ck s i ch t n e h m e n, eine leider viel zu wenig geübte Tugend — wie vielenConflicten würden »vir aus den» Wege gehen, wie viel kleine Freuden uns bereiten, wenn