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wir uns ihrer mehr befleißigten; übe sie gegen Deine Hausgenossen, insbesondere gegenDeine» Gatten.
Sparsamkeit und richtige Einteilung gehören zu den Hauptstützen des Haus-wesens — selbst der erlaubte wohlthuende Luxus muß mit gewissenhafter Oekonomiezusammenhängen: „Mit Vielen', läßt sich schmausen, mit Wenigem läßt sich Hausen."
Treue, halte sie hoch im Leben — sein treu in der Liebe — treu in der Freund-schaft — treu in der Erfüllung Deiner Pflichten! Und wie immer sie Dir naht, nimmsie freundlich auf, verachte nicht ihr schlichtes Kleid» — „Wohl ist sie schön die bunteZier, doch bringt sie nie den Frieden Dir."
Unzufriedenheit halte fern von Dir, sie ist eine gefährliche Klippe in derEhe und manches Glücksschiff ging daran zu Grunde. Gibst Du Dir selbst den Friedennicht — im kurzen Erdenleben, dann leiste nur auf ihn Verzicht — die Welt wird ihnnicht geben.
Vertrauen ist das Immergrün des Lebens zwischen Dir und Deinem Gatten tNichts kann den Mann mehr freuen, nichts kann ihn mehr mit der Welt und ihrenVerhältnissen aussöhnen, als wen» man ihm in seiner Familie mit ungeheucheltem Ver-trauen entgegenkommt» „Geheimnisse in der Ehe" sind gefährlich; ihre Scheide bedecktimmer einen Dolch, den die Zeit endlich zieht", sagt Jean Paul .
Wohlthätigkeit übe recht oft in dem Maße, wie Deine Verhältnisse es Dirgestatten, denn „Geben ist seliger als nehmen." Keineswegs blos in materiellen Schätzenwie man glaubt — nein, vorzugsweise in denen der Bildung sind die unfehlbarenMittel gegen Noth und Elend zu finden, welche tief mit der ganzen Menschheit zu-sammenhängen, deshalb auch von der Gesammtheit getilgt werden müssen.
Xantippe soll gut gekocht haben, im klebrigen ein zänkisches, rachsüchtiges Weibgewesen sein; laß Dir das erst ein Beispiel sein — Dein Gatte kann gegen Deineäußere Erscheinung, Deine Talente gleichgiltig werden — nie wird er sich dem Behageneines guten Tisches und einer wohlgeordneten Häuslichkeit entziehen. — „Der Weg zumMännerherzen geht durch den Magen." Zank und Nachsucht aber laß stets Dir fern-bleiben; sei nachgiebig und versöhnend, es ist zu Deinem eigenen Heil.
Zartheit des Empfindens bewahre Dir bis in's hohe Alter. — DieFormen des AnstandeS sind «ine nicht zu verachtende Stütze jener gegenseitigen Achtung,auf welche ein christlicher Ehebund gegründet sein muß und mehr als die Frau gewöhn-lich annimmt, wird das Ausüben ihrerseits von dem Gatten gewürdigt. Beginne DeineEhe mit weiser Umsicht und beherzige diese Winke, damit auch Du einst sagen kannst,wie es im Quickborn heißt:
„Berg auf ging's leicht, Berg ab wohl sacht,
Durch manches manches Jahr;
Und doch das Herz vor Lieb' noch lacht,
Wie einst in: braunen Haar."
Miseellen.
(Wie inan unschuldig zu z w e i O h rf e i g e n kommen kan n), mußtejüngst ein kleiner Bengel in Leipzig erfahren, der eben zur Schule gehen wollte und sounvorsichtig war, vor dem Schulgebäude seinen Kameraden zuzusehen, wie sie einen Esel,der, vor einen Obstwagen gespannt, in GemütShruhe dastand, neckten. Er war so in denAnblick der „Grauen" versunken, daß er den daher kommenden Lehrer ebensowenig be-merkte, wie die Flucht seiner Kameraden. Aber plötzlich bekommt er von dem erzürntenLehrer, der der Meinung war, einen der Bösewichter vor sich zu haben, eine schallendeOhrfeige. Bestürzt wendet er sich um, erblickt seinen Lehrer und läuft heulend in dieSchule, die Treppe hinauf. Da begegnet ihm der Direktor. — „Nun, mein Junge,weßhalb weinst Du denn?" — „A . . . ch! Dr. I ... hat mir eine Ohrfeige ge-geben, und ich habe doch dem Esel gar nichts gethan!" — Eine (zweite) Ohrfeige wa«die Antwort»