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(Am Postschalter der deutschen Reich spoft.) Ein Fremder amSchalter: „Bitte um 3 Dreipfennig-, 4 Fünfpfcnnig-, 7 Zehnpfennig- und 9 Wechsel»stempel Marken L 10 Psg. und 3 ü. 1 Mark. Wollen Sie mir noch 7 Postkarten,darunter 3 internationale, ferner 3 mit Rückantwort und 1 Kursbuch, 4. Abtheilung 2Hefte geben?" — Postbeamter: „Wünschen Sie noch etwas?" — „Rein, ich wollteSie nur ersuchen, mir diese 6 Zwanzigpsennig- und 3 Fünfzigpfennig-Briefmarken mitin Rechnung zu nehmen und mir auf einen Hundertmarkschein herauszugeben, ich habekein anderes Geld bei mir." — Postbeamter: „O Stephan, Dein Geschäft blüht. ESgeht nichts über die gediegene Erleichterung im Verkehr."
(Hier können Kalauer abgeladen werden.) Sarah Bernstein ist dem„Temps" zufolge jüngst in Montpellier , als sie in einer Pantomime auftrat, ausgepsiffenworden. Einem Privatberichte entnehmen wir, daß die geniale Künstlerin bei dieserGelegenheit leider auch einen ernsten Unfall erlitten haben soll. Einer der Pfeifendenbefand sich nämlich in der ersten Sitzreihe und pfiff so heftig, daß der dadurch ent-standene Luftzug die Sarah von der Rampe bis in die dritte Koulisse schleuderte.
(Ein charakteristischer Ausspruch Vroudhons.) „Wie haben Siees angestellt, Hr. Broudhon" — sagte eines Tages Cardinal Mathieu , Erzbischof inBesan^on, zu ihm — „einer der unterrichtetsten Menschen unserer Zeit zu werden, nach-dem ich Sie doch noch mit 12 Jahren in einer Elementarschule sitzen sah?" — „Hoch-würden!" antwortete der große Polemiker, „in meinem Lande spannt man 20 Ochsenvor den Pflug und ackert damit einen Felsen."
(Was ist emancipirt?) Lehrer (in einem Vortrug über den Tabak): „Ja, eShat die Unsitte des Rauchens eine solche Verbreitung erlangt, daß selbst Frauenzimmersich nicht scheuen, Cigarren zu rauchen, allerdings nur Emancipirte. Was verstehst Dudarunter: emancipirte?" Schüler (nach einigem Besinnen): „Das ist eine leichtere Sorte!"
(Gut gegeben.) Ein junger Mann wurde von einem Bekannten mit den Wortenin eine Gesellschaft eingeführt: „Meine Damen und Herren! Ich stelle Ihnen HerrnZk.vor, der durchaus nicht so dumm ist, wie er aussieht." „Das ist eben der Unterschiedzwischen uns Beiden," versetzte sogleich der Eingeführte.
(Worin gleichen die Frauen den Lichtern?) Beide wollen geputztsein und Beide leuchten, wenn sie geputzt sind. Putzt man sie jedoch zu stark dann gehensie oft aus.
(Eine gefühlvolle Seele.) Mein Mann ist doch eine recht gefühlvolle Seele!Wenn ich draußen im Hofe eine halbe Klafter Holz hacke, setzt er sich einen halben Taghinter den Ofen und weint, weil ich so viel arbeiten muß. —
(Ein Kenner.) Vor Gericht fragt der Präsident: „Sie haben einen Fußtrittauf die Schulter erhalten, und zwar des Nachts. Wie konnten Sie den Angreifer er-kennen?" — „Ich kenne den Stiefelabsatz genau, ich bin sein Schuster."
(Militärische Verwarnung.) „Kommt mir der Kerl morgen wiedermit so kurzgeschorenen Haaren, so lasse ich ihn auf drei Tage in's Loch stecken!"
Räthsel.
Es braust ein Reiter über's Gefilde weit,
Sturm ist sein Roß, und Wasser sein Panzerkleid.
Daß um das Haupt ihm blauer Helmschmuck walle,
Das siehst Du nicht vor finsterer Locken Schwalle.
Das aber siehst Du, wie sein Auge glühtUnd durchs Visir die zorn'gen Flammen sprüht;
Und seiner Stimme dröhnendes ErhebenMacht auch den festen Erdengrund erbeben.
Auflösung des Räthsels in Nr. 64: „Ares, Eros, Eris, Iris."
Wt die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag des»Literarischen Instituts von 0e. Max Huttler .