Schmuck nur noch seine Zufluchtsstätte an indische» Nasen gefunden, während er außerdem nur nochbei Gelegenheit des Zähmens wilder Thiere: Bären u. s. w. in Anwendung zu kommen pflegt. —Noch eigenthümlicher ist freilich die sonderbare Sitte, Lippen- oder gar Kinnringe zu tragen —Ersteres ist indischer, Letzteres Molukkengebrauch.
Was die Arm- und Funringe anbelangt, so sind dieselben zum grünten Theil in der früherenAnordnung verschwunden. Unser heutiges Armband ist nur noch ein schwaches Ueberbleibsel vonjenen einstige» Spangen und Reifen, mit denen man sich früher schmückte; — die indischen Bajaderenz. B. und auch Frauen anderer Orte, trugen alle Finger und Zehen mit Ringen überdeckt.
Im Ganzen aber tritt uns doch die Wahrnehmung entgegen, daß der Ring in seiner ver-schiedenen Gestalt ursprünglich in eben solchem, ja noch höherem Grade das Eigenthum des Mannesgewesen, und nach und nach erst Privilegium der Frau geworden ist. — Die Egvpter benutztengoldene Ringe sogar als Münzen, während andere Völker deren von Eisen für denselben Zweck ver-wendeten. — Auch als Orden wurden früher goldene Ringe verwendet, so bei den Kriegern der altenberühmten afrikanischen Stadt Carthago, welche nach jedem Feldzug, au dem sie Theil genommen,von ihrem Feldherrn zum Andenken einen Ring bekamen, wie man später den Soldaten Tapserkeits-vder Erinnerungsmedaillen verlieh. — Als Hanmbal, der berühmte Feldherr der Carthager, diedie Römer 216 in der Schlacht bei Caunä besiegt hatte, wurde von dem Senat zu Carthago einganzer Scheffel Ringe ausgeschüttet, als Symbol der Vernichtung des römischen Adels. DerselbeHannibal trug in seinem Siegelringe Gift verborgen, als Schutz- und Erlösungsmittel etwaiger Ge-stmgenschaft; er machte auch wirklich im Jahre 183 v. Chr. seinem Leben, um sich vor schimpflicherAuslieferung an seine Feinde zu retten, mit diesem Gist ein Ende.
Ein anderes Volk, die Peruaner, betrachtete Ringe wie Ordenszeichen, das heißt sonderbarer-weise die Ohrringe. — Dagegen galt im Mittelalter der Ring aus edelem Metall, um Hals, Armw er Bein, zuweilen auch um Arm und Bein, als Merkmal eines Gelübdes, das die Ritter thaten;
— überhaupt war der Ring ein Symbol der Freiheit, Treue und Ehre. Unfreie dursten keine Ringetragen — das Geschenk eines solchen seitens ihres Herrn bedeutete für sie die Freiheit.
Und — sonderbarer Kontrast — während einerseits der Ring die höchsten Guter der Mensch-heit zu vertreten hat, diente und dient er andererseits zugleich als Zeichen von Gefangenschaft undSchande — wenigstens in seiner Form von Eisen, die doch ehedem so ehrenvoller Bedeutung — vor-züglich bei den Römern — sich erfreute. Nicht nur die Kette des Gefangenen besteht aus Eisenringen
— auch der Verbrecher der Galeere ist an einen Eiseuring geschmiedet, und nach altdeutschem Brauchstand es auch den Gläubigern zu, dem Schuldner einen Ring von Eisen um den Arm zu legen, alssichtbaren Beweis von dessen Schuld und Haftbarkeit, den Jedermann erkennen konnte, damit dersaumselige Zahler aus diese Weise stets ein Wahr- und Mahnzeichcn mit sich umherzutragen hatte, daser natürlich baldigst zu entfernen trachtete. Eine Art von Mischung dieser verschiedenen Bedeutungenfindet sich bei dem altgermanischen Völkerstamm der Katten, welche von Jugend auf einen Eisenreistragen mußten, bis sie durch irgend eine Heldenthat seiner sich entledigten. So war der Eiseuring fürden Knaben das Natürliche, für den Jüngling ein Gegenstand, den er je eher je lieber los zu werdentrachten mußte, und für den Mann ein demüthigendes Abzeichen von Unehre und Feigheit, — folglichfindet man hier die verschiedenen Bedeutungen des Ringes trotz ihres anscheinenden Widerspruchs,dennoch zu einem Sinn vereinigt.
Wie so es kommt, daß gerade der Ring nicht nur ein Gegenstand des Schmuckes in verschiedenerForm geworden, sondern zugleich von jeher stets und überall durch eine tiefe Symbolik sich ausge-zeichnet hat? Vielleicht liegt das zum Theil in seiner Form, die etwas in sich Geschlossenes, Abge-schlossenes, Vollendetes, die nicht Anfang und nicht Ende hat. Und diese geheimnißvolle, an dieEwigkeit gemahnende Form des Ringes spielt ja den Zauber ihrer Kraft bis in die grauen, schim-mernden Lustgebilde der Märchen und Sagen hinein, wo der Besitz, das Geschenk, das Drehen soeines kostbaren oder gar Zauberringes bekanntlich eine große Rolle spielt; aber nicht nur Wunder-dinge, auch Glück und Segen knüpfte sich oft an die Geschichte eines Ringes, der zum Familienkleiuodward, oder sonst irgend eine tiefere Bedeutung für den Besitzer hat. Schon die alten Deutschen be-trachteten den Ring als Mittel gegen allerlei Uebel des Leibes und der Seele, weil er sie durch seineForm an ein von ihnen als glückverheißend geschätztes Thier: die Schlange, erinnerte; ähnlich sowar es auch bei den Juden, die in dem Ring nicht minder einen Talisman gegen Ungemach undein Heilmittel erblickten. Die Römer gaben sehr viel darauf, Ringe von besiegten Feinden zu erhalten;so wurde z. B. der Kopf des Pompejus dem siegreichen Cäsar mit einem Siegelring im Mund Über-fracht. — Bei der Investitur eines Bischofs erhält dieser vom Papste einen Ring, außer dem Hirtsn-stab, als Sinnbild, und als ehedem noch Venedig seine Dogen besaß, warf Jeder derselben amHimmelfahrtstage jeden Jahres einen Ring in's Meer, als Symbol seiner Vermählung mit demMeere. — Die alten Skandinavier schwuren beini Ringe ihres Tempelgottes die feierlichsten Eide undgab man ehedem einem vertrauten Boten seinen Ring mit aus den Weg, so war dies ein untrüglichesZeichen für dessen Legitimation, und bei den Turnieren ward ost heiß und eifrig um den Ring einerDame, der als Preis dem Sieger zuerkannt wurde, gestritten. Zur Zeit aber der Königin Elisabethvon England tauschten Liebende gar sonderbare Ringe aus, als Symbol der Treue, freilich nicht ausMetall bestehend, sondern nur durch ihre Form an einen Ring erinnernd, das heißt „Er" gab „Ihr"einen Ring aus Binsengeflecht, und „Sie" gab „Ihm" irgend einen Gegenstand — ein Band, ein