Ausgabe 
(25.8.1883) 68
 
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Tuch rc., das sie getragen, und welches er nun ringartig um den Hals oder das Gelenk der Handsich schlang.

Daß die Verlobung?- und Eheringe als Symbol der Liebe, Treue und der Ewigkeit meist amvierten Finger der rechten Hand getragen werden, ist ja allgemein bekannt; minder bekannt däritevielleicht dasWarum" sein- Weil nämlich beyauptet wird, daß von gerade diesem Finger eine Ad.rdirekten Wegs zum Herzen sührt. Einst bestanden die Verlobungsringe oitmals aus zwei Halsten,die bis zur Heirath von den beiden Verlobten getragen wurden, und erst bei Gelegenheit der Hochzeitzu einem ganzen Ring verbunden wurden, welchen formn die Frau zu tragen hatte; auch bestandenbei den Verlobungen die Ringe zuweilen halb aus Gold und halb aus Silber, während Eheringehäufig anstatt nur die Namen der Galten und allenfalls ein Datum innen zu tragen, wie dies jetztder Fall ist, durch allerlei Inschriften nebst Herzen, verschlungenen Händen und dergleichen ver-ziert waren.

Noch im vorigen Jahrhundert galt der Ring als Vorrecht für die höheren Stände jetzt hatdieses Privilegium aufgehört wenigstens ist der Ring am Finger allgemein gebräuchlich bei allenKulturvölkern, bei jedem Stand und Rang, ohne deshalb sei e tiefere Bedeutung zu verlieren, die ernoch heut zu Tage besitzt, wie sonst kein anderer Schmuck des Menschen.

Goldkörner.

Es verräth kein gutes Herz,

Treibst du mit dem Ernste Scherz.

Leid' und meid'!

Das lieble leide, das Böse meide,

So wirst du siegen über beide!

Geschehenes zum Besten wende,

Das Schaden sich zum Nutzen ende.

Die Gesunden und KrankenHaben ungleiche Gedanken!

Der Kranke und der Gesundehabe» ungleiche Stunde.

Gut Gewissen und armer HerdIst mehr als alle Schätze werth.

Bös' Gewisse», böser Gast,

Hat nicht Ruhe hat nicht Rast.

Gewonnen mit Ehr',

Deß wird immer mehr.

Fragen, lernen, lehren,

Bringt Manchen zu Ehren.

Wer in Frieden will walten,

Muß leiden und stille halten.

Vom Funken sängt das Feuer an, vom Feuer brennt das Haus,

Versuchung ist zu böser That ein Funke; lösch' ihn aus! F. B eck.

Mise-llen.

(Nit luege, nit luegel") Von der Landesausstellung in Zürich wirdfolgende köstliche Geschichte erzählt: Ein Primarlehrer aus einem ziemlich entlegenenDorfe hatte auch, wie viele seiner Collegen, den Weg nach Zürich genommen, um den6 bis 10jährigen seiner Leitung anvertrauten Jüngelchen einen Begriff von der Größe,der Produktionskraft und dem Genie des Vaterlandes beizubringen. Aber leider warman spät angekommen; man hatte sich wahrscheinlich mit dem Gaffen bei den herrlichenZuckerläden versäumt kurz, es blieb zum Besuche der Ausstellung nur wenig Zeitmehr übrig. Um nun aber doch das Programm auszuführen, wurde die Schaar durchden Jndustriepalast geführt oder vielmehr gejagt, denn der Dorfpädagoge, die Uhr inder Hand, rief den Kindern beständig zu:Nit luege, nit luege!" Und richtig, es gelang,man kam athemlos aus der Ausstellung heraus und noch rechtzeitig zur Bahn. Schweiß»triefend stieg die kleine Schaar ein, und tief aufathmend, stopfte sich der gewissenhafteLekrer ein Pfeifchen.