Ausgabe 
(25.8.1883) 68
 
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(S p erl i n g s b ra t e n.) Unter der ÜberschriftSperlingsbraten" enthält dieneueste Nummer derVogelwelt" einen sehr zu beherzigenden Aussatz. Im Anschlußan denselben wollen wir über den bereits gerichteten Sperling zwar nicht noch einmalzu Gerichte sitzen, ihn weder verdammen, noch vertheidigen, wollen aber doch seinemNutzen für die Küche einige Worte widmen. Dr. Schleh, eine bedeutende Kapazitätin der Sperlingsfrage, giebt zwar zu, daß des Sperlings Schaden dessen Nutzen wohlübersteige, allein dies berechtige noch nicht zu einem völligen Vernichtungskriege, viel-mehr sei der Versuch zu machen, den Schaden auf menschenwürdigere Art, als durch dendie Landwirthschast schädigenden Ausrottungskampf zu paralpsiren. Dagegen empfehle sich einevernünftige Kontrole über seine Vermehrung und die Neduktionsvornahme, besonders zurZeit der Ernte, d. h. kurz vor oder nach derselben, mittelst Pulver und Blei. Aberwährend der Brutzeit ihn zu vernichten, sei verwerflich und nicht rationell; vielmehrmüsse man, wie für Staare und Meisen an leicht zugänglichen Orten Brutkasten anlegenund die Jungen zur geeigneten Zeit ausheben. Dr. Schleh wendet sich dann an dieHausfrauen bezüglich der Zubereitung des Sperlings und möchte gern in den modernenKochbüchern Rubriken finden übergeröstete Sperlinge, Sperlinge in Brotkrusten,Sperlingsbrüstchen mit Trüffeln, Sperlinge mit Reis u. a. in." Gekochte Sperlingsgeben bekanntlich eine überaus kräftige Suppe, auch gebraten oder als Ragout dienensie als delikate Speise. So weit vr. Schleh. Sind, so müssen wir nunmehr fragen,wir denn nicht thöricht, wenn wir die feine, wie die bürgerliche Küche, der Reichewie der Taglöhner dieses schätzenswerthe Naturgeschenk gleich einem Uebel noch längerverachten? Gewöhnen wir uns nur einmal daran, dann werden wir sicher den Genußdes jungen Sperlingfleisches nicht mehr meiden. Aber auch die älteren Sperlinge gebeneine vorzüglich kräftige Suppe. Dabei soll sehr zu empfehlen sein, wie ein alter Spatzen-sreund wissen will, wenn man das rasche Garkochen derselben durch noch eine Messer-spitze voll kalzinirte Soda unterstütze, und dann die gekochten Sperlinge wie Hülsen-srüchte durchschlage, wodurch eine feine, substanziöse, kräftige Suppe sich herstellen lasse.

(Ein hübsches Künstler-Geschichtchen) wird aus Paris gemeldet. In einemder besuchtesten Cafös kam es zwischen einem Musiker und einem jungen Bankier zu einemAuftritt. Der Musiker ein Konzert-Virtuose sprang auf, riß sein Visitenkarten-portefeuille aus der Rocktasche und reichte dem Beleidiger eine Karte, die dieser mit großerRuhe zu sich fleckte. Achtundvierzig Stunden später traf der Musiker den Finanzmannwieder auf der Straße. Er stürzte auf ihn zu:Mein Herr, Sie haben mir noch nichtGenugthuung gegeben! . . ."Im vollen Umfange entgegnets der junge Bankier;Sie haben mir vorgestern ein Billet zu ihrem gestrigen Konzert gegeben, ich habe dasKonzert besucht, Sie spielen gehört, was wollen Sie noch mehr?" Der Musiker warsdem Bankier einen wüthenden Blick zu und seinen Eifer verwünschend, der an der Ver-wechselung der Karten Schuld war schob er von dannen.

(In der Menagerie.) Erster Schusterjunge:Ne, nu ist er gar zu den Löwenm den Käfig gekrochen. Das ist Courage!" ZweiterSchusterjunge:Ach, wa^Courage! Hat sich was! Wenn meine Meesterin im Kasten stärke, ginge er nicht hinein..

Räthsel.

(Für Lateiner.)

Es flogen Silbe Eins und ZweiGeschleudert in die Weite;

Nennt man die Silben Zwei und Drei,

So denkt man an die Breite;

Zur Höhe ragt das Ganze frei,

Dem schönsten See zur Seite.

Auflösung des Räthsess in Nr. 67:Saalseid." ,

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg .7 Druck und Verlag des

Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.