mann 1883) habe ich drei liebliche Gedichte von A. Kaufmann gelesen, welche Sagenaus dem Haßlochthal zum Gegenstände haben.
Kehren wir wieder an die Gestade des Mains zurück! Etwa eine Stunde unterHaßloch schauen links von der Landstraße aus einem umbuschten Felsthale die Ziegel-dächer des badischen Dorfes „Grünewört" heraus. Von hier zieht sich der schattige„Schenkenwald" längs des linken Ufers bis nach „Mondfeld " hinab. Dieses badischeDorf liegt dem bayerischen Marktflecken „Stadtprozelten " gegenüber. Hier strömt derMain im engern Bette. Sobald wir an dem großen bayerischen Dorfe „Faulbach " amrechten Ufer vorüber sind, erblicken wir in der Ferne die Zinnen und Thürme der Burgvon Stadtprozelten . Auf einer steilen Anhöhe ragt noch immer stolz die imposante Ruinedes Bergschlosses empor. Hinter der Anhöhe erheben sich die dunkeln Berge des Spessarts,und ihre Wälder ziehen sich auf beiden Seiten der Anhöhe bis an's Gestade hinab.Dicht am Ufer umlagert die Burganhöhe der alterthümliche Marktflecken Stadtprozelten ,dessen Befestigungsmauern bis zum Bergschlosse hinauslaufen. Dies Bergschloß soll vonKönig Heinrich I. erbaut worden sein. Urkundlich treten als Eigenthümer zuerst imJahre 1260 die „Schenken von Klingenberg" auf. Nach mehrmaligem Besitzwechsel kames 1483 an Kurmainz , welches dasselbe zur Landesfestung erhob und bedeutend erweiterte.Im Jahre 1668 wurde die Feste von Turenne zerstört. Ringmauer», Bastionen undKellergewölbe sind ziemlich gut erhalten. Die Burg selbst zeigt noch eine Vorderseitemit einer Reihe von Fensteröffnungen. Die zwei viereckigen massiven Hauvtthürme habeneine Höhe von 70 Fuß. Von kleineren Thürmen sind noch theilweise die Umfassungs-mauern vorhanden. Als König Ludwig 7. nach der Errichtung der Main -Dampfschiff-fahrt 1844 zum ersten Mal von Bamberg den Main hinunterfuhr, war er überraschtvon der romantischen Schönheit dieser Gegend, stieg die Burg hinauf, besichtigte Allesgenau und bestimmte eine nicht unbedeutende Summe aus seiner Schatulle für die Er-haltung der Burg und für die Umgebung derselben mit Anlagen.
Eine halbe Stunde unter Stadtprozelten gewahren wir am Fuß des „Hochberges"das große bayerische Pfarrdorf „Dorfprozelten "; es erscheint urkundlich schon im neuntenJahrhundert. Sein Gemeindehaus war ursprünglich ein kurfürstlich Mainzisches Jagd-schloß. Eine weitere halbe Stunde abwärts, in einer reizenden, auf beiden Seiten vongrünen Waldungen bekränzten Landschaft liegt auf dein rechten Ufer am Abhänge des„Fechenberges" die pittoreske Ruine „Kollenburg". Am Fuße des Bergs steht einsamein Försterhaus. Die Burg wurde 1254 von dein Ritter von Kollenbcrg erbaut, kam1296 an die Herren von Nüdt und nach deren Aussterben 1735 an Kurmainz . Durchdie Nachlässigkeit der kurfürstlichen Beamten wurde die schöne Burg allmälig eine Ruine.
Abermals eine halbe Stunde abwärts von da streckt sich traulich ans rechte Uferdas Dorf „Fechenbach" hin. Dicht am Gestade liegt das Hofgut und Schloß desFreiherr» v. Bethmann aus Frankfurt a. M. Das Schloß wurde 1648 von den Herrenvon Rcigersberg erbaut und 1842 an Herrn von Bethmann verkauft. Dieser richtetedas Schloß komfortabel ein und umgab es mit schönem Park und Garten. Für Pomo-logen vom großen Interesse ist die dortige Baumschule. Unterhalb Fechenbach erblickenwir am rechten Ufer die nahezu 90 Meter hohen Wände und Stunde langen rothenSandsteinbrüche des Dorfes „Neistenhausen". In ihnen sind viele hundert Arbeiter be-schäftigt. Diese Brüche liefern vortreffliches Baumaterial, welches nach Frankfurt, Mainz bis Koblenz hin ausgeführt wird. Hier werden Steine von colossaler Größe gebrochen,für Säulen, Palast-, Feflungs- und Brückenbauten. An den Uferbergen des Mainshatte ich schon vorher viele Bundsandsteinbrüche gesehen. Besonders häufig sind sie aufder Strecke von Stadtprozelten bis Miltenberg hin. Sie steigen die Berge hoch hinauf,oben und seitwärts umgiebt sie Wald, auf den südlichen Abhängen ziehen meist Reben»terraffen von einem Steinbruch bis zum andern hin. Die zwischen den dunkeln Bergwäldernhervorschimmernden, von der Sonne grell beleuchteten zackigen rothen Massen bieten ausder Ferne gesehen einen eigenthümlichen landschaftlichen Reiz.