Ausgabe 
(5.9.1883) 71
 
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Etwas weiter unten überrascht uns am linken Ufer ein neues schönes Bild. Aufder halben Höhe des schroffenWanneiiberges" steigen, von Hochwald umgeben, die hohenThürme der BurgFreudenberg" trotzig gen Himmel; dicht am Ufer umgiebt den Fußdes Berges das badische StädtchenFreudenberg" mit seinen alterthümlichen Gebäuden,unter denen sich ein fürstliches Schloß befindet. Die Burg wurde gegen Ende desXII. Jahrhunderts vom Hochstift Würzburg erbaut, den Grafen v. Wertheim als Lehenübergeben, aber ihnen wieder abgenommen nach dem Tode des Grafen Michael III. imJahre 1556. Kaiser Rudolf II. sprach im Jahre 1602 Burg und Stadt dem GrafenLudwig v. Löwenstein-Wertheim wieder zu, der dann während des 30 jährigen Kriegesdie Linie Löwenstein-Wertheim-Freudenberg gründete. Dieser Linie gehört die Burg nochjetzt, die Stadt aber wurde 1803 badisch. Zerstört wurde die Burg während des 30-jährigen Krieges. Der viereckige» aus riesigen Quadern erbaute, 60 Fuß hohe Wart-thnrm ist gut erhalten, ebenso ein etwas kleinerer Thurm und ein Theil der äußerenMauern. Das Schloßthor trägt das gräfliche Wappen und die Jahreszahl 1409. Vonder Schloßkapelle steht noch die Vorderseite mit der Jahreszahl 1361. Die Festungs-mauern erstrecken sich den Berg hinunter und ziehen die Stadt in den Bereich der Burg-befestigung. Um Freudenberg herum ist das Klima außerordentlich mild, es reifen dortauf einem geschützten Abhang große blaue Trauben, die einen guten Nothwein geben.Etwas unterhalb Freudenberg hört das badische Gebiet auf; die Länge der Mainstrecke,in welcher das linksseitige User zu Baden gehört, beträgt 73 Kilometer. Von Freuden-berg an sind wieder beide Flußufer bayrisch. Schon bei Neistenhausen wendet sich derMain mehr gegen Süden und bei Freudenberg gegen Südwesten. Auf dem linken Ufertreten die Ufer allmälig mehr und mehr zurück und lassen einer fruchtbaren Ebene Raum,während auf der rechten Seite noch der Spessart seine bewaldeten Berge und rothenFelsen bis nahe ans Gestade sendet und da und dort düstere Seitenthäler öffnet. Dieerste bayerische Ortschaft auf dem linken Ufer ist der wohlhabende große MarktfleckenBürgstadt . Saatfelder, Wiesen, Obstbäume, Weingelände umgeben ihn. Bereits unterFreudenberg sah ich viele Tabaksanpflanzungen, die sich bis Bürgstadt hin erstrecken»Hier mündet die viele Mühlen treibendeErf" in den Main. Südwestlich von Bürg-stadt erhebt sich ein waldiger Berg, dessen Gipfel ein großer allemannischer Ningwallumgibt. Von Bürgstadt zieht der Main nach der eine Stunde entfernten Stadt Milten-berg und beginnt dort den nordwestlichen Lauf gegen Aschaffenburg . Als ich in diesemSommer hier vorüberkam, war der Main außerordentlich belebt. Viele Schiffe mit Bunt»sandsteinen, Holz, Getreide befrachtet, und lange Flöße fuhren thalwärts.

An das schönbewaldete Gebirg angelehnt streckt sich Miltenberg in einer einzigenweit ausgedehnten Zeile längs des linken Ufers hin, auf der Abdachung eines Bergeserheben sich über der Stadt die alte epheuumrankte Miltcnburg und zwei moderne schloß-artige Villen. Von Miltenberg schlangelt sich der eine Stunde lange schattige fürstlichePark längs des Mains hin bis zum stattlichen Nesidenzschlosse des Fürsten Löwenstein-Wertheim-Noscnberg und dem Marktflecken Klein-Heubach . Gegenüber auf dem rechtenUfer liegt das Pfarrdorf Groß-Heubach , und vom Gipfel eines mit Traubenterrassenbebauten hohen Berges begrüßt uns das idyllische FranziskanerklosterEngelsberg " mitseinem Kirchthurm und seiner 560jährigen Linde. Nun durchströmt der Main eins frucht-bare, mit vielen Dörfern und Städtchen besetzte Thalebene, rechts begleitet von densüdwestlichen Ausläufern des Spessarts, links von den dichtbewaldsten Bergen des öst-lichen Odenwaldes. Bevor wir Aschaffenburg erreichen, kommen wir noch vor einerBurgruine vorbei; auf dem Gipfel eines rebenumkränzten Berges schaut aus Bäumender Thurm und die Ringmauer derKlingenburg", ehemals denSchenken von Klingen-berg und Prozelten" gehörig, freundlich heraus. Bei der Annäherung an Aschaffenburg wird das Land auf der linke» Seite allmälig flacher.

Nachdem wir an dem großen HofgutNilkheim" vorüber sind, bietet sich unfern Blickendas Schlußbilb des Mainthal-Panorama's dar:Aschaffenburg und seine Umgebung."