Ausgabe 
(5.9.1883) 71
 
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Der Main strömt unter den elf stattlichen Bögen einer steinernen Brücke abwärtsund umsäumt in weitbogiger Krümmung die vom rechten Ufer aufsteigenden Anhöhen.Auf diesen thront, von parkartigen Anlagen umgeben, das aus rot'hem Sandstein er-baute königliche Nesidenzschloß mit seinen fünf hohen Thürmen; am Ufer tritt dort dasUrgebirg in massenhaften, klippenförmig aufsteigenden Felsbänden zu Tag, über denselbenaus einem Weinberge s-iegelt sich im Main die von König Ludwig I. in antikem Styleerbaute pompejanische Villa. Rechts vom Schlosse tauchen aus terrassenartigen Anhöhenaus dem Dunkel von Bäumen, die Kirchthürme und Häuser der Stadt auf. Am Süd-ende zieht längs der Uferhügel eine Reihe schmucker Landhäuser und Gärten hin. DenHintergrund schließen die Berge des Spessarts, aus welchen der weithin hochrothschim-mernde, mit dunklem Nadelholz bewachsene Gipfel des kegelförmigen Findberges empor-ragt. Der Gipfel dieses Berges war mit einen, großen germanischen Ringwall umgeben,von welchem durch den Rothsandstcinbruch der größte Theil weggegraben ist. Auch hiererzählt die Sage von derFindburg", auf welcher der 'Ritter von Helmenroth im Jahre1005 gehaust habe. Urkundlich ist hierüber nichts vorhanden. Ebensowenig hat manSpuren von Mauerwerk gefunden. Bei dem zwei Stunden von Aschaffenburg entferntenDorfe Soden befindet sich auf eine», steilen Berge ein großer dreifacher germanischerRingwall. Die Sage hat hierhin dieSodenburg" verlegt. Auch hier keine urkundlicheBestätigung und keine Spur von Mauerwerk. (Nordd. Allg. Ztg.)

Miseellen.

(Mesalliancen" im Thierreich.) Man schreibt der WienerPresse" ausGolling (Salzburg):Der größte Jagdherr unserer Gegend ist bekanntlich der preußischeOberst-Jägermeister Fürst Heinrich ^ I. von Pleß. Nicht nur der Paß Luegsondern das ganze Tännen-Gebirge, Steinwandseite Lueg und die vorliegenden und an-grenzenden Niederjagden sind theils Eigenthum, theils Pachtung des Fürsten . Nun hatvor einigen Jahren der verstorbene König Victor Emanuel dem Fürsten eine Anzahlpiemontesischer Steinböcke zum Geschenke gemacht. Die Thiere wurden ausgesetzt und,wie es scheint, haben sich die südlichen Gäste in unserem Hochgebirge ganz gut einge-bürgert. Neuerdings wird über Mesalliancen berichtet, welche die Böcke mit den ausder Hochweide befindlichen Hausgaiscn eingehe». Die Sprößlinge aus dieser Paarung habenindessen mit ihren Erzeugern wenig gemein. Je älter der Bastard wird, um so mehrverliert er die Ähnlichkeit mit dem Steinböcke; insbesondere bleibt die Entwicklung desGehörns weit zurück. Werfenweng besitzt einige dieser Bastarde, die sich allerdings durcheine gewisse Wildartigkeit auszeichnen.

(Eine chronometrische Sternwarte), so berichtet dasJournal desDebüts", soll in Besan^on zu dem Zwecke erbaut werden, um den Gang des Chrono-meter durch mathematische Feststellung der astronomischen Zeit zu bestimmen. Man hatdie Stadt Besän, on dazu gewählt, weil diese Stadt der Sitz der diesbezüglichen Fabri-kationen in Frankreich ist; denn es werden daselbst täglich 1200 Chronometer verfertigt.Diese Zahl allein reicht hin, um das Interesse zu erklären, das man allgemein empfindet,an Ort und Stelle der dortigen Industrie die Mittel zu bieten, ihren Produkten dirhöchstmögliche Vollendung zu geben. Die Stadt wird das Terrain hergeben und dieSternwarte erbauen, was ihr eine Ausgabe von 200,000 Franken auferlegen wird.Der Staat seinerseits wird die Instrumente, deren Werth auf 100,000 Franken veran-schlagt worden sind, liefern.

(Boshaft.) Frau:Sieh' nur, Gustav, wie mein seliger Vater auf dem Bildelächelt. Er freut sich, daß Du endlich meinen Wunsch erfüllt und mir den Brillant-schmuck gekauft hast." Mann:Bewahre, er lacht mich aus, weil sich so ein Esel warund das schöne Geld dafür fortgeworfen habe."

Für die Redaktion verantwortlich AlphonS Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttlcr.