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Die die Bahn umgebende Landschaft mit ihrem Naturleben wechselt in überraschenderWeise vor den Augen des Beschauers. Die Städte und Ortschaften, welche sie berührt,gewähren in den meisten Fällen noch das Bild der Unfertigkeit und des schnellen hastigenAufstrebens in dem bekannten amerikanischen Großstadtstyle.
St. Paul, die eine Ausgangsstation, am Mississippi gelegen, ist etwa 30 Jahrealt und zählt gegen 50,000 Einwohner, zum größten Theil Deutsche und Skandinavier .Der Geschäftsverkehr des Städtchens ist ein sehr bedeutender, wird aber schon von derSchwesterstadt Minneapolis überflügelt, da die Fälle des Mississippi eine so bedeutendeWasserkraft bieten, daß daselbst Getreidemühlen von großer Leistungsfähigkeit entstandensind. Im Durchschnitt liefert eine solche Mühle täglich 5000 Fässer Mehl der vorzüg-lichsten Qualität, das in den letzten Jahren mit 8—9 M. bezahlt wurde.
Wer die Reise nach Westen vom Superiorsee aus antritt, der beginnt die Fahrtin der Stadt Superior, resp. Dulukh. Superior ist durch die zügellose Spekulation,welche dort ihr Wesen mit dem Ankauf von Grundstücken getrieben, etwas in seinemWohlstand zurückgegangen. Ungeachtet der günstigen Lage und des vorzüglichen Natur-hafens, mit welchen! sie ausgestaltet, fehlt es an kapitalbesitzenden Bauunternehmern, undso erwuchs ihr in dem benachbarten Dulukh ein gefährlicher Rivale. Dulukh ist in Folgedes zunehmenden Schifffahrtverkehrs, den ihm die Verödung Superior's zuführte, an dieNord-Pacificbahn angeschlossen worden.
Während der ersten hundert Meilen (englisch ) durchläuft der Schienenweg einehügelige Waldregion, die häufig durch Dörfer und Ansiedelungen unterbrochen wird.Dann überschreitet er den Ncdriver und berührt die blühende Ackerstadt Fargo. Hierbeginnt eine für das Auge unabsehbare Prairie von großer Fruchtbarkeit, welche außerdurch die Hauptbahn durch verschiedene Zweigbahnen dem gewinnbringenden Ackerbauerschlossen ist. Der Boden ist völlig eben, mit kurzem Gras bewachsen, Bäume siehtman nur an den Ufern der kleinen Flüsse; dagegen verleihen die zahlreich in der Land-schaft zerstreut liegenden Farmen und Gehöfte den Umgebungen der Bahn ein belebtesAussehen. Je mehr man sich dem Missouri nähert, desto hügeliger wird die Gegend;bei der etwa 10 Jahre alten Stadt Bismarck (3000 Einwohner), der Hauptstadt vonDakota, welche circa 450 Meilen vom östlichen Anfangspunkt entfernt liegt, wird derMissouri auf einer 1450 Fuß langen Stahlbrücke überschritten. Bis hierher ist dieNord-Pacific-Bahn schon mehrere Jahre im Betrieb, und war die genannte Stadt bisherEndstation. Am westlichen Ufer des Missuori liegt die mit Bismarck wetteifernde StadtMandan . Von hier tritt der Charakter der Landschaft in kräftigen Zügen hervor, dieAnsiedelungen suchen mit Vorliebe geschützte Thäler auf, die Vegetation wird spärlich undgewinnt erst wieder ein freundlicheres Ansehen bei der Station Glendive, wo sie sich demAellowstonefluß nähert, dem sie 400 Meilen weit folgt, bis in der Ferne die schneebe-deckten Gipfel des Felsengebirges sichtbar werden. Den ersten Ausläufer desselben durch-führt der Zug in einem 3500 Fuß langen Tunnel. Dann folgt der Eisenweg in demEallatinthale dem Gallatinflusse bis zu dem Punkte, wo er nach seiner Vereinigung mitMadison und Jefferson den Missouri bildet, der hier zum zweiten Male mit einem kühnaufstrebenden Baue überbrückt ist. Jenseit des Missouri läuft die Bahntrace in graderLinie nach der Stadt Helena, der Hauptstadt Montanas . Hier ist das Gebirge ver-mittelst einer 3800 Fuß langen. Gallerie untertunnelt, dann folgt 300 englische Meilenweit in westlicher Richtung bis an den Oreillesee eine Gegend von hoher landschaftlicherSchönheit, deren Niederungen mit ertragreichem Kulturboden, deren Berghänge mit Holzbedeckt, in ihrem Schooße Minerallager bergen. Von diesem See an läuft die Bahnlinie250 englische Meilen in der ackerreichen, gut angebauten Niederung des Kolumbiathalesnach dem Staate Oregon und zieht sich an dem linken Ufer des genannten Flusses entlang,durch eine mit den Reizen pittoresker Naturschönheit ausgestattete Gebirgslandschaft biszur Stadt Portland , der Metropole des Westens. Dann folgt sie dem Columbia40 Meilen weit, bis auf das Gebiet von Washington, überschreitet den Fluß und läuft