Ausgabe 
(12.9.1883) 73
 
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Die Nachrichten ans Zautschaufn waren keineswezs tröstlich, sonnt der Abschied recht ernst. EinigeTage »ach der Abreise erhielten wir einen Brief vom Herrn Provikar. Er theilte uns mit, daß eswirklich nicht günstig für unsere Sache stände. Der apostolische Mann jedoch wurde nicht abgeschreckt.Etwas später theilte er uns mit, daß er am 5. Mai zur Stadt kommen würde. Unbehelligt langteHerr Provikar an, stieg in einem Wirthshause ab und besuchte am 6. Mai den Mandarin. DerEmpfang war ein kurzer und nicht freundlich. Der Mandarin fragte ihn, ob er Rebellen beschützenwolle.Durchaus nicht; ich beschütze nur Diejenigen, welche die katholische Religion annehmen wollenund daran gegen das kaiserliche Edikt gehindert werden." Der Mandarin fragte ferner, ob derMandarin von Jangkn ein Edict zu unsern Gunsten gegeben hätte. Herr Provikar mußte dieß ver«»einen, denn der Mandarin von Jangkn ist unser Feind, wie Sie, Herr Rector, schon wissen.Darauf war die Unterredung zu Ende. Herr Provikar kehrte in sein Wirthshaus zurück und erklärteam folgenden Tage den Neugierigen den Zweck seiner Ankunft; ab und zu schickte er einen Kateehistenin's Mandarinat. Der Mandarin hatte am Schlüsse seiner Unterredung gesagt, er müsse sich zuvormit seinen Collegen berathen; dann wollte er ihm sagen, was er zu thun hätte. In der Stadt Zaut-schanfn befindet sich nämlich ein Kriegsmandarin und ein Ober- und Unter-Civilmandarin. Am ll.Mai» nun Nachmittags erschienen Soldaten im Wirthshause und forderten den hochw. Provikar auf, schleunigstdie Stadt zu verlasse». Herr Provikar besteigt seinen Wagen. Begleitet von einem jüngeren Kateehisten,Fuhrmann, Soldaten und einer ungeheuren Volsmenge fährt er nicht zur Stadt hinaus sondern zumMandarinat. Aber hier findet er verschlossene Thüren. Nun wußte er Bescheid und schickte sich anunter derselben Begleitung die Stadt zu verlassen. Bor der Stadt beginnt nun eine traurige Kata-strophe, menschlich gesprochen; im Lichte des Glaubens betrachtet, beginnt das Martyrium. DieSoldaten fchlagen zuerst den Kateehisten, dieser ergreift die Flucht; dann ziehen sie den Herrn Provikaraus dem Wagen, reißen ihm bis auf die Unterhose die Kleider vom Leibe, binden ihm die Händeauf den Nucken und ziehen ihn an einem Baume in die Höhe. Nun beginnen sie ihre Henkerarbeitund schlagen unmenschlich mit Knütt.ln auf alle Körpertheile. Als sie ihn für todt hielten, ließensie ihn zur Erde fallen und wollten jetzt den Wagen denwliren. Der Fuhrmann jedoch erhob Ein-sprache, indem er sagte, es sei sein Wagen. So beschädigten die Unholde nur das Tuch, raubten aberAlles: Gepäck, Geld, Kleider, Meßsächen und gingen ihres Weges.

Eine Stunde nach der Abfahrt des Herrn Provikar erscheinen im Wirthshause wieder Soldaten,geben einem Kateehisten einige Ohrfeigen und bedeuten ihm, schleunigst zu fliehen. Der alte Katcchistwar eben abwesend. Ersterer nun geht zur Stadt hinaus und findet in einiger Entfernung den HerrnProvikar. Weder Herz- noch Pnlsschlag konnte er bemerken. In dieser traurigen Lage blieb er beidem Bekenner Christi meine Augen sülle» sich mit Thränen: erst nach einiger Zeit überzeugteihn ein schwacher Pnlsschlag, daß noch Leben vorhanden sei. Ein mitleidiger Heide kam eben desWeges. Beide nein nahmen die theure Bürde und trugen sie 7 Li weit. Dort erhielten sie einenWagen sür Geld und gute Worte; auf diese Weise gelangten sie in ein 18Li von der Stadt entlegenesDorf, wo einige Katcchnmeuen die armen Verfolgten aufnahmen. Es war schon Mitternacht. Amandern Morgen gegen 8 Uhr trank Herr Provikar etwas Thee und sprach unverständliche Worte. Umdiese Zeit erschienen Leute aus dem Mandarinat mit einem Wagen. Ihr Herr, sagten sie, wüßtenichts von dem Vorgefallenen; er bedanre sehr, und lasse den Provikar bitten, in's Mandarinat zukommen. Allein der Arme konnte den Wagen nicht besteigen. Vier Männer fasten sein Bett undtragen ihn so, während der Katechet den Wagen besteigt. Der Mandarin, welcher das Tribunalgeschlossen hatte, ist derselbe, der ihn jetzt aufgenommen hat. Unser Fuhrmann ist geflohen, ebensodie Katechisten; nur jener alte nicht, welcher vielleicht in dem Augenblicke, wo ich dieses schreibe, beidem theuren Bekenner im Mandarinat weilt. Dies erzählte ein treuer Katechist, der eben in dembesagten Dorfe predigte. Er hat den Herrn Provikar in seinem Leidensznstande gesehen und sagte,er könnte wohl schon todt sein. Somit ei» Märtyrer sür den Martyrersaal in Steyl.kercutiamx-eetorem er vvos ckispo, geutur." iIch werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreutwerden.") Kommen Sie, hochw. Vater, uns nun in leiblicher und geistiger Weise zu Hilfe und seienSie herzlich gegrüßt von Ihren treuen Söhnen in Christo Jesu- G. Nie h m."

So Hr. Rieh»!, der damals allein in Puoli, dein Centrum der Mission, sich befand. Wir empfingendiesen Brief am 20. Juli, und sind die vier neuen Missionare am 26. Juli noch unter dem Ein-drucke dieser Nachrichten abgereist. Im klebrigen haben wir von einer Veröffentlichung derselben zu-nächst Abstand genommen und aus eine weitere Bestätigung gewartet. Diese ist unterdessen einge-troffen und zwar durch einen Brief des Herrn Provikar selbst, der zu unserer großen Freude in dieserharten Drangsal von der göttlichen Vorsehung glücklich, wenn auch nicht ohne Verletzung, erhalte»worden ist und nun hoffentlich der Mission seine Kräfte noch lange wird widmen können. Leider hater über den ganzen Vorfall selber nur kurze und abgebrochene Mittheilungen gemacht, da es ihn zu-nächst beschäftigte, aus seiner Nothlage, der argen Geldklemme, worin er sich befindet, herauszu-kommen. Er schreibt:

. «Ich »herschicke heute den Jahresbericht. Der Schluß folgt nächstens. In Zautschaufn wurdeich geschlagen iu ockiuin religloms (d. h. aus Haß gegen die Religion.) Davon später. Heute aberetwas Nothwendigeres. Ich habe in Zautschaufn 170 Taöl's verloren, (wurden geraubt). In Zinanfn,Tschifu habe ich L-chnlden, so daß mit genauer Noth die 3000 Alk., die Sie schickten, zu deren Deckunghinreichen. Dazu habe ich täglich 70 bis 80 Personen zu ernähren, die Katechisten zu bezahle»; die