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Reisen für die Besorgung der Katechumencn, dann setzt der Proceß, und — kein Geld. Ich bat N. N.aus den Knieen, mir abermals Geld zu leihen. Aber er konnte nicht. Wenn Gott jetzt nicht einWunder wirkt, so geht die Mission zu Grunde. Heute schicke ich ein Telegramm. Ich hoffe nachEmpsang dieses Briefes haben Sie bereits die 8000 Mark abgeschickt. Aber schicken Sie sobald alsmöglich wieder. Erlassen Sie einen Ausruf, schicken Sie Leute zum Sammeln aus. Die 8000 Markreichen blos sllr die augenblicklichste Noth. Kommt nicht in 1—2 Monaten Geld, so muff ich dieMission auslösen. Ach welche Schwierigkeiten! Dazu bin ich noch voll von Wunde», ganz geschwächtob des Blutsturzes. Beten Sie, erlassen Sie einen Aufrus und kommen Sie uns doch mehr zu Hilfe.Unter den herzlichsten Grüßen Euer Hochwürden ergebenster, dankbarster I. Auzer.
Auf dem Rande bemerkt dann der Herr Provikar noch mit einigen flüchtigen Zeilen: „Ichfragte meine Peiniger, warum sie mich schlügen. Wollten sie mein Geld, so sollten sie es nehmen.Sie schrieen: „Wir wollen nicht deine Habe, wir wollen dein Leben. Du bist ein Haupt der katho-lischen Kirche . Diese ist schlechter, als die Sekte der „weißen Seerose."") Du mußt sterben!" Ichhabe sechs Kopfwunden. Mein Imker Fuß ist gebrochen. Der Rücken von den Schlägen sehr ge-schwollen. In Folge der Schläge überfiel mich ein Blutsturz. ..." > , ,
Die in den Briefen mitgetheilten Thatsachen sprechen an und für sich zu laut und eindringlichals daß wir es für nöthig hielten, noch viele Bemerkungen hinzuzufügen. Gewiß werden besondersdie angeschlossenen Bitten in allen fühlende» Herzen lauten Wiederhol! finden. Daß das Missionshausvon Steyl für seine Mission in Süd-Schantong gethan hat, was es thun konnte, beweist der Umstand,daß wir in den Jahren 1882 und 1883 bereits mehr als 40,000 Mark für unsere Mission veraus-gabten. Möge Gott der Herr immer mehr hochherzige Seelen anregen, uns und der fernen Missionmit ihren mitdcn Gaben zu Hilse zu kommen.
M i s - s l l e n.
* (Ein entrüsteter Professor.) Der rühmlichst bekannte Arzt und ProfessorBusch (geb. 1788 zu Marburg» Professor und Direktor in Berlin ) pflegte durchaus keinebesondere Sorgfalt auf seine Kleidung zu verwenden. So kam es, daß man ihm zu-weilen, seines schlechten unscheinbaren Rockes wegen, die nöthige Ehrerbietung vorenthielt.Nach einer solchen in Marburg einst gemachten Erfahrung, begab er sich nach Hause,zog seine besseren Kleider an, und ging dann wieder unter die Leute, wo er nun eineganz anders Aufnahme und Begrüßung fand. Das aber war dem guten Professor, dessenWissenschaft ein viel besseres Gewand als er selber trug, nun vollends gar nicht recht!Eilends verfügte er sich wiederum in seine vier Pfähle zurück, warf den Sonntagsrockschnell ab, und sprang wüthend mit beiden Füßen darauf umher, indem er tief entrüstetrief: „Bist Du der Professor oder bin ich's?" —
(Was ist ein Reporter?) Ein nie verzagendes — nach Neuigkeiten jagendes
— überall schnüffelndes — zu Hause büffelndes — wie der Blitz laufendes — sich kaumverschnaufendes — zur Redaktion eilendes — nur kurz verweilendes — Zeilen 'raus-schindendes — wieder verschwindendes — hoffnungsvoll strahlendes — rosig ausmalendes
— wundervoll träumendes — Frühstück versäumendes — wenig erbauendes — Dingennicht trauendes — viel sich erkühnendes — wenig verdienendes — würdevoll tragendes
— imnier verzagendes — wieder versuchendes — morgen mehr buchendes — mühsamerwerbendes — dereinstmals sterbendes — volksaufklärendes — unterhaltend-belehrendes
— nichts vergessendes — aber selbst bald vergessenes Individuum.
(Umgekehrt.) Vater: „Aber Hans, Deine Noten haben sich ja wieder nichtverbessert!" — Hans: „Ja Papa, Du darfst jetzt schon ein ernstes Wort mit dem Lehrerreden, sonst macht er immer so fort."
(Umschreibun g.) Angeklagter: ... „Herr Gerichtshof, das muß schon in derFamilie lieg'n, denn dem Franz! (dem Erschlagenen) sei Vata is g'rad so g'storb'nword'n."
(A u s n a h m s w e i s e.) „Wie siehst Du aus Schmule. — Bist ja gar nicht zuerkennen!" — „Gewaschen hab ich mer heute."
H Die Sekte der „weißen Seerose" ist eine weitverzweigte chinesische Geheimverbindung, diestaatlich verfolgt wird.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Angslmrg. — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von l)r. Max Hnttler.