Ausgabe 
(15.9.1883) 74
 
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Das ist Lord Alphington", sagte diese;er geht immer zu Fuß durch den Parkzur Kirche und ist überhaupt iu seinem ganzen Wesen noch einfacher wie ein gewöhn-licher Landedclmann."

Auf dem Rückwege begleitete Lord Alphington Lady Langley und Sir Stephandurch den Wald; die beiden Mädchen folgten mit dem jungen Holcroft. Herrlich schiendie Sonne und beleuchtete das frische Grün der Bäume. Hier und dort blickten Primelnund Waldanimoncu aus dem weichen Moose hervor.

Wie prachtvoll muß der Wald nach einem Monate aussehen!" rief Bertha ent-zückt aus.

Der Herbst, das ist die beste Zeit", belehrte sie der Seemann;es gibt hiereine solche Menge Nüsse, Sie müssen dann herüberkommen." Lena schlenderte einigeSchritte voraus und betrachtete das stattliche Schloß, welches ab und zu, wo das Gehölznicht allzudicht war, dem Auge sichtbar wurde.

Plötzlich sprang ein Mann aus dem Gebüsche hervor; er stutzte, als er sich denbeiden Damen und ihrem Begleiter gegenübersah, dann lüftete er seinen Hut, bat umEntschuldigung, sie so erschreckt zu haben und verschwand zwischen den Bäumen auf derentgegengesetzten Seite des Weges.

Was für ein unangenehm aussehender Mensch!" sagte Bertha;ob er hier in'sDorf gehört?"

Dem Acußcrn nach zu urtheilen, schien er nicht von guter Herkunft zu sein",bemerkte Lena, vielleicht war es ein Wilddieb."

Dafür sah er nicht muthig genug aus", entgegnetc Holcroft.O, Miß Daltou,ich muß Ihnen noch ein Abenteuer erzähle!», welches wir vorigen Winter mit einer BandeWilddieben gehabt haben. Ich war gerade hier anwesend und in derProcris " zurück-gekehrt", fügte er gegen Bertha gewendet hinzu.

So erzählten sie munter weiter auf dein Spaziergaugc, ohne zu ahnen, von welchembedeutenden Einflüsse die Person, der sie dort begegnet, auf ihr Schicksal sein werde.

Der Tag des großen Gastmahles war erschienen und mit ihm die erwartetenGäste; Lady Langley verstand als ausgezeichnete Wirthin die Kunst, es Jedem behaglichzu machen und die Unterhaltung vor dein Stocken zu bewahren. Als man sich dieselbstcrlcbteu Ereignisse und Zufälligkeiten mittheilte, sagte sie:

Meine junge Freundin Bertha Daltou hat kürzlich ein merkwürdiges Abenteuererlebt", und nun erzählte sie die Geschichte des Ringes, wie sie sie von Bertha erfahren.Es scheint ein ganz interessanter Ring gewesen zu sein; sagtest Du nicht, Bertha, erhabe eine Devise gehabt?"

So schien es mir", erwiderte diese. In der Mitte desselben befindet sich einschöner Opal und die Anfangsbuchstaben den kleinen Edelsteine, welche diesen einfassen,machen, wenn ich mich nicht sehr irre, den NamenFides" aus. Ich kann mir nichtdenken, daß die Steine so auf's Geradewohl zusammengestellt seien.

Das ist ja sonderbar", bemerkte Lord Alphington, und während der noch übrigenZeit bei Tische war er zerstreut und sprach nur dann, wenn man ihn direkt anredete.

Als sich später die Herren den Damen im Wohnzimmer wieder zugesellten, nahmLord Alphington eine Tasse Kaffee, schritt quer durch's Zimmer auf Bertha zu undsetzte sich neben sie.

Darf ich fragen, ob Sie den Ring, in dessen Besitz Sie auf so eigenthümlicheWeise gekommen sind, bei sich haben? frug er dann.

Ich bedauere sehr, daß dies nicht der Fall ist", erwiderte Bertha.In London trug ich ihn in der Hoffnung, den Eigenthümer anzutreffen, fortwährend; aber als ichhierher reiste, hat man mich beredet, ihn zu Hause zu lassen."