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ihm in die Feder: „Die Verantwortung könnte ich nicht übernehmen", und hicmit warer zufrieden und seine Skrupeln waren beseitigt. Dann schloß er den Brief und trugihn mit Schnellschrittcn auf die Post.
» Am Vorabende des 16. Juni erwartete er das Erstlingskind seiner Muse an derSpitze des Lcibblattcs. Bis dahin waren noch drei Tage, drei lauge, lange Tage. DieHerren Professoren waren nimmer recht zufrieden und eine Mathcmatikscription, die derjunge Dichter zu machen hatte, soll gar nicht gut ausgefallen sein. Vor Glück undFreude und seliger Erwartung kannte er sich, wie man zu Lande sagt, nimmer rechtaus. Als dann erst der 15. Juni kam, jener Tag, der das Lcibblatt mit dein Gedichteauf sein Zimmer bringen und des Dichters Ruhm in alle Lande verbreiten sollte: wielangsam flössen heute die Stunden hin, noch langsamer als am Tage vor der Vakanz!
Der Abend kam. Der Studio sah nichts Anderes mehr vor seinen Augen alssein Huldignngsgcdicht in großen Schwabacher Lettern au der Spitze des Leibblattes.Und lange, lange dauerte es, bis endlich der Bahnzug in die Stadt hcrciupfiff, der inseinem Postwagen das geliebte, mit unaussprechlicher Sehnsucht erwartete Journal bringensollte. Ja, diese Zeitungen! — Wie ein Liebesbote werden sie oft erwartet und ersehnt!
Der Studio war, nachdem um vier Uhr die lästige Classe zu Ende war, längsdes Bahndammes spazieren gegangen, um sich die Zeit zu vertreiben. Er hatte denPostwagen mit dem köstlicheil Inhalte an sich vorüberfahreu sehen, nun stürzte er heimund erwartete mit einem unaussprechlich eigenen Gefühle unten in der Stube der Haus-frau den geliebten Postboten. Er blieb länger, viel länger aus als sonst, doch er kam
und schon bei der Thüre nahm der Studio die Zeitung in Empfang. — —
Am Abende saß traurig, fast weinend der Dichter droben in seinem Dachstüblcin.Das böse Leibblatt hatte seines Gedichtes nicht einmal Erwähnung gethan, ein anderes
viel schlechteres — wie der Studio meinte — glänzte an seiner Spitze. Er war
namenlos unglücklich. Seine schönste Hoffnung war vernichtet, seinen Glücksstern hielter für erloschen, kaum ein Todesfall hätte ihn mehr bcstürzcn können. Der arme Dichter!
Doch er sollte entschädigt werden. Nach sieben Jahren schrieb er die Geschichte seinesersten Gedichtes nieder, und bei der Gelegenheit kam dieses selbst in die Zeitung. —
N. II.
M i s e e L l e u.
(Probate Mittel gegen verschiedene Uebel.) Gegen den Katzenjammer:Man bleibt drei bis vier Tage, bevor man ihn bekommt, im Bette liegen, vermeidetden Genuß geistiger Getränke, versetzt sich durch einen heißen Thee in einen kräftigenSchweiß und wartet ruhig ab, bis das betreffende Diner oder Zechgelage vorüber ist.Dann steht mau fröhlich auf und geht an die Arbeit. Uroffaknm sst! — Sehr richtigheißt eS „Gegen die Dummheit": — „Hilft Nichts". Item: „Sich eine dauernde Ge-sundheit zu verschaffen": „Mau wähle ein reiches, aber durchaus gesundes Elternpaarund lasse sich von diesem gut und kräftig nähren und mit dem nöthigen Kleingeldversehen."
(Von der „kleinen Excellenz".) Als der Abgeordnete Windthorst vor nichtlanger Zeit seine Kur in Eins begann, trat ihm" au einem köstlichen Morgen ein Bekanntermit den Worten entgegen: „Excellenz bringen uns vortreffliches Wetter mit!" —„CentrnmSwetter!" antwortete schmunzclnd Windthorst, indem er vergnügt über die Brillen-gläser schielte.
(Aus Kindermund.) „Taute, wenn Dir die Füße eingeschlafen sind, machstDu da auch Deine Hühneraugen zu?"
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . - Druck und Verlag des,Litcrarischcn Instituts von Dr. Max Huttlcr.