Ausgabe 
(19.9.1883) 75
 
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Äugsbnrger postzeitung."

Nr. 75.

Mittwoch, 19. September

1883

Der Gpalring.

Roman aus dem Englischen von E. C.

(Fortsetzung.)

Bertha telegraphirte sofort ihrer Mutter und bat sie, den Ring umgehend zuschicken, da sie ihn Donnerstag Lord Alphington zu überreichen wünschte.

Sir Stephan fuhr sie selbst im Jagdwagcn zur nächsten Station, und von dortaus besuchten sie eine interessante in der Nähe liegende Ruine, wo sie, wie verabredet,Lady Langley, Lena und Frank Holcroft, sowie das mitgebrachte Frühstück antreffensollten. «

Auf dem Wege zum Stationsgebäude äußerte Sir Stephan von Neuem den Wunsch,Bertha für immer zu sich zu nehmen.

Wenn Du Deine Mutter und Lena durchaus in Sicht haben mußt, so findenwir vielleicht hier in der Nähe ein hübsches Häuschen, und wer weiß, auch einen Mannfür Lena."

Bitte sprechen Sie nicht so!" rief Bertha mit Thränen in den Augen aus.

Nun, wenn es Dich betrübt, Maricnblümchcn, will ich es nicht mehr thun", sagteSir Stephan, sie mit dem früheren Lieblingsnamcn anredend»

Aber Du weißt ja, daß ich den Sachverhalt kannte, ehe Ihr Plymouth ver-ließet und ich muß Dir sagen, Bertha, obschon es Deine Mutter betrifft, es war sehrunvernünftig von Mrs. Dalton, Lcna's Kopf mit solchen Ideen anzufüllen. Ist dasMädchen entschlossen, zu heirathen, so wird sie schon einen Gatten auftreiben, denn sieist. schön, das läßt sich nicht leugnen. Aber ich befürchte, sie bleibt an irgend einemTaugenichtse hängen, wenn sie nicht bald zum gewünschten Ziele gelaugt. Deine Pflichtist es, dies zu verhüten. Du hast Verstand genug, für die andere mit."

Bertha seufzte. Sie wußte, wie wenig Einfluß sie auf Lena besaß und daß esihr unmöglich war, sie von einem einmal gefaßten Vorhaben abzubringen.

Gebe Gott , daß Sie ein falscher Prophet sind", entgegnete sie:Sie dürfenLena nicht zu strenge beurtheilen. An Arbeit ist sie ja nie gewöhnt gewesen, dagegenimmer verzärtelt und mit der größten Nachsicht behandelt worden."

Und nun betrachtet sie ihr gutes Aussehen als eine Art von Waare, die manan den Meistbietenden losschlägt. Nun, nun, ich würde meine Tochter nicht so erzogenhaben, da ich die Ehe von einem anderen Gesichtspunkte betrachte. Eh, kleine BerthalWie Du siehst, habe ich noch so alte verrottete Ansichten und vielleicht hast Du Recht,daß ich den Verhältnissen nicht genug Rechnung trage. Wir wollen nicht weiter darüberreden, sondern das Beste von der Zukunft hoffen. Darin besteht ja die wahre Weis-heit, das Beste hoffen, und sein ganzes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung setzen."

Nachdem die kleine Gesellschaft die Ruine besichtigt und auf dein Nasen Platz ge-nommen, theilte Ihnen Lady Langley nach dem Frühstücke die näheren Einzelheiten der