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Nach der Gefechtsmusterung wird Feucrlärin geläutet, die Mannschaft nach der Feuer-löschrolle gemustert, sämmtliche Spritzen probirt rc.
Nach Beendigung der Uebungen werden Windsäcke, Decks- und andere Bezügegewaschen, und wenn es die Witterung gestattet, dieselben zwischen den Masten aufge-hängt. Zwischen 5 und 7 Uhr ist das Mittagsmahl des Kapitäns und der Offiziere;6^/g Uhr das Abendbrot der Mannschaft und bis 7^ Uhr freie Zeit (Nauchzeit). Um
7 Uhr Wachewechscl und deren Musterung; 7^ Uhr werden die Kadettcn-Hängemattcnund um 7^ Uhr die Hängematten der Freiwache unter Deck gebracht. Um 8 Uhr er-tönt das Kommando; „Pfeifen und Lunten aus, Ruhe im Schiff!" Um 9 Uhr mußdas Licht in der Kadetten- und Dcckoffizier-Mcffe, um 10 Uhr das Licht in der Offizier-Messe gelöscht werden.
Um 9 Uhr 10 Minuten erfolgte die Hauptronde durch den ersten Offizier, be-gleitet von den Offizieren und Kadetten der resp. Decks, sämmtlichen Deckoffiziercn, derStabswache rc. Hauptzweck derselben ist die Gewißheit, daß alle nicht vorgeschriebenenLichter und Lampen gelöscht sind, um möglichst jeder Fcucrsgesahr während der Nachtvorzubeugen. Der Zimmermann meldet den Wasscrstaud im Schiffe, der Feuerwerkerdie sichere Befestigung der Geschütze rc. Ist die Nonde abgemacht, so stattet der ersteOffizier dem Kommandanten Rapport darüber ab und empfängt von demselben event.Befehle für die Nacht oder für den nächsten Morgen. Während der Nacht erfolgt halb-stündlich eine Nonde durch die Kadetten. Bei jedem Wachwechsel während der Nacht um
8 Uhr, 12 Uhr und 4 Uhr Morgens werden auch die Rcttungsbootsmauuschaften ge-mustert und, die Posten an den Rettungsbojen genau instruirt.
Die obige Zeiteintheilung zeigt wohl zur Genüge, daß weder die Offiziere, nochdie Mannschaft viel freie Zeit übrig behalten. Die eine Wache war 16^ Stunden imDienst, hatte 7^ Stunden Ruhe, davon nur 4 Stunden Schlaf in der Hängematte,während die andere 10 Stunden Dienst, 14 Stunden Ruhe hatte und davon 7 Stun-den in der Hängematte war.
Das ist wahrlich kein leichter Dienst, und er erfordert kräftige Naturen, um somehr, als bei schlechtem Wetter die so spärlich bemessene Ruhezeit noch mehr gekürztwird. — ,
M i s c e l l e n.
(Sobieski's Sieg es wagen.) Die Stadt Wien schenkte 1683 dem Polen-könig Johann Sobieski einen „prachtvollen Siegcswagcn", der 3000 Dukaten gekostethaben soll. Etwa 60 Jahre später befand sich dieses Werthstück — so berichtet dieKölnische Zeitung — auf einem dem weiblichen Nachkommen des Königs gehörigen Gutein Oberschlcsien. Dort nahm es der preußische General-Lieutenant Henning Alexanderv. Kleist während des ersten schlcsischeu Krieges 1742 als Beute in Beschlag und schicktees mit Erlaubniß des Königs Friedrich II. nach Pommern, wo es zu einer Kanzel fürdie Dorfkirche von Radsatz bei Ncustettin verarbeitet werden sollte. Das ist denn auchgeschehen, und noch heutigen Tages wird aus dem Siegcswagcn Sobieski's gepredigt.Die feine Goldmalerei mit den: in mehrfachen Schildern angebrachten Namcnszuge desPolenkönigs (I. 8. II. 1?.), dem weißen Adler und vielen türkischen Trophäen (Tur-banen und Hellebarden) ist noch wohl zu erkennen. In der Decke liest man die Inschrift:Ourrus triumplmim lloiinnnm Lostissiri llöAis ikoloirornna. Auf der Vorderseite istals Besitztitel das Kleist'sche Familienwappen angeheftet.
(Bedenklich.) „Hier, Fräulein Flora, bringe ich Ihnen einen kostbaren Brillant-schmuck; als Gegendienst bitte ich, daß Sie öfter an Ihren aufrichtigsten Verehrerdenken ..." — „O, gewiß, Herr Baron! Welchen meinen Sie?"
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLitcrnrischen Instituts von Dr. Max Hnttler.