Ausgabe 
(22.9.1883) 76
 
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Nr. 76.

1883,

zur

Äugstmrgcr Pöjheltimg."

Samstag, 22. September

Der Gpalring.

Roman aus dem Englischen von E. C.

(Fortsetzung.)

AchtesCapitcl.

Früh Morgens hatte es geregnet, doch als die Gesellschaft von Larkspur auf-brach, um nach Alphington-Park zu fahren, waren die Wolken verschwunden und HellerSonnenschein an deren Stelle getreten. Eine tiefe Niedergeschlagenheit hatte sich Bcrtha'sbemächtigt; der Opalring war verloren gegangen.

Die heutige Post hatte ihr diese ärgerliche Nachricht mitgebracht und ihr sonst soheiteres Gemüth wurde von den Gedanken, daß sie nun anstatt dem rechtmäßigen Eigen-thümer den kostbaren Ring zurückstellen zu können, sich über den, wie sie sich in ihren:Herzen sagen mußte, durch Leichtfertigkeit herbeigeführten Verlust zu entschuldigen habe,vollständig niedergedrückt.

Lena war diese unangenehme Neuigkeit vollständig gleichgültig, sie wurde ja per-sönlich nicht davon betroffen, denn es war nicht ihre Gewohnheit, sich durch die SorgenAnderer, in ihren: eigenen Vergnügen stören zu lassen.

Mit leuchtenden Augen und blühenden Wangen ruhte sie in der Ecke des luxu-riösen Wagens und überließ sich ihren Phantasien. Sie stellte sich vor, wie ihr wohlzu Muthe sein, was sie denken und thun würde, wenn sie jetzt als die verlobte Brautder Erben dieser herrlichen Besitzungen dort ihren Einzug hielt; denn ihr Gedankenflughatte bereits diese Richtung eingeschlagen und solche Möglichkeit erwogen.

Das Schloß war ein stattliches Gebäude; der Grundriß hatte die Form eines D.Zur Zeit der Regierung der Königin Elisabeth pflegten die Architekten aus Courtoisiediese Figur zu wühlen; es war aus rothem Stein gebaut und zum Theil mit Epheubewachsen. Ueber dem mittleren Portale erhob sich ein Glockenthurm und in den beidenFlügeln, welche die Arme des Buchstabens bildeten, befanden sich an der einen Seitedie Salons und an der anderen Seite die große Bibliothek. Durch die Fenster dieserGemächer blickte man auf eine breite Grasterrasse, welche an den: ganzen Hanse vorbei-lief und nur durch die von einen: mächtigen Greifen bewachte Treppe unterbrochen wurde.In einiger Entfernung lag ein mächtiger Hochwald, an dessen Rande man einen kleinenmalerischen See gewahrte. Schon lange hatten die zahlreichen Schwäne und sonstigenWasservögel dort, ungestört durch Ruderschlüge, unter den üppigen Blattpflanzen ihr Nestgebaut. Das Innere des Gebäudes entsprach vollständig der herrlichen Außenseite.Die große Halle mit den reichgeschuitzten Panelen aus Eichenholz wurde in: Winter durchriesige Kamine erwärmt; an den Wänden befanden sich alte Rüstungen, Waffen, Hirsch-geweihe und sonstige Jagdtrophäcn. In den mit Sainmctmöbeln ausgestatteten Salonshingen die ansgewähltesten Gemälde und die Wände waren mit Majolika, Sevres undchinesischen: Porzellan, sowie mit Knnstschätzen aus Marmor und Bronce verziert; eine