„Und was ist nun zu thun!" rief Benha mit einem leisen Seufzer aus. „O, esist mir so leid!"
Lady Langlcy, welche ihren Kummer bemerkte, trat zu ihnen heran.
„Wahrlich hast Du von dem verloren gegangenen Ringe erzählt. Es ist rechtärgerlich, aber bitte, sagen Sie ihr, daß sie es sich nicht zu Herzen nimmt", fügte siezu Lord Alphington gewendet, hinzu.
„Das müssen Sie gewiß nicht thun", bat er freundlich; „dazu ist keine Veran-lassung. Der Verlust dieser alten Familien-Reliquie ist mir freilich nicht gleichgültig,jedoch augenblicklich von weniger Bedeutung, als es früher den Anschein hatte. Ichbezweifle nicht im Mindesten, daß die Person, welche bei Mrs. Dalton war, den Ringgestohlen hat und glaube ebenfalls, daß nicht der Gcldwerth desselben die Veranlassungdazu war. Diese Ansicht gibt dem Diebstahle besondere Wichtigkeit in meinen Augen."
„Daran habe ich gar nicht gedacht, aber jetzt, wo Sie mich darauf aufmerksammachen, finde auch ich es sehr auffallend", bemerkte Lady Langlcy. „Sie werden dochSchritte thun, um der Sache auf die Spur zu kommen?"
„Ja, ich will sofort die Polizei davon in Kenntniß setzen. Irgend ein Geheimnißmuß damit verbunden sein."
„Das scheint wirklich so."
„Was die wichtigere Angelegenheit betrifft, so bin ich äußerst glücklich, Ihnen sagenzu können, daß alle Zweifel gehoben sind. Heute Morgen erhielt ich einen Brief meinesRechtsanwaltes."
Bertha blickte fragend aus.
„Sie haben genügende Aufklärung erhalten?" sagte Lady Langlcy.
„Gott sei Dank, ja", antwortete der Earl. Der junge Mann, welcher sich Scdleynennt, hat seine Papiere bei Thomson und Cratthit vorgezeigt. Diese versichern mirnun, daß sie vollständig in Ordnung seien. Es ist keine Frage mehr. Sedley ist derlegitime Sohn meines Sohnes. Das einzig Fehlende ist dieser verloren gegangeneRing. Doch sind glücklicherweise die Beweise derart, daß er nicht unbedingt nöthig ist."
„O, wie mich das freut", rief Bertha mit strahlenden Augen und erleichtertemGemüthe aus.
„Von ganzem Herzen gratulire ich Ihnen", sagte Lady Langlcy, ihrem altenFreunde die Hand reichend.
„Dank, besten Dank, ich bin in der That zu beglückwünschen", erwiderte LordAlphington, Bertha freundlich zulächelnd, während er die andere Dame anredete.
„Sie sahen ihren Enkel noch nie?" >
„Nein, aber ich hoffe und glaube, daß er ein echter Faucourt sein wird. Wieich höre, hat er einige Jahre das Jale-Collegium besucht und ist seitdem viel auf Reisengewesen. Das klingt doch Allen recht befriedigend."
„Gewiß, außergewöhnlich gut. Ich kann es kaum erwarten, ihn zu sehen." ^
Samstag werde ich zur Stadt reisen, um das neuentdeckte Kind meines Hausesitt die Arme zu schließen. Höchst wahrscheinlich bringe ich ihn mit mir hierher zurück."
„Und dann wird ein großes Freudenfest gefeiert; das gemästete Kalb muß ge-schlachtet werden", setzte Sir Stephan, vergnügt die Hände reibend hinzu. Er warnäher getreten und hatte die letzte Aeußerung vernommen.
Lord Alphington lächelte.
„Ja, das ^ersteht sich, ich werde alle Nutzbaren einladen, Antheil an meinemGlücke zu nehmen."
Bertha schlüpfte hinweg; sie dankte Gott im Stillen, daß ihre Nachricht wenigerKummer verursacht, als sie befürchtet hatte. Frank Holcrost war eben im Begriffe, dasTakelwerk des im Hintergründe eines Gemäldes befindlichen Schiffes zu kritisircn,