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war", setzte er höhnisch hinzu, indem er einige kleinere Schmucksachcn, welche auf demTische umher lagen, in die Hand nahm und betrachtete.
„Ich könnte Dir wohl dieselbe Frage vorlegen", entgcgncte sie mit flammendenBlicken. „Aber wozu sollen wir uns gegenseitig beschuldigen, ich habe Dir versprochen,Alles zu thun, was Du von mir verlangst, das genügt."
„Ist heute Jemand hier gewesen?" frug Sedlcy mißtrauisch.
„Perkin's hatte den Auftrag, Niemanden außer Dir einzulassen; er ist ein alterNarr, dieser Perkin's, aber ich glaube, daß man ihm ziemlich vertrauen kaun. Ah, gibtes überhaupt noch einen rechtschaffenen Menschen in dieser herzlosen Welt!"
Sedley lachte sarkastisch.
„Die Menschen sind rechtschaffen oder nicht, je nachdem es ihnen am Besten iaden Gram paßt."
„Das ist Dein Grundsatz, mein Freund, dies weiß ich zur Genüge", entgegncteMrs. Lemont verächtlich, „und deshalb darf es Dich nicht wundern, wenn ich Dir nichtunbedingt vertraue. Wie lange soll meine Verbannung dauern?"
„Wie kann ich das sagen; zuerst muß ich Sorge tragen, selbst fest im Sattel zusitzen. —"
Mrs. Lemont heftete ihre durchbohrenden, schwarzen Augen so fest auf ihn, alsob sie sein Innerstes durchschauen wolle; er suchte ihrem Blicke auszuweichen.
„Du würdest mich betrügen, wenn Du könntest, aber nimm Dich in Acht, bedenke,daß Du in meiner Gewalt bist."
(Fortsetzung folgt.)
Gok-körner.
Die Bürde des Tages sollst du tragen,
Und, drückt sie auch schwer, doch nicht verzagen;
Auch hättest du wohl nicht gut gethan,
Fügtest du, daß sie noch schwerer sei,
Ohne Noth ein neues Gewicht ihr bei:
Oft hängt sich ja Manches von selbst daran.
Kein Tag sei, der dein Gewissen nicht vermehre,
Doch jeder rufe dir die große Lehre,
Die eine Wahrheit zu, die deinem GeistDen Frieden, den die Welt nicht kennt, verheißt.
Für Vieles sei wie blind, wie taub und stumm,
Sieh' nicht zur Rechten, nicht zur Linken um;
Doch halte offen dir den Geistesblick
Für das, was fördert dein und And'rcr Glück;
So findest du.den Weg wohl, den geraden,
Hin durch die Welt und bleibst auf Gottes Pfaden.
Thu' recht! Vertrau' dabei auf Gott allein,
Er wird dein Führer, wird dein Helfer sein!
Man gab dir einen Rath; — hab' Acht, von wem er kommt,
Oft räth' der Eigennutz nur, was ihm selber frommt.
Der Wahrheit sei dein Wort und deine That geweiht.
Sei was du scheinen willst, der Schein täuscht kurze Zcit I
Die Laune macht dich heiter, gesprächig oder stumm,
Sie wechselt stets die Farben und weiß doch nicht warum.
Was bleibst du auf halbem Wege steh'n?
Nicht rückwärts, — vorwärts mußt du sch'n
Sei auch im Kleinsten treu! so förderst du dein Glück;
Oft gilt, was klein dir dünkt, als groß vor Gottes Blick!
F, Beck.