Ausgabe 
(26.9.1883) 77
 
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Wirklich? Ist Martha auch zeitig genug gegangen, um an der Station mitIhnen zusammen zu treffen?"

Sie ist schon seit einer halben Stunde fort, Madame."

Dann ist es gut. Sorge, daß das Wasser am Kochen bleibt, denn sie wünschengewiß eine Tasse Kaffee zu trinken."

Noch eine kurze Zeit banger Erwartung, und dann verkündete die ungestüme,laute Freude des kleinen Hofhundes Pinsch die Ankunft der jungen Damen. Dirs.Dalton eilte zur Bcwillkommnung ihrer Töchter hinaus und überstürzte sie mit unzähligenFragen, so daß diese kaum Zeit hatten, sich ihrer Reiseeffckten zu entledigen. Wie siesich amüsirt? Wen sie dort gesehen? Was sie die ganze Zeit hindurch angefangen?Wie ihnen der neue Wohnsitz Sir Stcphan's gefallen? Welcher Art die Nachbarn dortseien? Ob sie auch Lord Alphington gesehen? n. s. s.

Ist das Alles, was Ihr mir zu sagen habt?" frug sie, Lena bedeutungsvollanblickend.

Ja, Mama, Alles," erwiderte diese leicht crröthend und sich mit dem Rückengegen das Fenster niederlassend.

Mrs. Dalton blickte sichtlich enttäuscht ihre Tochter an.Es will mir dünken,Lady Langtet) hätte doch besser für Euer Vergnügen sorgen und Jemanden einladenkönnen, dem es der Mühe werth gewesen wäre, zu sehen," sagte sie in beleidigtem Tone.

O Madame, Lady Langlcy war die Güte selbst!" rief Bertha aus.

Du hast auch gar keine Ursache, Dich zu beklagen," entgegnete ihre Schwester.Sir Stephan und Lady Langlcy haben Dich von jeher verwöhnt, und Lord Alphingtonscheint dasselbe thun zu wollen."

Lord Alphington? Ihr habt ihn also gesehen?" frug Mrs. Dalton erstaunt.

Bertha sah ihn. Er hatte weder Augen noch Ohren für meine Wenigkeit."

Die Aufmerksamkeit, welche er mir schenkte, verdankte ich allein dein Ringe," er-klärte Bertha.Er gab mir diesen," fügte sie, ihrer Mutter den Perlenring zeigend,hinzu,weil er vermuthete, den andern von mir zurücknehmen zu müssen."

Der Ring ist ganz hübsch aber meiner Meinung nach hätte er Dir ein werth-volleres Geschenk machen dürfen."

O nein, das wäre mir durchaus nicht lieb gewesen; ich fand es im Gegentheilsehr zartfühlend von ihm, ihn mir nur als Zeichen der Erinnerung zu schenken."

Bertha wird nie ihr Glück machen, wie Du siehst," sagte Lena mit verächtlichemLachen.Eine Neuigkeit muß ich Dir aber noch erzählen, Mama. An demselben Tage,wo wir zu Alphington-Park frühstückten, erhielt der Earl von seinem Geschäftsführerdie Nachricht, daß ein junger Mann Anspruch darauf erhebe, sein Enkel mithinFauconrts Sohn zu sein. Die Beweise und Papiere seien alle gültig und ausreichend.Er ist also unzweifelhaft der Erbe. Sir Stephan und Lady Langlcy haben uns drin-gend gebeten, sie während dieses Herbstes wieder zu besuchen, und dann werden wirauf alle Fälle diese» Mr. Fauconrt kennen lernen."

Mrs. Dalton nickte mit einem Lächeln der Befriedigung, jedoch verschwand diesesbald wieder und sie sagte:

Ich hoffe, daß er noch frei ist, aber wer weiß, ob er nicht schon eine Frau hat."

Das glaube ich nicht," entgegnete Lena.Er ist mehrere Jahre auf Reisen ge-wesen und zudem sprach Niemand davon, daß er schon verheirathct sei."

Es wäre gewiß zu wünschen," sagte ihre Mutter, denn eine solche günstige Ge-legenheit bietet sich nicht alle Tage; voraussichtlich wird er auch während dieses Sommerswenig in Gesellschaft gehen, da sie gewiß manches in Betreff der Geschäfte zu ordnenhaben werden."

Bertha nahm nicht Theil an dieser Unterhaltung, sondern amüsirtc sich mittler-