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Erwähnt sei noch, daß die Kolossalfignr der Germania in der Gießerei desHrn. v. Miller in München gegossen wurde; die vier Kränze, die Wappen, die Schrift,der Adler das eiserne Krenz und zwei Seitenstücke des Reliefs in Lanchhammer; Kriegund Friede bei Professor Lenz in Nürnberg und Rhein und Mosel nebst drei weiterenReliefs bei Hrn. Bierling in Dresden . Am 16. September 1877 fand die Grundsteinlegungzum Denkmal statt. Kaiser Wilhelm vollzog damals den Weiheakt mit den üblichendrei Hammcrschlägen, indem er sprach: „Mit denselben Worten, mit denen mein hochseligcrVater das Denkmal aus dem Krcnzbcrge bei Berlin weihte, weihe ich auch dieses Denkmal:den Gefallenen zum Andenken, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geschlechternzur Nachciferung!"
M i s e e l l e n.
(Den hundertsten Geburtstag eines Gedichtes) feierte kürzlich die deutscheLiteratur. Am 7. September 1783 übernachtete Goethe in einem einsamen Bretter-häuschcn auf dein Gickelhahn, dem höchsten Berggipfel des anmnthreichen JlmenancrForstes, mitten im Rauschen der Tannenwälder, in denen so oft die lustigen Fanfarender fürstlichen Jägergesellschaft erklungen waren. An die Innenwand der kleinen Hütte,die im Jahre 1870 leider ein Raub der Flammen geworden ist, schrieb der „Wanderer",wie er sich gern zu nennen pflegte, jene innigen Verse, die sein Lebensfrennd Zelter „aufden Fittichen der Musik so lieblich beruhigend in alle Welt getragen hat."
Ueber allen GipfelnIst Ruh,
In allen WipfelnSpürest DnKaum einen Hauch;
Die Vögelcin schweigen im Walde.
Warte nur, baldcRuhest Dn auch.
Am Vorabend seines dreinndachtzigstcn, letzten Geburtstages sagte der Dichter zuFriedrich Förster: „Alle meine Gedichte sind Gelegenheitsgedichte; sie sind durch dieWirklichkeit angeregt haben darin Grund und Boden." ... In diesen einfachen schmuck-losen Versen, die zu dem Schönsten gehören, das je einen: übervollen Dichterherzen ent-sprungen ist, empfinden wir die Wahrheit von Gocthe's Aeußerung: die acht Zeilenfassen einen in tiefster Seele voll erlebten sehnsüchtigen Moment in einem künstlerischvollendeten lyrischen Ausruf zusammen. Die Inschrift, die Goethe selbst wiederholt„rekognoszirte", so im Jahre 1813, und dann später ein HalbesJahr vor seinem Tode,Ende August 1831, ist inzwischen mit dem Häuschen verschwunden. Bei seinen Leb-zeiten haben seine Freunde Knebel und Herder diese kopirt, und wie werth die Stropheihn: selbst war, erhellt daraus, daß er bei seinem letzten Besuch die Blcistiftzüge der-selben von dem Oberforstmcister v. Fritsch noch einmal kräftiger nachziehen ließ. Dannsetzte er darunter: llsir. (ovatuu:) den 29. August 1831. Rührend ist die Schilderungdieser Wanderung, die Gocthe's Begleiter, der Berginspcktor Mahr von derselben hinter-lassen hat: „Goethe überlas diese wenigen Verse", heißt es da, „und Thränen flössenüber seine Wangen. Ganz langsam zog er sein Taschentuch hervor, trocknete sich dieAugen und sprach in sanftem, wehmüthigen: Tone: „Ja warte nur, bald ruhest Duauch" . . . Unser profanes Seitcnftück zu Paul Gerhard's „Nun rnhcu alle Wälder"wie Friedrich Bischer bemerkt läßt übrigcus den echten Ton des Volksliedes in seinereinfachen Weise erklingen. In Kinderlicdern, die Simrock und Hoffmanu von Fallers-leben in den verschiedensten Gegenden Deutschlands nach mündlicher Ueberlieferung auf-zeichneten, finden sich ganz merkwürdige Aehnlichkeiten in Stimmung und Versbau.Interessant ist auch, daß der alte griechische Elegiker Alkman ans Sardes (lebte im 7.Jahrhundert v. Chr.) ein ganz ähnliches, nur weniger jnbjektiv gewendetes Liedchen