suchte ihren Blicken auszuweichen, und die Hand, welche den Hut hielt, bebte sichtlich.Rasch erhob er sich von seinem Stuhle: „Nun, ich muß gestehen, es ist eine verfluchtverdrießliche Geschichte für alle dabei Betheiligten. Ich bin am Wenigsten zu bedauern»da mir dadurch die Gelegenheit wurde, Ihre Bekanntschaft zu machen", fügte er miteiner Verbeugung gegen die ältere Dame und einem bedeutsamen Blicke auf Lena, welchesich ebenfalls erhoben hatte, hinzu. „Darf ich hoffen, daß Sie mir, als dem EnkelLord Alphington's erlauben, meinen Besuch zu wiederholen?"
„Wir werden jederzeit glücklich sein, Sie hier zu sehen", erwiderte Mrs. Dalton.
Mr. Faucourt verabschiedete sich mit vielem Danke.
„Seltsam!" rief Lena aus, als sich die Thüre hinter ihm geschlossen. „Wie wenighaben wir geahnt, wer er sei, als wir ihn im Parke von Alphington begegneten? Ichhabe ihn sofort wiedererkannt. Du auch, Bertha?"
„Ja", war die trockene Antwort. „Erinnerst Du Dich, Du hieltest ihn damalsfür einen Wilddieb."
„Er war so nachlässig gekleidet, und sein plötzliches Erscheinen erschreckte mich, sodaß ich wirklich nicht wußte, was ich davon denken sollte."
„Daß er hierher kam, um sich wegen des Ringes zu erkundigen, war ein glück-
licher Zufall. Ich möchte es fast eine Fügung von Oben nennen", sagte Mrs. Dalton.„Schon jetzt merkt man ihm an, wie sehr Lena ihm gefällt."
„Ich mag ihn nicht", bekannte Bertha; „Er ist kein gebildeter Mensch und offengestanden, traue ich ihm nicht."
„Du ärgerst mich wirklich, Bertha, mit Deinen albernen Ideen", entgegnete ihreMutter. „Er ist ein recht hübscher junger Mann und wird es noch mehr sein, wenn
er'all' diese Aufregungen überstanden und in Ruhe ist. Und dann bitte ich Dich, was
könnte denn da Verkehrtes sein, da der Rechsanwalt erklärt, daß Alles in Ordnung seiund Lord Alphington im Begriffe steht, ihn als Enkel anzuerkennen."
„Bertha ist eifersüchtig", ergänzte Lena lachend. „Gestehe es nur ein, Schwesterchen!Es behagt Dir nicht, daß ich Gräfin von Alphington werden soll. Du albernes Ding, meinstDu ich würde mir diese herrliche Gelegenheit entschlüpfen lassen?"
„O, Lena, sei auf Deiner Hut", warnte Bertha. „Es ist mir nicht möglich, zu denken,daß der Mensch, welcher uns soeben verlassen hat, ein angenehmer Gefährte durch's Lebensein könne, und wenn er zwanzigmal der Sohn eines Grafen ist."
„Wo Du nur all' diese einfältigen Gedanken her hast", brummte Mrs.-Dalton. „Vonmir sicher nicht, — vermuthlich von Deinem armen Vater. Es wäre geradezu undankbargegen die Vorsehung, sein Glück so muthwillig zu verscherzen. Lena hat Gott sei Dankmehr gesunden Menschenverstand. Du wirst Dich Dein ganzes Leben hindurch abarbeitenund plagen müssen, es sei denn, daß unsere theure Lena, wenn sie sich einmal in der Stel-lung für die sie geboren scheint, befindet, uns nicht darben läßt, sondern hinreichend mitdem Nothwendigsten unterstützt." Das entworfme Bild war rührend und Mrs. Dalton fuhrpflichtschuldigst mit dem Taschentuche über die Augen.
„Um Ein's muß ich aber bitten, Bertha," fuhr sie nach einigen Augenblicken fort;mache uns bei dem nächsten Besuche Mr. Faucourt's nur keine Schande, indem Du davonsprichst, daß Du Unterricht ertheilen mußt."'
„Bertha wäre dazu fähig", sagte Leng ärgerlich, „denn ich weiß, daß Sie es SirStephan Langley ausführlich erzählt hat."
Solche Aeußerungen waren im Stande, Bertha's rebellischen Geist wachzurufen, dochbezwäng sie sich und erwiderte nur:
„Mir liegt die Versuchung nicht nahe mit Mr. Faucort zu sprechen, da er mir voll«ständig widerwärtig ist.".
Der Entgegnung wurde durch die Ankunft eines neuen Besuches vorgebeugt.
(Fortsetzung folgt.)