Ausgabe 
(29.9.1883) 78
 
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Hauses! Hier hat seine volle Berechtigung, was der seelenvolle Dichter Wilhelm Smets singt:

Welch' ein Weben, welch ein Streben,

Wie durchzuckt es alle Glieder;

Düfte, Farben, Töne, Lieder,

Mailichfroh die Welt durchschwcben,

Himmelan, zur Erde nieder:

Und es steht der Mensch inmitten,

Möchte Eins sich wählen gerne,

Erd' und Himmel kommt geschritten,

Seht, es blüht auf seinen Tritten,

Seht, es schimmert in der Ferne.

Und hier, wo die Natur all' ihre großartigsten Reize auf einem Punkte vereinigthat, stehen still und einsam zwei verwitterte, winzig kleine Hütten. Der Hirte, einalter Partenkirchner, steht freundlich grüßend vor dem Eingang der einen; auch dervielleicht fünfzehnjährigeHirtbub" zieht sein Hütchen, um die Somincrfrischler will-kommen zu heißen, die sie soweit droben in ihrer Einsamkeit aufsuchen. O wie glücklichmüssen die Beiden sein! Eine Welt vor Augen, deren Schönheit auch sie zu würdigenverstehen, ferne vom Getriebe der Welt mit ihren Sorgen, bringen sie stillvergnügt inArbeit die Tage des Sommers hin. Und schon gar hohe Besuche hat der Hirte inseiner Hütte auf der Schachenalm empfangen. Erst Heuer wieder hat Se. Majestät derKönig am Morgen seines hohen Geburts- und Namensfestes an die Thüre des altenHirten geklopft. Mit freudiger Miene kam er hervor, und wie er seinen geliebten Königund Nachbar sieht, der ihn, den armen Alten, zuerst aufsucht an so festlichem Tage,da rollt das Blut wie jugcndfrisch in seinen Adern, der Mund öffnet sich und so schlichtund so herzlich spricht er zum königlichen Herrn:Herr Kini, i wünsch Eng halt allesGuts zu Engern Tag." Und der junge Hirtbub soll echt partcnkirchnerisch beigesetzthaben: ,,J' o'" (ich auch). Der König freute sich herzlich der beiden guten Leute undihrer herzlichen Gratulation und beschenkte jeden mit einem Goldstücke.

(Schluß folgt.)

Goldkörner.

Erst besinnen, dann beginnen,

Wird erreichen, wird gewinnen.

Merk', wenn du willst am Ziele sein:Eile sehr" brach Hals und Bein,Komm zu spät" ward ausgelacht,Komme recht" hat's gut gemacht.

In Freud und Scherz, in Leid und SchmerzNicht' Aug' und Herz stets himmelwärts.

Früh nieder und früh auf,Verlängert den Lebenslauf.

Glaube nicht Alles, was Du hörst,

Daß du nicht dich und And're bethörst-

Rcdc wenig, Rede wahr,

Zehre wenig, zahle baar,

Fürchte Gott und sei verschwiegen,Was nicht dein ist, das laß' liegen!

Ein gutes Wort, ein guter SpruchLehrt mehr oft als ein ganzes Buch.

F. B e ck.